Industrie : Moderne Werkstatt für Stahlrösser

Die absolute Ausnahme: Dieser Waggon rollte per Tieflader nach Wittenberge, um in der Schienenfahrzeugbau aufgearbeitet zu werden.
Die absolute Ausnahme: Dieser Waggon rollte per Tieflader nach Wittenberge, um in der Schienenfahrzeugbau aufgearbeitet zu werden.

Schienenfahrzeugbau Wittenberge investierte eine Million Euro in Deutschlands ältesten Lokschuppen

svz.de von
10. April 2015, 08:00 Uhr

Im ältesten Lokschuppen Deutschlands werden seit knapp fünf Jahren wieder Stahlrösser gewartet und instand gesetzt. Die 2010 gegründete Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH (SFW) hat das 1846 errichtete Gebäude nach Jahren des Leerstandes nicht nur wieder in Nutzung genommen. „Wir haben rund eine Million Euro in das Einzeldenkmal und die Ausrüstung investiert, konnten dafür auf eine 50-prozentige Förderung zurückgreifen“, sagt Geschäftsführer Ulrich Rudler. Er verweist darauf, dass die SFW neben einem Auszubildenden mittlerweile 24 Mitarbeiter beschäftigt, vier von ihnen sind am zweiten Standort der Werkstatt, nämlich in Meyenburg, eingesetzt.

Zu DDR-Zeiten gehörte das Denkmalgebäude als Lokschuppen 3 zum Bahnbetriebswerk Wittenberge. Die Bahn AG trennte sich von der Immobilie. Heute werden dort unter anderem die Diesel- und E-Loks der privaten Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) gewartet, die allein über einen Fuhrpark von etwa 40 Lokomotiven verfügt. „Wir sind quasi die Hauswerkstatt der EGP“, erklärt Geschäftsführer Rudler, verweist aber gleichzeitig darauf, dass die SFW vermehrt Werkstattleistungen für Schienenfahrzeuge Dritter übernimmt.

Die Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH bildet gemeinsam mit einer zweiten Werkstatt, der Baltic Port Services GmbH in Sassnitz/Neu Mukran (BPS) an der Ostsee, die Werkstattsparte im Unternehmensverbund der Deutschen Eisenbahn Service AG (DESAG). Rudler sagt: „Die DESAG ist als eine mittelständische Unternehmensgruppe zu verstehen, in der Schienengüter- und Schienenpersonenverkehr, die Wartung und Instandhaltung von Loks und Güterwaggons aller Art, der Betrieb und die Unterhaltung einer eigenen Eisenbahninfrastruktur sowie eine zertifizierte Aus- und Weiterbildung auf dem Eisenbahnsektor vereint sind.“

Am Standort Wittenberge werden seit Ende letzten Jahres auch Güterwagen gewartet und instand gesetzt. „Die Lage von Wittenberge an den Haupttrassen nach Berlin, Hamburg und Magdeburg ist verkehrstechnisch äußerst günstig, da habe sich die Entscheidung angeboten, die Leistungserweiterung hier am Standort vorzunehmen.“ Zumal hier, das unterstreicht der Geschäftsführer, die personelle Kompetenz vorhanden sei. Die Waggons rollen über das Schienennetz nach Wittenberge oder werden alternativ vor Ort von einem mobilem Werksteam instand gesetzt.

Eine absolute Ausnahme machte jener vierachsige Waggon, der vor zirka vier Wochen per Straßentransport aus Brandenburg /Havel nach Wittenberge rollte, um hier mit Hilfe von zwei Kränen auf die Gleise gehoben zu werden. „Sicher“, so Ulrich Rudler „sei das etwas spektakulär gewesen, aber es ist wirklich die absolute Ausnahme von der Regel“.

Rudler ist nicht ausschließlich Geschäftsführer der hiesigen Schienenfahrzeugbau GmbH, sondern auch in der 2014 gegründeten Baltic Port Services GmbH. Er spricht von Synergieeffekten beim Einwerben von Aufträgen. Zu den Kernkompetenzen der Sassnitzer Werkstatt zähle das Umspuren von Wagen mit russischer Breitspur (1520 Millimeter) auf die Regelspurbreite (1435 Millimeter), die Instandsetzung von Güterwagen und Lokomotiven, sowie die Instandhaltung und –setzung von Hafentechnik vor Ort.  

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