Montessori-Schule wechselt Namen

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03. Januar 2013, 09:31 Uhr

Wittenberge | Die Montessori-Grundschule trägt seit Schuljahresbeginn einen neuen Namen: IBiS-Grundschule. Für den "Prignitzer" sprach Barbara Haak mit dem Geschäftsführer der IBiS GmbH, Tom Buchholz, darüber.

Steht dahinter auch ein neues Konzept?

Tom Buchholz: Im Grundsatz nicht. Seit 2010 ist die IBiS GmbH Träger dieser Grundschule. Sehr schnell haben wir gemerkt, dass der Name Montessori mit Klischees belegt ist. Ein eher spielerischer Unterricht und eine fehlende Ernsthaftigkeit beim Erreichen der Lernziele werden vermutet. Das ist aber ganz sicher nicht so. Nicht umsonst wenden auch immer mehr staatliche Schulen montessorische Lernmethoden an auf der Suche nach neuen Wegen in einem überforderten Schulsystem. Also werden wir diesen Grundlagen ganz sicher treu bleiben.

Wir entwickeln die Schule weiter mit genauem Blick auf die Bedürfnisse der Schüler und ihrer Eltern. Dabei legen wir weiterhin sehr viel Wert auf eine individuelle Lernatmosphäre und den liebenswerten Charme einer kleinen Schule. Darüber hinaus vermitteln wir selbstverständlich alle Inhalte der staatlichen Rahmenlehrpläne des Landes Brandenburg.

Die Wahl der richtigen Schule ist eine bedeutsame Entscheidung. Wie finden Eltern zu Ihnen?

Als freie Schule ist die Aufnahme bei uns sehr unkompliziert und im Grunde jederzeit möglich. Für das Schuljahr 2013/14 gibt es wie in jedem Jahr eine Anmeldefrist. Sie endet am 28. Februar 2013. Bis dahin müssen Eltern ihre Kinder in einer Schule angemeldet haben, entweder gleich bei uns oder oft erst mal in der Schule, die für sie zuständig ist. Auch danach kann die Ummeldung in die IBiS-Grundschule erfolgen, selbst nach Schuljahresbeginn. Wenn Eltern sich informieren und hospitieren möchten, melden sie sich am besten bei Frau Reichel unter der Telefonnummer 03877/9526712. Gleich zu Jahresbeginn wollen wir auch wieder einen Elterninfotag gestalten.

Wird dabei auch das Thema Schulgeld eine Rolle spielen?

Ein sensibler Aspekt ist sicherlich auch dieses Thema. Als freie Schule finanziert das Land unseren Schulbetrieb nur anteilig. Deshalb müssen wir ein Schulgeld erheben. Es beginnt allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau, und wenn die IBiS-Grundschule die geeignete und gewünschte Schule ist, wird die Einschulung ganz gewiss nicht an den Einkommensverhältnissen der Eltern scheitern.

Viele Schüler haben heute Lernschwierigkeiten, deutschen Schülern wird in den Pisa-Studien ein schlechterer Wissensstand unterstellt. Wie lernen Schüler in Ihrer Schule?

Jedes Kind hat unterschiedliche Stärken und Schwächen und seinen ganz persönlichen Entwicklungsstand. Das hat Auswirkungen darauf, wie, was und wann es lernt - und zwar nicht nur den reinen Lernstoff, sondern auch das eigene Lernverhalten und seine sozialen Kompetenzen. Wer weiß von uns heute noch, was Kreuzblütler sind oder kennt den Unterschied zwischen kinetischer und potenzieller Energie.

Aber die Art und Weise, wie ich mir Kenntnisse aneigne und welche Werte mir wichtig sind - das begleitet mich nachhaltig. Damit die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen gut gelingt, muss Lernen Freude machen. Das weiß auch die moderne Lern- und Hirnforschung. Lernen mit allen Sinnen, Projekt- und Freiarbeit, individuelle Förderung bei Begabungen oder Schwierigkeiten, Lehrer als Lernbegleiter und Beobachter sind ein paar Stichworte unserer Idee von Schule, um Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, und dort hinzubringen, wo sie ihre Potenziale entfalten können. In den Ergebnissen der bundesweiten Vergleichsarbeiten unserer Schüler sehen wir den Erfolg unserer Arbeit. Und auch der Übergang in die weiterführenden Schulen fällt ihnen nicht schwer.

Inklusion - "Eine Schule für alle" ist zum Zauberwort der Bildungspolitik geworden, für viele mittlerweile auch zum Reizwort. Wie stehen Sie dazu?

Der inklusive Anspruch, dass jedes Kind den gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Schule hat, ist nur zu befürworten. Allerdings darf Eltern aus unserer Sicht dadurch nicht ihr Wunsch- und Wahlrecht bei der Auswahl der geeigneten Schule für ihr Kind verloren gehen. Benötigt ein Kind mit Behinderungen einen geschützten Raum zum Lernen, sollte es dafür weiterhin spezialisierte Schulen geben. Wünschen Eltern den Besuch in einer Regelschule, muss auch das möglich sein. Wichtig ist, dass unabhängig vom Lernort die Rahmenbedingungen immer so gestaltet sind, dass das Kind mit all seinen Bedürfnissen an Schule und Unterricht teilhaben kann. Im Moment sehen wir noch viele Hemmnisse in der praktischen Umsetzung von inklusiver Schule, die damit weder Kindern mit noch ohne Behinderungen gerecht wird. Insofern können wir die Ängste, auch die Ablehnung vieler Eltern und Lehrer verstehen.

Wir selbst möchten uns hier einbringen, damit aus einer ehrenwerten Idee auch eine lebenswerte Realität wird. Neben der Klärung von rechtlichen und finanziellen Grundlagen geht es vor allem um das individuelle Lern- und Förderkonzept für jedes Kind im Schulalltag.

Sie haben 2013 noch einiges vor, was die Entwicklung der Schule betrifft…

Wir haben uns viel vorgenommen. Da steht der Ausbau neuer Räume für die Schule an. Im Obergeschoss unseres Kinderhauses im Horning möchten wir die sächlichen Voraussetzungen für das Umsetzen unserer inhaltlichen Arbeit schaffen. Bei der räumlichen Vergrößerung haben wir auch die steigende Nachfrage von Eltern nach unserem Schulkonzept im Auge. Wir werden unser Lehrerteam verstärken und wollen unsere integrierte therapeutische Förderung profilieren, beispielsweise wenn es um Sprachförderbedarfe geht, Konzentration oder Motorik.

Dazu werden wir zeitnah Anfang unser Kindertherapiezentrum ins Leben rufen.

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