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Reinigung der Gruft in Schilde : Munition lag neben den Särgen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kunsthistoriker finden Patronen in der Gruft. Särge und Mumien werden nach Reparaturarbeiten wieder beigesetzt.

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 03:45 Uhr

Jede Gruft hat ihr eigenes Geheimnis, birgt immer eine Überraschung. Dr. Andreas Ströbl muss es wissen. Zusammen mit seiner Frau Regina ist er bundesweit in Grüften unterwegs, um sie unter wissenschaftlichen Aspekten zu dokumentieren und zu reinigen. In dieser Woche sind sie in Schilde.

14 Särge haben sie aus der Gruft geborgen, darunter fünf Kindersärge. Die Familie von Graevenitz habe die Gruft im frühen 18. Jahrhundert eingerichtet und bis ins 19. Jahrhundert hinein Angehörige bestattet. „Wir haben auch drei Trockenmumien und Skelettreste gefunden“, sagt Andreas Ströbl.

Die Mumien seien nicht durch einen Zauber entstanden. „Die Gruft war trocken und gut belüftet. Wir sprechen von einer Lufttrocknung. Sie können das Prinzip mit der Herstellung eines Serranoschinkens vergleichen.“ Der trockenen Luft in der Gruft sei es auch zu verdanken, dass die Holzsärge relativ gut erhalten seien.

An einem Sarg zeigt der Kunsthistoriker Zinn-Blei-Beschläge. Sie stellen Blüten und Blattornamente dar. Die großen Griffschläge in der Maskaron-Form seien eine typische Modeerscheinung des frühen 18. Jahrhunderts. Eine Inschrift auf der Tafel verrät, wer in dem Sarg bestattet wurde: Anna Maria, geborene von Graevenitz, die den Generalmajor Johan Moritz von Schenck geheiratet hatte. Sie war 1729 mit 64 Jahren verstorben.

Andere Särge haben Eisenbeschläge die der Rost schwer beschädigt hat. Sie werden aber nicht repariert, „wir sind keine Restauratoren“, sagt Andreas Ströbl. Wie die Särge werden sie lediglich gereinigt. Bis Ende der Woche soll alles fertig sein. Dann kommen Särge und Mumien zurück in die Gruft. „Wir geben den Toten ihre Würde zurück.“ Fotos von den Mumien lehnen sie strikt ab: „Das hätten die Verstorbenen nicht gewollt.“ Es gibt anderes zu fotografieren, zum Beispiel die Kiste mit Patronen.

Fast einen halben Meter hoch lag der Schutt in der Gruft. Beim Abtragen haben sie am Freitag die Munition gefunden, Polizei und Ordnungsamt verständigt. Heute holten Spezialisten sie ab. „Wahrscheinlich hatte die Wehrmacht in der Gruft eine MG-Stellung. Wir fanden auch Reste eines Gewehrkolbens.“ Grabschmuck hingegen nicht. „Es gibt hier keine Schätze, aber dennoch ist die Gruft von kunstgeschichtlicher Bedeutung und für die Region ein wichtiges Denkmal.“ Kirchengemeinde und Dorfbewohner haben Familie Ströbl jedenfalls tatkräftig unterstützt, am Sonntag bei den Aufräumarbeiten geholfen und für reichlich Kuchen gesorgt.

Wer mehr über die Arbeit der Kunsthistoriker erfahren möchte, kann morgen Abend zur Kirche kommen. Sie werden um 18 Uhr über ihre Funde berichten und die Kirchengemeinde über die Sanierungsarbeiten.

 

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