Motorsport auf der Überholspur

<strong>Stephanie Dulisch/Max Jannasch</strong> (vorn), Tabea/Jonas Gagelmann (oben links) und Madita Kudla/Leon Weber ertanzten  sich den Landesmeistertitel. <foto>Archiv  Gagelmann</foto>
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Stephanie Dulisch/Max Jannasch (vorn), Tabea/Jonas Gagelmann (oben links) und Madita Kudla/Leon Weber ertanzten sich den Landesmeistertitel. Archiv Gagelmann

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04. Januar 2013, 08:42 Uhr

Prignitz | Ein abwechslungsreiches Jahr liegt hinter dem Prignitzer Sport. Nicht leicht für den "Prignitzer", die Leistungen der Sportler in seinem Zeugnis für 2012 unter die Lupe zu nehmen. Wir haben diesmal 16 Sportarten - neu ist der Motorsport - bewertet und dabei Noten von 1 bis 5 verteilt. Bowling wurde - weil zum Sportkeglerverband gehörig - beim Kegeln einsortiert. Kritik oder Anregungen zu unserem Jahreszeugnis sind per Brief oder auch per E-Mail an olik@prignitzer.de ausdrücklich erwünscht.

Wir beginnen mit der Sportart Boxen. Die bereitete wieder einmal Kopfzerbrechen bei der Notenfindung. Es tut sich was beim Boxsportverein Veritas, Trainer Rüdiger Balzuweit schart Nachwuchs um sich, führt ihn langsam an Wettkämpfe heran. Aber es fällt schwer, sich für etwas zu begeistern, das nicht so richtig greifbar ist. Wann gibt es denn mal wieder ein Turnier in der Prignitz? Was macht eigentlich der BC Prignitz? Im Internet steht die Domain box-club-prignitz.de zum Verkauf. Mit sehr viel Wohlwollen noch Note 4.

Klein, aber fein präsentiert sich das Fechten. Landesmeistertitel und Platz drei bei der DM für Ayla von Rotnitzky, dazu weiterer hoffnungsvoller Nachwuchs. Wir belohnen die gute Arbeit der Fechtabteilung des SV Lok Pritzwalk mit Note 3.

Zum Fußball: Kein strenger, eher ein sorgenvoller Blick. Im Herrenbereich mehr Masse als Klasse. In der Landesklasse ist der Pritzwalker FHV 03 zwar Spitzenreiter, Neuling Meyenburger SV Wacker überrascht als aktueller Tabellendritter. Aber wann spielte ein Prignitzer Team zuletzt in der Landesliga (2009/10)? Dort will der FSV Veritas Wittenberge/Breese wieder hin, setzt auf junge Akteure. Auf Kreisebene herrscht Stillstand, die Vereine sehen der Kreisgebietsreform im Fußball 2014/15 entgegen. Die 3. Kreisklasse wurde abgeschafft. Vielerorts gibt es an dem ein oder anderen Spieltag Probleme, spielfähige Mannschaften zu stellen. Und der vielgelobte Budenzauber? Zum ersten Mal musste eine Hallenkreismeisterschaft der Alten Herren mangels Interesse abgesagt werden.

Der Nachwuchs bietet ein zweigeteiltes Bild. Erfolgreich präsentierten sich die A-Junioren des FSV Veritas. Die erfolgreiche Ära endete mit Staffelsieg in der Landesklasse und Einzig in das Landespokal-Halbfinale. Die Kreis-Auswahlmannschaften funktionieren, Prignitzer Talente stehen im Fokus der Landestrainer und werden für eine Aufnahme an der Sportschule getestet. Die Kehrseite besteht darin, dass auch hier viele Vereine Spielgemeinschaften bilden müssen, um ihren jungen Kickern überhaupt noch die Teilnahme am Spielbetrieb zu ermöglichen. Die Zahlen von den D-Junioren abwärts versprechen Besserung, aber von A- bis C-Junioren klafft ein großes Loch.

Bleiben die Damen. Die neue Kreisliga Prignitz/Ostprignitz-Ruppin feierte Premiere. Mit dabei der ESV Wittenberge, Einheit Perleberg, der Pritzwalker FHV 03 und Aufbau Stepenitz. Das Quartett schlägt sich achtbar. Im ersten Halbjahr gewannen die ESV-Damen - damals auch noch im Kreis Mecklenburg-Voprpommern aktiv - in Halle und auf dem Feld fünf Titel. Die Tendenz zeigt nach unten. Wir vergeben gerade noch so die Note 3.

Der Handball ist momentan die Sportart Nummer eins in der Prignitz. Zwei Verbandsligateams bei den Herren sorgen für stets gut gefüllte Hallen. Regelmäßig pilgern 200 bis 300 Fans zu den Spielen in die Perleberger Rolandhalle oder die Wittenberger OSZ-Halle. Sportlich läuft es derzeit beim PHC, trotz des schmalen Kaders sehr gut, der SV Blau-Weiß deutet zumindest phasenweise sein Potenzial an. Die Frage, was erst eine aus beiden Teams zusammengestellte gemeinsame Prignitzer Mannschaft leisten könnte, wurde bereits diskutiert. Aber wie bei Fußball gilt: Es ist scheinbar schwer, alte Befindlichkeiten zum Wohl des Sports außer acht zu lassen.

Mutig stürzten sich die PHC-Handballerinnen ins Abenteuer Verbandsliga, zahlen jetzt Lehrgeld. Aber der weiteren Entwicklung des Teams wird das nicht schaden. Perleberger und Pritzwalker Damen bilden eine Spielgemeinschaft. Erfreulich.

Im Nachwuchs wird gute Arbeit geleistet. Hoffentlich entwickelt sich daraus bald eine neue Generation der Giskes, Helmdachs, Hückels, Domagalas, Walenciaks oder Jücherts - um nur einige zu nennen. Der Handball bekommt diesmal die Note 2.

Das Prignitzer Judo macht sich auf heimischen Matten rar, sammelt aber Erfolge in der Fremde. Auf Landes- und Bundesebene. Und Hartmut Voigt sowie Harry Puhan beweisen immer noch ein gutes Händchen für Talente. Aber diese sind scheinbar rar. Note 4.

Auf das Prignitzer Kegeln war im vergangenen Jahr Verlass. Dem in der 1. Bundesliga Bohle spielenden Herrenteam vom SVL Seedorf gelang mit dem Gewinn der Deutschen Vize-Meisterschaft der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Damen der SpG Rolandstadt Perleberg schafften den Durchmarsch in die Landesliga, der höchsten Spielklasse in Brandenburg, und spielen hier um die Medaillen mit. Mit Seedorf II, Perleberg und Hertha Karstädt sind drei weitere Herrenteams auf Landesebene im Punktspielbetrieb. Auch die Erfolge des Prignitzer Nachwuchses auf Bundes- und Landesebene sind kaum zu toppen. So gewann u.a. die männliche B-Jugend mit Akteuren aus Perleberg und Seedorf den Deutschen Meistertitel. DM-Silber im Einzel holte sich Tim Jannasch und Nico Kanthak.

Der Mannschaftswettkampf Bowling wird nach unseren Informationen nur in Wittenberge betrieben. Und das Team vom Inside Bowling Club Wittenberge schlägt sich in der Landesklasse sehr gut, ging als Nummer eins der Tabelle ins neue Jahr. Obwohl wegen der zwischenzeitlichen Schließung der Anlage an der Bad Wilsnacker Straße kein geregeltes Training möglich war. Auch bei den Landesmeisterschaften lief es nicht schlecht. Alexander Kossmann/Hans Völzer verfehlten nur knapp den Einzug in das Finale der besten acht Doppel. Das Kegeln insgesamt erhält die Note 2. Mit einem plus.

Die Leichtathletik bleibt konstant. Der Nachwuchs drängt nach vorn, weitere Talente wachsen schon wieder nach. Beleg dafür sind Erfolge auf Landesebene und viele persönliche Bestmarken. Die Lauf-Veranstaltungen werden nach wie vor gut frequentiert und die Sportfeste ziehen viele Athleten an. Schade nur, dass sich Vorzeigeathlet Michel Richert schwer verletzte und die gesamte Freiluftsaison pausieren musste. Insgesamt fehlten diesmal die ganz großen Erfolge. Note 3

Ein neues Fach ist der Motorsport. Darunter zählt für uns das erfolgreiche Honda-Team des Wittenbergers Jens Holzhauer in der Superbike-Klasse der internationalen deutschen Motorradmeisterschaft (IDM), das Lindenberger Schmidt Racingteam um David Schmidt sowie Ralleyfahrer Wolfgang Meierholz oder Oldtimer-Rallyefahrer Marco Bruß. Auch das Wootzer Stockcarteam und die Lübener Buggyschmiede lockten bei ihren Veranstaltungen hunderte Fans an die Rennstrecken. Und alle machten ihren Job nicht schlecht, erhalten dafür die Note 2.

Der Reitsport gehört weiterhin zu den Aushängeschildern des Prignitzer Sports. Ob Springreiter wie Robert Bruhns, Günter Stübing oder Michael Randau im Einspänner - auf Landesebene sind sie immer mit vorn dabei. Der Nachwuchs ist zahlreich und sammelt auch schon Meriten, zum Beispiel Julia Ehrhorn als Vize-Landesmeisterin. Dazu bietet die Prignitz reichlich attraktive Turniere, die im vergangenen Jahr entgegen dem allgemeinen Trend wieder einmal gut besucht wurden. Wir vergeben die Note 2.

Im Ringen bleibt Anica von Jutrzenka vom ESV Wittenberge die Vorzeigeathletin. Aber auch der ESV-Nachwuchs bereitet viel Freude, sammelte beim Sparkassencup in Wittenberge und auch auf Turnieren in der Fremde Erfolge. Note 3

Im Schach geht es leicht bergab. Die Putlitzer Herren sind noch in der Landesliga, der ESV Wittenberge in der Bezirksliga. Aber dahinter wird es dünn. Putlitz II zieht sich zurück, in Karstädt herrscht derzeit Flaute in dieser Sportart. Das können auch der wieder etwas zahlreicher gewordene Nachwuchs und die Rekordbeteiligung beim von Carsten Dittrich veranstalteten Eugen-Engel-Gedächtnisturnier in Wittenberge nicht wettmachen. Deshalb die Note 4.

Die Sportart Schwimmen bleibt auf konstant hohem Niveau. Der SC Delphin Wittenberge um den Vorsitzenden Knut Tonagel und seine Übungsleiter leistet gute Arbeit. Talente wie Luc Nadolny oder die Mastersschwimmer Steffen Schmolke und Mareike Gleiniger feierten auch in diesem Jahr große Erfolge. Bis hin zum Deutschen Meister der Masters (Schmolke). Wittenberge ist als Landesstützpunkt mehr als nur anerkannt. Wir geben gern die Note 2.

Das Schießen erlebte eine kleine Durststrecke. Bei den Deutschen Meisterschaften blieb die Wittenberger Schützengilde von 1582 ohne Medaille. Dafür sammelten die jungen Gilde-Schützen aber wieder Landestitel. Und die Nachwuchsarbeit von Jörg Dittmann allein verdient ein dickes Lob. Diesmal die Note 3.

Die Nummer eins unter den Sportarten ist für uns in diesem Jahr das Tanzen. Denn die Rock’n’Roller aus dem Tanzcentrum Wittenberge um Trainerin Sybille Rösel haben viel Freude bereitet. Wie stark die Konkurrenzen auch besetzt sein mögen, ob mit zehn oder 50 Paaren - Vize-Weltmeister wie Tabea und Jonas Gagelmann stellen diesmal alles in den Schatten. Das schönste dabei: Das Duo, das auch noch Deutscher Meister wurde, hebt zwar die Füße schnell vom Parkett, ist aber sonst bodenständig geblieben. Dazu streben mittlerweile weitere Paare nach vorn. Die Schülerpaare Madita Kudla/Leon Weber und Lea Sophie Friede/Konstantin Sell schafften den Sprung ins Finale der DM. Für uns die Note 1.

Tischtennis bleibt konstant. Mehrere Herrenteams starten auf Landesebene. In der Landesliga spielt der Pritzwalker Nachwuchs eine gute Rolle. Höhepunkte im Turnierkalender sind weiterhin das Heinz-Günther-Gedächtnisturnier und das Eisenbahnerturnier des ESV Wittenberge. Wieder die Note 3.

Zum Volleyball ist nicht viel zu sagen. Im Februar 2012 fiel auch noch das Empor-Mixed-Turnier aus. Aber es soll im kommenden Monat wieder stattfinden. Erneut die Note 5.

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