Müll in Kiesgrube: Anklage noch offen

<strong>In der Luggendorfer Kiesgrube</strong> wird derzeit Kies für den  Umgehungsstraßenbau von Kuhbier abgebaut. 2012 waren hier illegale Verkippungen zutage befördert worden. Die jetzigen Betreiber betonen, nichts mit den Machenschaften der Vorgänger zu tun zu haben. <foto>Petra Ferch</foto>
In der Luggendorfer Kiesgrube wird derzeit Kies für den Umgehungsstraßenbau von Kuhbier abgebaut. 2012 waren hier illegale Verkippungen zutage befördert worden. Die jetzigen Betreiber betonen, nichts mit den Machenschaften der Vorgänger zu tun zu haben. Petra Ferch

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08. März 2013, 07:25 Uhr

Prignitz / Neuruppin | Innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen sei klar, in welche Richtung das weitere Verfahren in Sachen illegaler Müllverklappung in den Kiesgruben Groß Buchholz und Luggendorf gehe, ob Anklage erhoben wird. Das erfuhr der "Prignitzer" auf Nachfrage von Stefan Heidenreich, Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin.

In der Groß Buchholzer Kiesgrube hatte das brandenburgische Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) bereits am 23. April 2010 bei einer Kontrolle etwa 1000 Kubikmeter Bau mischabfälle entdeckt, die dort illegal vergraben worden waren. Dazu waren auf einer Fläche von rund 40 000 Quadratmetern 13 Schürfungen mit einem Tieflöffelbagger, der bis zu sieben Meter ins Erdreich gehen könne, vorgenommen und 15 Proben entnommen worden. Dabei seien neben Bauschutt auch Styropor, ausgediente Fenster oder Holzabfälle gefunden worden. Die Cottbusser Behörde ging seinerzeit von Vorsatz aus und stellte bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin Strafanzeige.

Die nahm die Ermittlungen auf, veranlasste unter anderem 2011 Durchsuchungen beim damaligen Betreiber der Grube, der Schmidt Kieswerk GmbH. Es seien sowohl Geschäfts- als auch Wohnräume dreier Beschuldigter in Perleberg und Umgebung durchsucht worden, wie unsere Redaktion seinerzeit von Oberstaatsanwalt Detlef Hommes erfuhr.

Bereits zum damaligen Zeitpunkt habe auch die Kiesgrube Luggendorf im Fokus der Ermittlungen gestanden. Ein Jahr später, konkret am 29. August 2012, hatte es dann dort einen Großeinsatz Luggendorf gegeben. Polizeibeamte und Mitarbeiter des LBGR suchten nach illegal entsorgten Abfällen, förderten mit schwerem Gerät Schlacken, Mineralwolle, Asbest und komplette Abrisse zu Tage. Bis zu acht Meter Erdreich mussten ausgehoben werden, um die illegale Verklappung aufzudecken. LBGR-Mitarbeiterin Brigitte Kreßler sagte damals, dass das "für eine enorme kriminelle Energie" spreche. Als Verantwortlich dafür nannte das LKA wie schon im Groß Buchholzer Fall die Schmidt Kieswerk GmbH.

Seit zwei Jahren gibt es für beide Kiesgruben einen neuen Betreiber, die PS Kieswerke GmbH, die nichts mit den alten Machenschaften zu tun habe, wie Steffen Schmelzer betont. Aus der Grube Luggendorf wird derzeit Kies für den Bau der B 189 zwischen Pritz walk sowie der Ortsumgehung Kuhbier bereit gestellt.

Auf die "Prignitzer"-Frage, warum sich das Verfahren so lange hinzieht - seit den ersten Entdeckungen in Groß Buchholz sind ja nun schon fast vier Jahre vergangen - verweist Heidenreich darauf, dass es sich zum einen um mehrere Verfahren handele, zum anderen die Ermittlungen sehr umfangreich seien: Untersuchungen, Auswertungen, Zeugenvernehmungen. "Wir müssen ganz genau nachweisen, um welche Schadstoffe es sich handelt, welche Verletzungen der Umwelt vorliegen, wer konkret dafür die Verantwortung trägt." Doch nun seien die wesentlichen Ermittlungen abgeschlossen, könne in den nächsten Wochen die Entscheidung zum weiter Vorgehen fallen.

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