zur Navigation springen

Musik aus dem mittelalter : Mittelalterliche Minne in der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Musiker nehmen mittelhochdeutsche Liedtexte von Süßkindt von Trimberg auf CD auf und laden Sonnabend zum Konzert ins Gymnasium

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Dass Perleberg die Kreativität junger Musiker inspiriert, hat sie mit den diesjährigen Lotto-Lehmann-Veranstaltungen wieder bewiesen. In dieser Woche nehmen sich international renommierte Musiker, Spezialisten für historische Aufführungspraxis, Zeit, um die mittelhochdeutschen Liedtexte des wandernden Spruchdichters Süßkindt von Trimberg in der Rolandstadt zu proben, in der St. Jacobikirche aufzunehmen und am Sonnabend, 21. Oktober, 20 Uhr in der Aula des Gottfried-Arnold-Gymnasiums aufzuführen.

Süßkindt (der Jude) von Trimberg lebte in einer Zeit, als Perleberg zur Stadt wurde und in ihr der hiesige Judenhof entstand. Süßkindts Poesie ist eines der wenigen erhaltenen jüdischen Kulturdokumente, welches der Zerstörungswut der großen Pestpogrome des 14. Jahrhunderts entgangen ist.

Die jüdische Kantorin Jalda Rebling hat die Texte zusammengetragen und ihre langjährige Freundschaft mit namhaften Instrumentalisten mittelalterlicher Musik macht es möglich, dass ein derart ambitioniertes Vorhaben für das Projekt Judenhof vorgestellt werden kann.

Susanne Ansorg ist mit ihren Fideln und Perkussionsinstrumenten dabei und auch für das Arrangement zuständig. Stefan Maass ist der Herr seiner Lauten, Hans-Werner Apel spielt die italienische Chitarrone, eine 14-seitige Leier, und Elisabeth Seitz das Salterio, die mittelalterliche Psalter.

Fasziniert von den Texten und der Musik der Minne haben die Künstler Süßkindts Poesie praktisch vertont. Denn überliefert ist keine Musik. Zu Süßkindts Zeit habe man in sogenannten Melodiemodellen gedacht. Darauf wurden die Texte gelegt“, erläutert Susanne Ansorg. Und genau das haben auch sie gemacht und so Süßkindts Texte mit einem Querschnitt der Minnesängerstile vertont. Das Ergebnis: Poesie in Text und Melodie, harmonisch vereint und wunderschön anzuhören.

Bis einschließlich Freitag nehmen die Künstler in der St. Jacobikirche eine CD auf, die dem Katalog für die im kommenden Jahr geplante Ausstellung zum Mittelalter beigefügt werden soll, so Rainer Meißle, der geistige Vater des Projekts Judenhof. Die Idee: Die Zeit, in der Süßkindt lebte, in der Ausstellung sinnlich erlebbar zu machen. Besonders stolz sei man, dafür ein Ensemble von Starmusikern zu haben.

Möglich wurde all das nur mit finanzieller Unterstützung der Staatskanzlei des Landes Brandenburg und des Bürgervereins sowie dem Perleberger Gymnasium, dessen Aula am Sonnabend zur Bühne mittelalterlicher Minne wird. Zugleich hält der Förderverein der Schule für die Besucher einen kleinen Imbiss parat.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen