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Der Prignitzer

23. Oktober 2017 | 10:18 Uhr

Müssen die Obdachlosen umziehen?

vom

svz.de von
erstellt am 04.Dez.2012 | 09:29 Uhr

Wittenberge | Wer über keine Wohnung (mehr) verfügt, muss nicht zwangsläufig auf der Straße leben. In der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße zwischen der Lenzener und der Wahrenberger Straße steht ein solides, 1995/96 umfassend instandgesetztes Haus. Es bietet Obdachlosen ein Dach über dem Kopf. Zwölf Zimmer mit je zwei Schlafstellen stehen auf zwei Etagen zur Verfügung. Das Haus wird zentral beheizt. Die Sanitäranlagen befinden sich in Gemeinschaftsräumen. Derzeit leben in der Obdachlosenunterkunft drei Männer und eine Frau. Die Verwaltung des Hauses obliegt der Stadt. Aus dieser Perspektive gesehen, ist alles in Ordnung. Das bestätigten die Mitglieder im Sozialausschuss jetzt auch dem zuständigen Fachamt nach einer Besichtigung der Räumlichkeiten.

Trotzdem könnte den Menschen, die in der Unterkunft eine Bleibe gefunden haben, ein Umzug bevorstehen.

Denn die Abgeordneten im Sozialausschuss denken darüber nach, die Wittenberger Obdachlosen künftig über einen freien Träger woanders unterzubringen, der eine optimalere soziale Betreuung der Wohnungslosen garantieren kann, als es die Kommune möglich macht und nach eigenen Worten auch kann.

Soziale Hilfe ohne qualifizierte Mitarbeiter

Fakt ist, so informiert Marika Weise für das Ordnungsamt, dass alle vier Bewohner in der Unterkunft psychische Probleme haben, sie seien teilweise drogen bzw./und alkoholabhängig. Die Menschen würden Hilfe benötigen, sagt sie: "Seit 1995 werden die Bewohner sozial betreut. Schwerpunkt ist die Hilfe zur Selbsthilfe." Dazu gehören Beratungen zu allem möglichen Lebenslagen, das Hinwirken auf eigenständiges Handeln, Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Aber: Die Stadt setzt zur Betreuung Mitarbeiter ein, die über Arbeitsfördermaßnahmen beschäftigt werden, und das meist auch nur für eine recht kurze Zeit. Kontinuität ist damit kaum gegeben. Und auf einen weiteren schwierigen Umstand weist die Kommune die Abgeordneten für deren Entscheidungsfindung hin: "Allen bisher beschäftigten Betreuern und Betreuerinnen ist gemeinsam, dass sie über keine Ausbildung in Richtung Sozialarbeit oder Pädagogik verfügen." Sie machen die Arbeit so, wie sie sie für richtig halten.

Rechtfertigt dieser Umstand die Übergabe der Obdachlosen in eine Unterkunft freier Träger?

Darüber wird sich der Sozialausschuss eine Meinung bilden müssen. Eine Möglichkeit hat die Verwaltung vorgeschlagen. Die Arbeiterwohlfahrt unterhält in Groß Pankow eine Unterkunft, die sich anbieten würde. "Es muss nicht unbedingt Groß Pankow sein. Wir müssen uns erst einmal grundsätzlich positionieren und uns dann mit den verschiedenen freien Trägern als Möglichkeit befassen", positioniert sich der Vorsitzende des Sozialausschusses Wolfgang Strutz (Linke). Sehr eindeutig die Worte und die Argumentation von Ausschussmitglied Lutz Dieckmann (UBG): "Wir sollten uns die Obdachlosenbetreuung nicht aus der Hand nehmen lassen. Wittenberge ist ein sozialer Brennpunkt. Die Unterkunft hier in der Stadt zu haben, bedeutet, wir können Wohn- und andere soziale Konfliktsituationen entschärfen." Wichtig sei für die Obdachlosen, dass sie einen Ansprechpartner haben. Dafür müsse die Stadt sorgen. Der Sozialausschuss ist sich von der Tendenz her einig, ein Haus in Wittenberge weiter zu betreiben bzw. betreiben zu lassen.

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