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Der Prignitzer

19. November 2017 | 08:05 Uhr

Most von eigenen Äpfeln

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2010 | 09:38 Uhr

Dallmin | Noch ist der Marktplatz 22 in Dallmin eine Baustelle, doch im Dezember soll in einem ehemaligen Stallgebäude die Mosterei Prignitzgold ihren Betrieb aufnehmen - eine gute Nachricht für alle Gartenfreunde und Besitzer von Streuobstwiesen, die gern den Saft der eigenen Äpfel oder Birnen genießen möchten.

Zwar lassen Mostereien seit Jahren Obst, hauptsächlich Äpfel, in der Prignitz aufkaufen, der Kunde erhält dafür Geld oder Säfte, doch eine Direktvermostung und das mit nach Hause nehmen des eigenen Saftes ist seit 1990 in der Region nicht mehr möglich. Viele erinnern sich noch an die Mosterei Hecht in Dambeck, die jedoch nach der Wende schloss.

Investor der Lohnmosterei Prignitzgold, die sich zum einen als Lohnmosterei für Kunden versteht, aber auch eigenes Obst und Gemüse zu Saft verarbeitet und zum Kauf anbietet, ist der Perleberger Thomas Neubohn. Er wird nach Abschluss der Bauarbeiten am Wohnhaus auch seinen Wohnsitz nach Dallmin verlegen. Seine Lohnmosterei ist seit Oktober 2009 gewerblich angemeldet, die erste Charge von selbst geernteten und eingelagerten Äpfeln ließ er in der Mosterei Lüchfeld bei Neuruppin produzieren. Die zweite mit Obst aus der Ernte 2010 wird in Dallmin hergestellt.

Die Technik für eine fest installierte Mosterei soll Ende November geliefert werden. Eine Presse mit einer Druckkraft von 50 Tonnen holt den letzten Tropfen Saft aus dem verarbeiteten Obst, aber auch Gemüse, das Erhitzen auf 78 Grad macht den Saft mindestens ein Jahr haltbar. "Industrielle Mostereien erhitzen auf 120 Grad, die Säfte sind zwar länger haltbar, doch geht dann viel an Geschmack und Inhaltsstoffen verloren. Wir wollen keine Massenware herstellen, sondern ein Naturprodukt, für das der Kunde auch bereit ist, etwas mehr auszugeben", meint Martin Wolf, gelernter Landwirt und Vorarbeiter bei Thomas Neubohn.

Im Gespräch ist, auch Erntegut der Blaubeerplantage Berge zu mosten, so Gartenbauingenieur Neubohn. Derzeit sei die Mostung noch mit aufwändiger Fahrerei verbunden. "Angesetzt haben wir Apfelwein. Alle Saft- und Weinprodukte sollen in Dallmin, aber auch in Landhandels- und weiteren Verkaufsstellen zu haben sein", so der 46-Jährige, der bereits den Blick auf das Jahr 2013 wirft. "Dann werden in Deutschland die Brennrechte gelockert, so dass wir möglicherweise auch hier aktiv werden."

Was Neubohn ebenfalls in Auge fasst, ist eine mobile Mosterei, die zu den Kunden kommt, wenn die Verarbeitungsmenge die Anfahrt lohnt. Über eigene Obstplantagen verfügt die Lohnmosterei nicht. "Wir stehen dem Streuobstwiesenverein der Prignitz sehr nahe, übernehmen Schnitt-, Pflege- und weitere Arbeiten und erhalten dafür einen Anteil von der Rohware, so dass wir stark biologische Säfte herstellen können. Ebenfalls beraten wir Bürger zu alten Obstsorten, rekonstruieren bzw. pflanzen Streuobstwiesen neu an", erklärt Neubohn-Junior.

Junior deshalb, weil Vater Gerhard sich seit vielen Jahren als Vorsitzender der Streuobstgruppe im Verein Kultur- und Bauernmarkt Garz stark für den Erhalt und die Ausweitung von Streuobstwiesen und alter Obstsorten engagiert. Im Landkreis gibt es derzeit 180 Hektar Streuobstbestände (Streuobstwiese, Obstalleen und Einzelbäume), von denen jährlich ca. 1500 Tonnen Obst geerntet werden. Mit "Prignitzgold" verwirklicht Thomas Neubohn einen Wunschtraum seines Vaters - wieder eine Mosterei für Streuobst in der Region anzusiedeln.

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