Mutter sucht verzweifelt ihren Sohn

von
07. Mai 2012, 07:11 Uhr

Neuhof/Kribbe | Gestern war es eine Woche her, dass Torsten Vogel das Haus seiner Mutter verließ. Seitdem ist der 45-Jährige spurlos verschwunden, seine Familie ist verzweifelt. Voller Sorge wandte sich seine Mutter Helga Vogel an unsere Zeitung, kam gestern in die Wittenberger Redaktion.

"Am Montag, dem 30. April, hat er gegen 16.30 Uhr das Haus in Neuhof bei Kribbe verlassen", sagt sie. Er habe sein normales Fahrrad genommen, das Rennrad stehen gelassen und sprach von einer "kleinen Radtour". Es waren die letzten Worte ihres Sohnes, der psychisch krank sei. Sie blickte ihm noch nach, so wie sie es immer mache. Als er zum Abendbrot nicht zurückkehrte, machte sie sich keine Sorgen. "Er bleibt oft länger weg, kommt manchmal erst nachts aus dem Wald zurück", erzählt die 73-jährige Mutter. Aber als er am Dienstag noch immer nicht kam, ging sie zur Polizei, gab eine Vermisstenanzeige auf.

Die ganze Familie ist besorgt und suche täglich nach ihrem Torsten. "Mein Schwiegersohn kennt die Waldgebiete hier sehr gut und ist schon ganz viele Wege abgefahren, doch ohne Erfolg." Mollnitz, Hexenberge - überall sei er gewesen. Auch an den Tonkuhlen habe er nachgeschaut, doch nirgends sei eine Spur zu finden. Weder vom schwarzen 28er Herrenrad noch von Torsten selbst. "Wir haben die Nachbarn gefragt, eigentlich alle Dorfbewohner, doch niemand hat gesehen, wie er losfuhr. Wir wissen also nicht, welche Richtung er nahm", sagt Helga Vogel, die tapfer ihre Tränen zurückhält.

Er habe kein Geld mitgenommen und was noch viel schlimmer sei: keine Medikamente. "Aber die braucht er dringend, weil er schwer psychisch krank ist", sagt die Mutter. Sie und die ganze Familie hoffen weiter, dass es ihm gut geht, dass er unversehrt gefunden wird oder von allein zurückkehrt. Tagsüber warte Helga Vogel im gemeinsamen Haus auf ihn, nachts schlafe sie aber bei ihrer Tochter Ramona Lewerenz. Auch ihre Cousine Brigitte helfe und unterstütze sie.

Mit diesem Hilferuf in unserer Zeitung versprechen sie sich Hinweise, dass vielleicht doch jemand was gesehen hat. Torsten trägt blau-weiße Turnschuhe, einen schwarzen Jogginganzug und eine Brille. "Wer Hinweise hat, ruft bitte die Polizei an", sagt Helga Vogel.

Die bestätigt die Ermittlungen. "Wir haben alle uns bekannten möglichen Kontaktadressen aufgesucht, hatten aber keinen Erfolg", sagt Pressesprecherin Dörte Röhrs auf Nachfrage. Bei vermisst gemeldeten Erwachsenen befinde sich die Polizei in einer komplizierten Situation: "Erwachsene können generell machen, was sie wollen, müssen sich bei ihrer Familie nicht abmelden", so Dörte Röhrs.

Im Fall von Torsten Vogel liege kein Anhaltspunkt für eine Straftat vor. "Nach Angaben der Familie gab es auch keine konkreten Suizidäußerungen von ihm." Zwar sei er depressiv und habe in der Vergangenheit vereinzelt von Suizid gesprochen, doch nach Polizeiangaben bisher keinen Versuch unternommen. Die Ermittlungen seien nicht eingestellt, sondern laufen, sagt Röhrs. Für einen offiziellen Fahndungsaufruf würden die ermittelnden Kollegen jedoch noch keinen Grund sehen. Für die Familie sei es gewiss nicht leicht, äußert die Polizei Verständnis, aber mehr könne sie nicht machen.

Die Familie kündigt an, auf eigene Faust weiter zu suchen. Heute wollen sie Plakate mit dem Foto des Vermissten aufhängen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen