Museumsnacht: Ansturm blieb aus

Die jüngste Errungenschaft, ein Faltboot, das in einem Rucksack Platz hat. Es ist eine Leihgabe aus dem Nachlass von Malermeister Erich Rathsack. Doris Ritzka
Die jüngste Errungenschaft, ein Faltboot, das in einem Rucksack Platz hat. Es ist eine Leihgabe aus dem Nachlass von Malermeister Erich Rathsack. Doris Ritzka

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02. November 2012, 09:31 Uhr

Perleberg | Das war sie, die 5. Perleberger Museumsnacht. Zweifelsohne, alle, die mitgemacht haben, waren mit vielen Engagement bei der Sache, haben sich etwas Besonderes einfallen lassen. In der St. Jacobi-Kirche erfuhren die Besucher mach Interessantes, das sich mit der Geschichte des Gotteshauses und der Stadt zugleich verbindet. Und ganz Mutige konnten gar mit Superintendent Tilmann Kuhn die 186 Stufen hinauf auf den Turm klettern. Auf dem schummrigen Dachboden erwartete sie dann eine gruselige Überraschung - ein Stummfilm für starke Nerven: "Nosferatu".

Gekommen waren etliche zur Museumsnacht,wobei, der große Ansturm war es nirgendwo. Woran es lag? "Es war einfach nicht genügt bekannt", so die Meinung von Anna Müllers. Von Anbeginn besuche sie die Museumsnacht, doch in diesem Jahr habe man im Vorfeld nur wenig darüber erfahren, was einen erwartet. "Vielleicht auch ein Art neugierig zu machen, doch offensichtlich hat das nicht so recht funktioniert." Die genauen Besucherzahlen müssen erst ermittelt werden, liegen in der nächsten Woche vor, wenn auch die Gewinner bekannt geben werden, ist aus der Stadt zu erfahren.

Viele, die sich am Dienstagabend auf den Weg der Historie begaben, kamen mit dem Ansinnen, die gerade erst eröffnete archäologische Dauerausstellung im Stadt- und Regionalmuseum in Augenschein zu nehmen. Die Meinungen sind größtenteils positiv. Die Rede ist von überaus modern und zugleich liebevoll arrangiert, von informativ und übersichtlich. Dorothea Berger und ihr Mann Malte Hübner-Berger sind fasziniert von dem neuem Gesicht. "Eine ganz andere Atmosphäre, gefällt mir", so der Groß Linder. Heike Wiechmann: "Hier wird gekonnt die Historie ins Heute geholt."

Es soll aber nicht verschwiegen werden, es gibt auch Stimmen, die sich mit dem Neuen nicht so recht anfreunden können. Es sei nicht mehr ihr Museum, die Ausstellung in dieser Form passe nicht in eine Kleinstadt. Namentlich wollen sie aber nicht genannt werden.

Auswärtige aus der Schweiz, Österreich, Australien sind erstaunt, eine derartige Exposition von namhaften Künstler des 20. Jahrhunderts in der Provinz zu finden, Einheimische hingegen finden kaum den Weg in die Galerie im Wallgebäude. Selbst das Gymnasium nutzte diese einzigartige Offerte von Kunst und großen Künstler vor der Haustür bisher nicht für seinen Kunstunterricht. Ob ein Aquatinta von Miro, Radierungen von Picasso, Arbeiten von Chagall oder Werke von Braque und Matisse - sie alle sind hier ausgestellt. Und alle halbe Jahre wird gewechselt, zeigt Hanno Reck Neue. Den Faible für Malerei und Grafik habe er von seinem Opa, der Kunst in den 20er Jahren in Paris studierte und praktisch den Grundstock für die Bildersammlung legte. Diese vielen Menschen zugänglich zu machen, daraus entstand die Idee der Galerie und letztlich auch die der Museumsnacht. Denn Perleberg hat eigentlich vier Museen an der Zahl. "Mit der historischen Altstadt, die man einbinden könnte, sind es gar fünf", ergänzt Hanno Reck. In diesem Zusammenhang geht ein großes Kompliment an die Kameraden der Perleberger Feuerwehr, die die Altstadt zur Museumsnacht zumindest schon mal ins richtige Licht setzten.

Schwedenfeuer, Bratwurst und Glühwein empfingen die abendlichen Museumswandler bei den Oldtimerfreunden. Und ein richtiges Prachtstück: ein Faltboot. 1927 erwarb dieses Malermeister Erich Rathsack in der Schweiz und paddelte damit auch auf dem Züricher See, weiß Josef Gareis zu berichten. 101 Jahre ist der Malermeister geworden, von dem übrigens die Deckenmalerei im großen Sitzungssaal des Rathauses stammt. Der Perleberger war eine Art Tausendsassa. Er frönte dem Motorsport, der Fliegerei und verstand es als Maler auch meisterhaft, Holz kunstvoll zu bearbeiten.

Zu jedem Exponat im Oldtimermuseum lasse sich eine Geschichte erzählen, gesteht Vereinsvorsitzender Frank Brauer. Für ihn und die Vereinsmitglieder sei die Museumsnacht ein weiteres Podium geworden, den Blick auch auf die technischen Meisterleistungen unserer Vorfahren zu richten. "Es ist eine schöne Sache und darum schade, wenn sich da ein Museum, wie in diesem Fall das DDR-Geschichtsmuseum, einfach ausklingt. Wir sind auch nur ein Verein, alles ist freiwillig, ehrenamtlich und wir haben nicht einmal kräftemäßig Unterstützung durch Bundesfreiwillige oder dergleichen Helfer. Und doch halten wir zur Stange. Das machen wir für unsere Stadt, für Perleberg."

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