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Mit Vera und Willi Kohls auf Entdeckung in ihrem Garten

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Perleberg | Die "Wiederkehr", im Volksmund auch Arschkerbe genannt, rückt jetzt wieder in den Fokus der Stadtentwicklung. "Endlich", sagen Vera und Willi Kohls, die schon mächtig gespannt darauf sind, was hier entstehen soll. "Jetzt jedenfalls ist es nur ein Schandfleck, und das schon seit vielen Jahren", gestehen beide offen ein. Und dabei wird vor allem Frau Kohls Herz schwer. "Das hier war mal mein Zuhause." In der Heilige-Geist-Straße 5 b habe sie ihre Jugend verbracht. Heute wohnt sie in der Dobberziner Straße.

Kleingärtner in zweiter Generation

Zur Arschkerbe bzw. in deren direkte Nachbarschaft zieht es die Kohls aber immer noch. Und sommers fast täglich. Der Grund: "Seit 60 Jahren haben wir hier unseren Garten", erzählt die Perlebergerin. Bis ihr Vater verstarb, bewirtschaftete sie die Parzelle am Fuße der Stepenitz gemeinsam mit ihren Eltern. Dann übernahmen sie den großen Garten, der etwas Besonderes aufzuweisen hat. Einen Eiskeller, und der ist schon mehr als 150 Jahre alt. Er gehörte einst zu Hoffmanns Hotel. Dessen Besitzer ließ ihn 1858 unmittelbar an der alten Stadtmauer erbauen.

Das stattliche Alter sieht man dem Gewölbe, zu dem eine steinerne Treppe führt, kaum an. Ein durch und durch solider Ziegelbau. Auf jenem errichtete der Vater von Vera Kohls Mitte der 1950er Jahre seine Tischlerwerkstatt. Inzwischen haben die Kohls diese längst in eine gemütliche Gartenlaube umgewandelt. Geblieben aber ist der Eiskeller, und um jenen rankt sich standesgemäß auch eine Sage. Unter Alteingesessenen erzähle man sich, dass einst ein unterirdischer Gang vom Eiskeller bis zur Kirche führte. "Wir sind aber bis heute auf einen solchen nicht gestoßen", fügt Willi Kohls schmunzelnd an. Doch wer weiß, vielleicht werde man bei der Sanierung dieses Quartiers fündig.

Aus Erzählungen wissen die Kohls, dass unmittelbar in Nachbarschaft des Eiskellers auch mal ein Gebäude gestanden haben muss. Jenes ist aber bis auf die Grundmauern verschwunden. Ein Blick in alte Bauunterlagen verrät Archivarin Sylvia Pieper, dass es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Wehrturm gehandelt haben muss.

Der einstige Kühlschrank des Hotels, in dem riesige Eisblöcke für die Kühlung von Lebensmitteln lagerten, hat zwar als Eiskeller längst ausgedient. "Doch unser Obst und Gemüse und natürlich auch Kartoffeln lagern wir heute noch hier. Im Sommer ist es dort angenehm kühl und im Winter erfriert nichts", so Vera Kohls.

Die singende Säge und die Hagen

Schon als Kind erlag die Perle bergerin dem Reiz dieses Gartens, richtiger gesagt dem, was darin wuchs. Damals gehörte jener noch dem Kohlenhändler Thormann. "Übern Zaun ging es und dann auf die Obstbäume", plaudern die Kohls ein wenig aus dem Nähkästchen. Vera Kohls kann sich noch erinnern, dass man von der Heiligen-Geist-Straße 5b über den Keller und den Hof in die einstige Uniformschneiderei in der Karl-Marx-Straße gelangte. "Bei Fliegeralarm war dort unser Luftschutzkeller."

Übrigens, ganz bekannte Perleberger wohnten einst in der Arschkerbe, so die singende Säge Richard Schuch, der zugleich der bis dato dienstälteste Weihnachtsmann der Stadt war. Auch Eva-Maria Hagen lebt hier eine gewisse Zeit, brachte der Perleberger Hans-Joachim Schröder für den "Prignitzer" in Erfahrung.

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erstellt am 09.Dez.2011 | 05:05 Uhr

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