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Neustrelitz : Modellhubschrauber löste Großeinsatz aus

vom

Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr im Postfrachtzentrum Neustrelitz. Aus einem Paket war eine bei Hautkontakt reizende Flüssigkeit ausgetreten. Adressiert war das Paket an einen 27-Jährigen Perleberger.

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erstellt am 19.Okt.2012 | 10:03 Uhr

Perleberg | Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr im Postfrachtzentrum Neustrelitz. Aus einem Paket tritt eine bei Hautkontakt reizende Flüssigkeit aus. Das ist die Spitzenmeldung an dem Morgen, die über den Äther läuft. "Das ist bestimmt dein Paket", sagt Lutz Mamerow, Inhaber und Betreiber des Deutschen Kaisers noch scherzhaft zu seinem F&B-Manager Steven Hausmann. Einige Stunden später stehen Neubrandenburger Ermittlungsbeamte vor dem 27-Jährigen in Perleberg. Denn an ihn ist besagtes Paket adressiert.

Tags zuvor am späten Abend versetzt jene von einer unbekannten chemischen Verbindung durchweichte Postsendung Polizei und die Feuerwehr Neustrelitz in Alarm. Eine Gruppe des Gefahrgutzuges der Wehr kommt zum Einsatz, bestätigt auf Nachfrage Polizeihauptkommissar Andreas Scholz von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Neubrandenburg. Eine Notärztin untersucht alle Mitarbeiter des Postfrachtzentrums, die mit dem ominösen Paket in Berührung gekommen sind. Entwarnung: Eine Gesundheitsgefährdung kann ausgeschlossen werden, die Nachtschicht im Verteilerzentrum, in dem täglich bis zu 170 000 Pakete umgeschlagen werden, kann weiter arbeiten.

Doch was ist das für eine Flüssigkeit und wofür dienen die Gerätschaften, die das Paket außerdem enthält? "Die sehen für Außenstehende schon recht merkwürdig aus", räumt Steven Hausmann dem "Prignitzer" gegenüber ein.

Und offensichtlich können auch die Beamten den Inhalt nicht sofort eindeutig zuordnen. Die Vermutung, dass all das einem Anschlag dienen könnte, war auf Anhieb nicht auszuschließen, so der Polizeisprecher . Und so greift die Maschinerie, laufen alle für so einen Fall geplanten Maßnahmen an:

Das Paket wird in einem Gefahrgutbehältnis der Wehr für weitere Untersuchungen zum Munitionsbergungsdienst nach Mirow gebracht und Spezialisten des Landeskriminalamtes zur Analyse hinzugezogen.

Erste Entwarnung kommt derweil von den Ermittlungsbeamten aus Perleberg. Von dem jungen Mann erfahren sie, dass dieser sich bei Ebay einen Modellhubschrauber ersteigert hatte. "Ein stattliches Teil mit 1,53 Metern Länge und 1,9 PS", so Steven Hausmann. Ein Benziner, der mit 30 Prozent Nitroanteil fliegt - in Modellbaukreisen nichts Außergewöhnliches. "Ich habe schon ein Elektromodell. Der Hubschrauber ist aber überaus anfällig was Windböen betrifft", berichtet er. Um so stolzer war der Perleberger, als er überaus preiswert dieses "Teil", ersteigern kann. Ausgestattet mit einer beweglichen Kamera, soll der Modellflieger demnächst Fotos aus luftiger Höhe auch vom Deutschen Kaiser schießen. Zu einem Aufpreis orderte der 27-Jährige auch gleich noch Benzinpumpe, Anlasser und Benzin-Nitro-Gemisch. All das geht in einem Extra-Paket dann auch von Baden-Württemberg aus mit der Post auf Reisen Richtung Prignitz. Allerdings angekommen ist bis dato nur der Modellhubschrauber. Das vermeintliche Corpus Delicti ist noch in Mirow. Sofern die Ermittlungen abgeschlossen sind, bekomme es der Perleberger. Denn seine Angaben haben sich bestätigt, ist vom Pressesprecher des Polizeipräsidiums Neubrandenburg zu erfahren. "Bei der Flüssigkeit und den anderen Teilen der Sendung handelt es sich um handelsüblichen Treibstoff sowie Bestandteile, welche im Flugmodellwesen Anwendung finden", ist im Polizeibericht zu lesen. Ob allerdings noch viel von dem Benzin-Nitro-Gemisch übrig ist, das sei dahin gestellt. "Viel wichtiger sind auch die Benzinpumpe und der Anlasser für mich", fügt der Perleberger an, der mittlerweile über die Angelegenheit schmunzeln kann, ebenso wie seine Kollegen. "Ich habe ja auch nichts Verbotenes getan."

Anders der Absender in Baden Württemberg. Er werde sich voraussichtlich aber noch zu verantworten haben. Geprüft werde, ob hier eine Verletzung von Bestimmungen im Umgang mit Gefahrgütern vorliege.

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