Musikfabrik verliert im Namensstreit

<strong>Darf sich nicht mehr Musikfabrik nennen:</strong> Die bekannte Band hat einen Prozess verloren und heißt jetzt Prignitzfabrik DIE BAND.
Darf sich nicht mehr Musikfabrik nennen: Die bekannte Band hat einen Prozess verloren und heißt jetzt Prignitzfabrik DIE BAND.

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05. Juli 2012, 11:19 Uhr

Wittenberge | Es ist vorbei. Die erfolgreiche Prignitzer Band Musikfabrik gibt es nicht mehr. Fans der regional äußerst beliebten Gruppe können aber aufatmen: Aus der Wittenberger Musikfabrik wurde "Prignitzfabrik DIE BAND". Grund ist ein verlorener Prozess gegen das Ensemble musikFabrik aus Köln. Dieses hat gerichtlich darum gekämpft, seine Marke "musikFabrik" schützen zu dürfen.

Zwei ungleiche Gegner standen sich gegenüber. Auf der einen Seite die Prignitzer Laienmusiker: ambitioniert, beliebt, mit ihren Coversongs erfolgreich in der Region. Auf der anderen Seite ein 1990 gegründetes internationales Solistenensemble, das mit führenden Dirigenten kooperiert. Dessen Anspruch ist es, Musik zu machen, die es noch nicht gibt.

"Ja, wir haben verloren", sagt Bandsprecher Detlef Benecke. Seinen Ärger darüber verhehlt er nicht. Mehrere tausend Euro müsse die Band an Prozess- und Anwaltskosten zahlen. Noch viel mehr ärgert Benecke jedoch, dass das Ensemble diese harte Linie eingeschlagen habe. 2010 sei ein erster Brief eines Anwaltsbüros gekommen. "Wir wurden aufgefordert, etwa 2400 Euro Strafe zu zahlen und eine Erklärung zu unterschreiben, unseren Namen nicht mehr zu führen", sagt Benecke.

Vier Wochen später sei ein neues Schreiben von dem Anwalt gekommen. Jetzt betrug die Forderung nur noch 700 Euro, da die Wittenberger eine Laienband seien. Was Benecke besonders wütend macht: "Diese Schreiben wurde offenbar bundesweit an alle Bands geschickt, die Musikfabrik in ihrem Namen haben."

Die Wittenberger schalteten einen Hamburger Anwalt ein und zahlten nicht, unterschrieben auch nicht die Unterlassungserklärung. Laut Beneckes Anwalt habe das Ensemble nur seine Bildmarke schützen lassen, aber nicht seinen Namen. "Das ist wohl auch sehr schwer, wenn er dudengerecht geschrieben ist. Sonst könnte sich ja auch eine Wurstfabrik ihren Namen schützen lassen und wäre dann in Deutschland die einzige", argumentiert Benecke.

Ein Jahr verging, nichts geschah. Dann kam wieder ein Schreiben, wieder mit der Forderung von rund 2400 Euro und der Unterlassungserklärung, so Benecke. Noch verblüffter war er, als kurz darauf der zweite Brief mit dem gleichen Wortinhalt wie im Jahr zuvor im Postkasten lag. Wieder wurde die Forderung auf 700 Euro reduziert. "Da wir nicht reagierten, kam es in München zum Prozess, den wir verloren. Daraufhin haben wir unsere Homepage geschlossen, unseren Namen abgelegt."

Eine Nachfrage bei einem Spezialanwalt in Frankfurt am Main habe ergeben, dass die Wittenberger weiter klagen könnten, die Erfolgsaussichten aber gering seien. "Wir haben davon abgesehen, schon jetzt kostet uns die Sache eine Menge Geld", erklärt Benecke. Besonders enttäuscht sei er, dass sich die Gegenseite auf keinen Kompromiss eingelassen habe. "Wir hätten beispielsweise den Buchstaben k durch c ersetzt, aber auch das wurde abgelehnt."

Das Ensemble musikFabrik weist diese Kritik zurück und stellt in einer Presseerklärung klar: "Die Musikfabrik Die Band’ handelt außerhalb des Erlaubten. In Deutschland, der EU und letztendlich der ganzen Welt gibt es Spielregeln, an die sich Personen und Wirtschaftsteilnehmer halten müssen." Dazu zähle das Marken- und Wettbewerbsrecht. "Derjenige, der die älteren Markenrechte besitzt, muss es nicht tolerieren, wenn Dritte diese Rechte benutzen und verletzen", sagt das Ensemble. Sie hätten ihre Marke verteidigt, so die Musiker.

Über Jahrzehnte sei diese Marke national und international aufgebaut worden, und das solle nicht umsonst sein. "Das droht aber rechtlich und wirtschaftlich gesehen, wenn Dritte die Marke musikFabrik oder dazu phonetisch oder schriftbildlich ähnliche Zeichen ohne Berechtigung benutzen", heißt es in der Erklärung weiter.

Die Musikfabrik Die Band habe fahrlässig gehandelt. Ein kurzer kostengünstiger Blick ins Vereinsregister hätte genügt, um zu erfahren , dass die Markenrechte des Ensembles verletzt werden würden. Letztendlich teile das Gericht diese Auffassung: "Das Landgericht München I hat im Urteil gegen Musikfabrik Die Band’ ganz eindeutig zu verstehen gegeben, dass an einer Rechtsverletzung nicht die geringsten Zweifel bestehen."

Auch das Argument, es handele sich um eine Laienband und nicht um ernsthafte Konkurrenz, lässt das Ensemble nicht gelten und führt an, die Musikfabrik bewerbe sich bundesweit. Sogar ein Lob gibt es für die Hobbymusiker: "Auf Google und Youtube kann man sehen, wie professionell mit aufwendiger Lasershow etc. Musikfabrik Die Band bereits auftritt."

Abschließend weist das Ensemble darauf hin, "mehrfach außergerichtlich Kompromisse vorgeschlagen" zu haben. Doch die Wittenberger Band habe "sich keinen Millimeter auf das Ensemble hin bewegt" und, anders als von Benecke formuliert, "noch nie einen Kompromissvorschlag" gemacht.

Nach dem Abwägen verschiedener Vorschläge haben sich die Wittenberger umbenannt. Ab sofort treten sie unter "Prignitzfabrik DIE BAND" auf, teilt Benecke mit. Per Mail sind sie erreichbar unter prignitzfabrik-dieband@t-online.de. In Kürze werde die Homepage www.prignitzfabrik-dieband.de frei geschaltet.

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