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Der Prignitzer

19. November 2017 | 04:27 Uhr

Modelleisenbahner werfen Handtuch

vom

svz.de von
erstellt am 05.Apr.2013 | 09:55 Uhr

Perleberg | 23 Jahre nach der Wende und viele Jahre schon davor gab es sie - die Perleberger Modelleisenbahner. Am 31. Dezember vergangenen Jahres machten sie das Licht in ihren Vereinsräumen für immer aus. "Wir waren zuletzt noch eine Handvoll Mitglieder mit einer großen Anlage", sagt Dieter Schwarz, und eine gewisse Wehmut klingt aus seinen Worten. Um die 60 Quadratmeter maß ihre Anlage. Ein großer Bahnhof mit 17 Gleisen, das Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen und Drehscheibe und nicht zu vergessen die jeweils so um die 4,50 Meter langen Brücken - nachempfunden der alten und der neuen über die Elbe bei Wittenberge. Dieter Schwarz’ Augen leuchten, wenn er davon erzählt. Sieben Jahre leitete er als Vorsitzender die Geschicke des Vereins, der nach der Wende immer noch um die zehn Mitglieder zählte. Und die waren nicht nur stolz auf ihre Anlage, sondern vor allem auch darauf, die Arbeitsgruppe Modelleisenbahner über die Wirren der Wende gebracht zu haben. Hervorgegangen war sie aus der Arbeitsgemeinschaft an der Schule in der Wilsnacker Straße, "die damals Manfred Schwämmlein aufgebaut und geleitet hat", erinnert sich Dieter Schwarz. Im Keller der Schule hatten sie einen Raum, hier wurde faktisch der Grundstein für die spätere Vereinsanlage gelegt. Von dort zogen Anlage und Verein dann in Privaträume in der Parchimer Straße. Als es auch hier zu beengt wurde, stellte die GWG in der ehemaligen Uniformschneiderei in der Karl-Marx-Straße Räumlichkeiten zur Verfügung. Bis dann im November 1996 hier alles davon schwamm. Wasser aus der darüber liegenden Wohnung hatte sich seinen Weg gebahnt und alles überschwemmt. "Wir hatten einen riesigen Wasserschaden", erinnert sich der Modelleisenbahner. Die GWG stellte dem Verein umgehend Räumlichkeiten in der Bäckerstraße zur Verfügung. "Ideal für uns - wir hatten ausreichend Platz, einen extra Werkstattraum und waren nur unter uns."

Obwohl die GWG sich all die Jahre sehr moderat gegenüber dem Verein gegeben habe, die laufenden Kosten für Strom und Heizung waren zuletzt nicht mehr zu deckeln. "Rund 2500 Euro waren das im Jahr und wir nur fünf Mitglieder." Mit den Tauschmärkten habe man sich noch über Wasser gehalten, doch Geld für die Anlage war da nicht mehr übrig. So versuchten die Perleberger Modelleisenbahner, sich dem Verein Historischen Lokschuppen in Wittenberge anzuschließen. "Die befassen sich aber nicht mit Modelleisenbahnen, sondern nur mit den Originalen. Wir hätten uns dort einmieten können, boten sie uns an. Doch da wären wir vom Regen in die Traufe gekommen, hätten als eigenständiger Verein fortbestehen müssen. Und dafür fehlte uns jetzt einfach die Kraft."

Die große Anlage ist inzwischen verkauft, der Verein hat sich aufgelöst. Die Tauschbörse für Modelleisenbahnen im Dezember 2012 war somit die letzte - "vorläufig", fügt Dieter Schwarz an. Denn man sei im Gespräch, schließlich war es die einzige weit und breit.

Einen Schlussstrich will er aber nicht ziehen, ohne sich bei allen zu bedanken, die den Verein über die Jahre immer wieder unterstützt haben - materiell wie finanziell. Und da muss vor allem auch das Hotel "Stadt Magdeburg" genannt werden, in all den Jahren Gastgeber für die Tauschbörsen.

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