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Weihnachten in Rumänien : Musikalisch, deftig und familiär

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ramona-Elena Ciurea erzählt, warum man bei der Zubereitung des Weihnachtskuchens schwitzen muss und wie oft die Kinder von Haus zu Haus ziehen.

von
erstellt am 14.Dez.2014 | 12:00 Uhr

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Rumänien.

Ramona-Elena Ciurea befindet sich mitten in der Fastenzeit. Die pflegt man in Rumänien vom 14. November bis zum 24. Dezember, 40 Tage lang. „Nicht alle, aber viele Menschen bei uns bereiten sich so spirituell auf die Weihnachtszeit vor“, sagt sie. Einen verhärmten Eindruck macht die junge Ärztin, die am KMG Klinikum Kyritz einen Teil ihrer Facharztausbildung zur Anästhesistin und Intensivmedizinerin absolviert, aber nicht. Im Gegenteil: Auf Traditionen in ihrer Heimat Brasov (Kronstadt) angesprochen, wo sie sechs Jahre Medizin studierte, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Damit sie auch ja keinen der vielen Bräuche vergisst, mit denen sie selbst aufgewachsen ist, hat sie sich in Vorbereitung auf das Interview mit dem „Prignitzer“ zahlreiche Notizen gemacht.

Advent, Weihnachten und die Tage danach sind von Gemeinschaft und Gesang geprägt. Dabei spielen die Aktivitäten der Kinder eine große Rolle. Sie ziehen am 24. Dezember von Haus zu Haus, singen religiöse Lieder. „Früher erhielten wir als Lohn Äpfel, Nüsse und Brezeln. Unsere Taschen waren teilweise so schwer, dass wir sie kaum noch tragen konnten. Jetzt gibt es als Belohnung aber vielfach Geld an den Haustüren“, beschreibt Ramona Elena Ciurea.

Kinder sind in Rumänien zudem am 31. Dezember und am 1. Januar unterwegs. Zu Silvester wünschen sie den Menschen Gesundheit und Reichtum, erhalten als Dank Geld und Süßigkeiten. Am Neujahrstag werfen sie symbolisch Weizen oder Reis in die Hausflure, was Wohlstand, Erfolg und Gesundheit für die kommenden zwölf Monate verheißen soll. „Normalerweise bliebt das bis zum 2. Januar liegen. Aber manchmal war es so viel, dass wir zwischendurch sauber machen mussten“, erinnert sich die 28-Jährige, die seit Februar 2013 in Kyritz lebt und arbeitet.

Auch wenn man den Advent im orthodoxen Rumänien nicht so kennt und begeht, wie in Deutschland, gibt es doch ein Gleichnis: Sankt Nikolaus. „Der 6. Dezember läuft genauso ab wie hier“, sagt die Medizinerin. Ein weiterer wichtiger Termin vor Weihnachten ist in Rumänien der 20. Dezember: Am Tag des Heiligen Ignat (St. Ignazius) schlachten die Leute traditionell ein Schwein. Die Familien kommen zu diesem Zweck zusammen, übernehmen gemeinsam die Verarbeitung, sind beieinander.

Familiär geprägt sind auch die Weihnachtstage, wobei in Rumänien nicht nur der 25. und 26., sondern auch der 27. Dezember Feiertage sind. Am 24. Dezember wird der Tannenbaum aufgestellt und gemeinsam geschmückt. In der Nacht zum 25. Dezember bringt der Weihnachtsmann die Geschenke und legt sie unter dem Baum ab. „In dieser Nacht herrschte bei uns immer ziemliche Aufregung. Mein Bruder und ich konnten das kaum abwarten.“ Ungewöhnlich sind die typischen Weihnachtsspeisen und Getränke: Es gibt Kohlrouladen mit Polenta, was gern mit einem „Tzuika“, einem starken Hausbrand, heruntergespült wird. Wenn man den heiß trinkt, sei er wie Medizin, erzählt die Ärztin schmunzelnd. In manchen Familien wird auch Schweinebraten oder Karpfen kredenzt. Beliebt ist zudem der Weihnachtskuchen „Cozonac“ – ein Sandkuchen mit Nüssen oder Mohn, der in der Zubereitung recht aufwändig ist, „und der erst dann richtig lecker schmeckt, wenn die Bäckerin bei der Arbeit ins Schwitzen kommt. Das hat meine Großmutter immer gesagt“, berichtet Ramona-Elena Ciurea und will unbedingt noch erwähnen, dass der Kirchgang am 25. Dezember und das Singen von Weihnachtsliedern – nicht nur in der Kirche – sehr wichtig für die Rumänen sind. Gemeinsam mit ihrem Mann, der als Ingenieur in Hamburg arbeitet, und ihren Eltern, die beruflich derzeit in Italien zu tun haben, wird die Medizinerin dieses Jahr gemeinsam das Fest in Italien verbringen. „Wir pflegen dabei unsere eigene Tradition, unabhängig vom Ort, und sind als Familie zusammen. Das ist für mich das Allerwichtigste.“ Das Fehlen ihres Bruders ist hingegen nur allzu begründet: Er ist Theologe und hat über Weihnachten in Brasov alle Hände voll zu tun.

 

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