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Der Prignitzer

23. November 2017 | 08:51 Uhr

"Nach 20 Uhr sitzt man fest"

vom

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2013 | 06:27 Uhr

Wittenberge/Prignitz | "Wittenberge ist für Kultur-Tourismus kaum erreichbar!", ärgert sich unser Leser Dennis Ger loff aus Wittenberge. In einem Brief an die Redaktion moniert er die fehlenden nächtlichen Bus- und Bahnanbindungen von der Elbestadt in die umliegenden Orte. "Die letzten Busse fahren bis maximal 20 Uhr, die letzte Bahn der Region um 21 Uhr. Danach sitzt man in Wittenberge fest." Kulturelle Ereignisse wie die Elblandfestspiele oder die Kneipennacht könnten Leute aus Pritzwalk, Perleberg und Umgebung nicht mehr nutzen, wenn sie nicht auf das Auto angewiesen sein wollen, so unser Leser.

Hat Dennis Gerloff recht? Was die Elblandfestspiele betrifft, zumindest nicht, sagt Manfred Prause, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Prignitz (VGP). Sein Unternehmen hat während der beiden Veranstaltungstage einen Shuttle- bzw. Theaterbus eingesetzt, welcher die Besucher aus der Region Karstädt, Perleberg und Weisen zur Ölmühle brachte und gegen Mitternacht wieder zurückfuhr. Eine Ausnahme, wie er erklärt: "Die Elblandfestspiele sind seit Jahren die einzige Situation, wo wir auch in der Nacht fahren. Dazu haben wir eine Vereinbarung mit der Elblandfestpielgesellschaft geschlossen. Grund ist die hohe Nachfrage der Besucher aus den Orten, die wir anfahren."

Normalerweise aber stehen bei den insgesamt 44 Linien, über die die VGP im Landkreis verfügt, zwischen 20 und 6 Uhr alle Räder still. Das habe mehrere Gründe: "Zunächst wollen und dürfen wir dem Taxigewerbe nicht die Arbeitsgrundlage entziehen und ihnen die Fahrgäste streitig machen", so Prause. Die VGP arbeitet selbst mit fünf Taxiunternehmen zusammen, die auch den Rufbus mit absichern. "Deshalb wird es von unserer Seite aus auch in Zukunft keine zusätzlichen Angebote geben, weder für Linien-, noch für Rufbusse." Darüber hinaus gebe die Zahl der Fahrgäste Angebote in den Nachtstunden nicht her: "Um diese Zeit ist die Auslastung einfach nicht gegeben, auch dann nicht, wenn kulturelle Veranstaltungen anstehen. Wir fahren deshalb ausschließlich zwischen 6 und 20 Uhr, weil in diesem Zeitraum die Nachfrage nach Nahverkehrsangeboten am höchsten ist."

Ähnlich argumentiert auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), welcher die Linie RE6 auf der Strecke zwischen Wittenberge und Neuruppin bedient. Der letzte Zug ab Wittenberge fährt täglich um 20.59 Uhr. "Die Mehrheit unserer Fahrgäste sind Schüler und Pendler, deshalb passen wir unseren Fahrplan ihren Bedürfnissen an", sagt Eike Arnold, Pressesprecher beim VBB. "Wir könnten theoretisch am Wochenende auch einen Zug nach 23 Uhr einsetzen, aber das würde auf eine Leerfahrt hinauslaufen", ist er sich sicher. "Jeder eingesetzte Zug, jede Fahrt, selbst jeder Halt kostet Geld. Es muss sich auch für uns rechnen." Leute aus der Region, die ausgehen wollen, ebenso wie Schichtarbeiter, werden auch weiterhin auf ein Taxi oder das eigene Auto angewiesen sein, sagt Manfred Prause. Eike Arnold sieht nur eine Möglichkeit, dems Problem entgegenzuwirken: "Die Veranstalter müssen ihre Veranstaltungen nach vorne verlegen." Das allerdings dürfte weder im Interesse der Besucher, noch der Veranstalter selbst sein.

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