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Der Prignitzer

23. November 2017 | 16:14 Uhr

Montag schlägt Rolands letzte Stunde

vom

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2013 | 06:26 Uhr

Perleberg | Noch schaut er übermannsgroß vom Giebel auf den Schienenstrang des Prignitz-Express - der Roland. Doch seine Stunden sind gezählt. Wenn es beim Zeitplan bleibt, dann soll am Montag das Haus Wittenberger Straße 47 abgerissen werden. Seit Tagen ist bereits eine Firma mit dem Entkernen beschäftigt. Mittlerweile steht nur noch die Bauhülle.

Über die BIG-Städtebau ist zu erfahren, dass das Haus einen neuen Besitzer hat, der zugleich auch die benachbarte Villa gekauft hat. Letztere saniert er, das viergeschossige Ungetüm hingegen wird abgerissen. "Und darüber sind wir froh", macht Jens Trommeshauser von der BIG deutlich. Denn seinen gründerzeitlichen Charme habe das Haus spätestens verloren, als die Stuckfassade abgeschlagen und dafür ein grauer Kratzputz aufgebracht wurde. 1904 wurde jenes von Robert Nabert, der im Nachbargebäude eine Gastwirtschaft betrieb, heute bekannt unter Nachtbar, errichtet. Und damit verschwand schier in dessen Schatten die wunderschöne herrschaftliche Villa. Es war der Ritter schaftsrendant Oskar Born, der sie im Jahre 1895 errichten ließ. Er bewohnte das Anwesen Wittenberger Straße 48 mit seiner Familie bis der Direktor v. Tobold um 1910 hier einzog. Heute ist es immer noch als Tobold’sche Villa bekannt. Die Villa sei ein Einzeldenkmal einschließlich Nebengebäude, Einfriedung und Garten. In alter Schönheit soll sie jetzt wiederentstehen. Das heißt unter anderem: Rückbau zum Originalzustand. Und zu diesem gehörten einst auch Balkone.

Für den Eingangsbereich der Stadt eine Aufwertung, ist sich Jens Trommeshauser sicher. Denn auch der Stadteingang erhält durch den Abriss des Viergeschossers wieder sein ursprüngliches Gesicht. Zugleich trenne man sich von seit Jahren vorwiegend leer stehendem Wohnraum. Auch eine wichtige Aufgabe - Leerstand in der Stadt abzubauen, wo es vorstellbar ist.

Dass das Haus Wittenberger 47 irgendwann mal eine andere Bestimmung gehabt haben könnte, darüber gibt es weder Aufzeichnungen, noch erzählen alteingesessene Perleberger anderes. "Ich kenne es nur als Wohnhaus. Hinter diesem befand sich ein langgezogener Holzbau, in dem auch zu DDR-Zeiten die Firma Prosch einen privaten Eisenwarenhandel betrieb, erinnert sich Hans-Christian Sauer von der BIG-Städtebau.

Zur 750-Jahrfeier von Perleberg erhielt der Giebel das Rolandbild. Es war der Maler und Buchillustrator Gerhard Lahr, der es schuf. Lahr ist 2012 in Berlin verstorben. "Das Haus an sich war nichts Besonderes. Es fiel eben nur auf durch den Roland. Interessant ist aber, dass das Bild in den 25 Jahren nicht einmal beschädigt wurde", berichtet Herbert Rauer. Aber weder das Haus noch das Rolandbild haben Denkmalswert, bestätigt die zuständige Geschäftsbereichsleiterin beim Landkreis Edelgard Schimko. Und so werden sie nun ein Fall für die Abrissbirne.

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