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Caritas Perleberg : Mitten im Leben dem Tod sehr nah

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Workshop der Caritas zum Thema Hospiz: Martina Schmitz und Bärbel Fliege verschenken seit Jahren ihre Zeit

von
erstellt am 13.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Bärbel Fliege und Martina Schmitz engagieren sich ehrenamtlich im ambulanten Hospiz der Caritas. Die eine seit 14, die andere seit drei Jahren. Jahre, die sie nicht missen möchten obwohl sie sie verschenkt haben, verschenkt an Menschen, für die das letzte Stück irdischen Daseins begonnen hat. Auf dem Weg begleiten sie sie, teilen mit ihnen Freude und Leid und versuchen, ihnen die Angst zu nehmen vor einer Ungewissheit, die Tod heißt.

Bärbel Fliege hat einst Krankenschwestern ausgebildet, später Altenpfleger. Sterben und Tod standen nicht auf dem Stundenplan. Sie hat das Thema drauf gesetzt. Als sie dann in der Zeitung las, dass die Caritas Ehrenamtler für den ambulanten Hospizdienst sucht und ausbildet, da meldete sie sich. Inzwischen hat sie viele begleitet, junge und ältere, Menschen, die den Lebensmut verloren hatten, einfach müde waren, andere, die noch so viel erledigen wollten. „Es war plötzlich eine ganz andere Perspektive für mich. Ich war nicht mehr Pflegekraft, ich war nur noch ein Mensch, der seine Zeit verschenkt.“ Wie kostbar jene ist, das werde einem erst bewusst, wenn einem nicht mehr viel davon bleibt. Dass aber selbst ein kurzer Moment ein Leben lebenswert macht, dafür sei sie da.

Über den Krankenhausbesuchsdienst kam Martina Schmitz zum Hospizdienst. „Oft war es nur ein Besuch, dann sah man sich nicht wieder. Zu kurz, um eine Beziehung, um Vertrauen aufzubauen.“ Aber genau das bedarf es, „denn das Leben und der Tod sind etwas ganz Persönliches“. Vielleicht auch der Grund, warum viele glauben, das letzte Stück des Lebensweges allein gehen zu müssen. „Genau das stimmt nicht“, betont Martina Schmitz. Warum aber spricht keiner über den Tod, ist er ein Tabu-Thema. „In unserer Gesellschaft“, fügt Bärbel Fliege an, denn früher wurde in der Familie gestorben. „Heute musst du jung, dynamisch, fit sein, mit 70 noch aussehen wie mit 32. Die eigene Endlichkeit wird verdrängt und damit auch die Tradition des Abschiednehmens“, weiß Martina Schmitz.

„Hospiz braucht Freu(n)de“ habe man ganz bewusst den Workshop am Samstag bei der Caritas überschrieben. „Wir brauchen Ehrenamtler, die sich dieser Aufgabe verschreiben“, so Koordinatorin Ute Gajewski. Sich vorstellen, Vorurteile abbauen und „zeigen, dass Hospizarbeit alles andere ist als Trauer und Trübsal, das war mit das Anliegen. Dem Menschen die ihm verbleibende Zeit Freude am Leben vermitteln, Wünsche erfüllen, einzig für ihn da zu sein, das ist Hospizarbeit. Den Tod als etwas Normales zum Leben gehörendes anzunehmen, auch das ist Hospizarbeit. „Doch wer hat sein Leben geordnet, wenn er erst einmal leben will. Und im Alter will man um den Tod sowieso einen großen Bogen machen.“ Wie wichtig Antworten aber sind, wissen Martina Schmitz und Bärbel Fliege nur zu gut. Nicht selten müssen sie auch der Mittler sein zwischen dem Todkranken, den sie begleiten, und seiner Familie, die nur das Beste für ihn will und dazu gehört ein langes Leben. Und sie sind auch ein Stück fremder Vertrauter, dem man erzählt, womit man seine Liebsten emotional nicht belasten will. „Hospizarbeit ist aber auch Freude, denn man bekommt viel mehr zurück, als man gibt wenn am Ende auch immer der Tod steht“, betont Martina Schmitz. Doch wann er kommt, weiß niemand. Die Zeit bis dahin sollte lebenswert sein.

Der Tod – als junger Mensch habe sie wenig darüber nachgedacht, gesteht Marina Schmitz. Heute sagt sie, er ist nichts Schreckliches, wenn man nicht einsam auf ihn wartet. „Mit dem Tod ist das Leben nicht zu Ende, einzig das irdische Dasein. Denn jeder Mensch hinterlässt Spuren. “

Wenn sie, Bärbel Fliege und die anderen ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter gerufen werden, kommt sie – zu jedem, unvoreingenommen und unabhängig, ob jener gläubig ist oder nicht. „Es ist nur schade, dass wir oft zu spät gerufen werden“. Denn einen Menschen, dessen Lebensweg nicht mehr sehr lang ist, zu begleiten, heißt oftmals auch, den Angehörigen ein Stück Angst zu nehmen, ihnen Zeit zu geben, zum Durchatmen und um selbst wieder Kraft zu finden. „Doch immer nur soweit und so viel, wie es gewünscht wird“, sagen beide Frauen. Darauf wurden sie vorbereitet, geschult, denn es ist eine ungewöhnliche Lebenssituation, die man auch aushalten muss. Kommen sie dennoch an ihre Grenzen werden sie durch Supervision aufgefangen, wird aufgearbeitet, was sie im Unterbewusstsein beschäftigt.


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