50 Jahre Frauenwehr : Mit Tatütata ans Kuchenbüfett

Sie haben sie noch, ihre Mitgliedsausweise. Vor 50 Jahren zogen Erika Kobs (l.), Anneliese Rogge und Gudrun Heinke die Uniform der freiwilligen Feuerwehr in Groß Buchholz an. Für jedes Jahrzehnt gab es übrigens zur Feier von der Bürgermeisterin einen Flasche Sekt.
Sie haben sie noch, ihre Mitgliedsausweise. Vor 50 Jahren zogen Erika Kobs (l.), Anneliese Rogge und Gudrun Heinke die Uniform der freiwilligen Feuerwehr in Groß Buchholz an. Für jedes Jahrzehnt gab es übrigens zur Feier von der Bürgermeisterin einen Flasche Sekt.

Groß Buchholzer Frauenwehr feierte 50. Geburtstag. Drei Kameradinnen der ersten Stunde plaudern aus dem Nähkästchen.

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04. Mai 2017, 12:00 Uhr

Wehrführer Paul Preuß war bekannt dafür, dass er für neumodischen Kram zu haben war, berichten Anneliese Rogge, Gudrun Heinke und Erika Kobs. So scharte er vor 50 Jahren die Groß Buchholzer Weiblichkeit in der Schule um sich. „Als wir wieder nach Hause gingen, waren zehn von uns Mitglied der Ortsfeuerwehr, hatte Groß Buchholz eine Frauenwehr“, berichtet Anneliese Rogge. Wenig später das nächste Treffen in der Schule. Nach Hause gingen sie stolz wie die Spanier in Uniform. „Und die passt heute noch“, verraten die drei Frauen unter Beifall und Lachen des Dorfes. Denn gemeinsam feierte man jetzt 50 Jahre Frauenwehr in Groß Buchholz.

Einzig das Lametta auf dem Kragenspiegel habe sich in den Jahren bei der einen oder anderen verändert. „Ich war nur für die Kassierung zuständig, da war mit Beförderung nichts drin“, fügt Anneliese Rogge an und hat die Lacher wieder auf ihrer Seite.

Vor 50 Jahren gehörten die Drei dazu, als die Frauenwehr in Groß Buchholz aus der Taufe gehoben wurde. „Damals waren wir mit die Jüngsten“, plaudert Gudrun Heinke aus dem Nähkästchen, „heute sind wir die einzigen, die noch übrig geblieben sind“. Und vergänglich sind auch jene Tage, wo Feuerwehr und Dorf in einem Atemzug genannt wurden. „Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Wenn die einen mit Tatütata vom Wettkampf ins Dorf rollten, hatten die anderen Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und dann wurde gefeiert“, erinnert sich Gudrun Heinke. Ob als Erster oder Letzter beim Ausscheid, einen Grund zum Anstoßen gab es immer. Meist aber auf den Sieg.

Den ersten fuhren die Groß Buchholzer Frauen gleich mit ihrem ersten Start in Spiegelhagen ein. Und fortan bestimmten sie mit, wer beim Dreikampf auf den Siegertreppchen stand. Leinenbeutelweitwurf, statt über die Sturmwand wie bei den Männern, gings über den Schwebebalken und dann auf die 1000- Meter- Strecke. „Laufen konntet ihr, als sei der Teufel hinter euch her“, folgt lautstark die Bestätigung aus der Männerriege.

Kreis- und Bezirksmeisterschaften – die Groß Buchholzer Frauen mischten überall mit. Mit Martina Minge schickten sie sogar eine Frau in die Kreisauswahl zu den DDR-Meisterschaften.

Schier sprachlos über die geballte Frauenpower in der Wehr war Reinhard Carl. Er war 1992, als er die Groß Buchholzer besuchte, um eine Partnerschaft anzubahnen, Wehrführer in Groß Malchau/Boecke (Niedersachsen). 1967 zog er die Feuerwehruniform an, „da kannte man zweierlei Geschlecht bei uns nicht. Feuerwehr war Männersache“, erinnert er sich. Und das galt bis 1992, da wurde die erste Frau in der Wehr aufgenommen, aber nicht ohne Kampf.

Den Groß Buchholzer Frauen bestätigte Reinhard Carls, der zu ihrem Jubiläum natürlich vorbeischaute, dass sie nicht nur vorzüglichen Kuchen backen konnten, sondern feuerwehrtechnisch den Männern in nichts nachstanden. Und schon ist man wieder beim Feiern, denn als die Niedersachsen einen aufgemotzten Opel-Blitz den Groß Buchholzern schenkten, hatte man auch allen Grund dazu. Fast 20 Jahre tat dieser dann seinen Dienst noch in der Wehr.

„Ohne unsere Frauen hätten wir einiges bestimmt nicht so in den Griff bekommen“, räumt Ortswehrführer Joachim Jahrow offen ein. Es war eine Frau, die 1993 die neugegründete Jugendwehr übernahm, und bis heute ist der Jugendwart eine Frau, hat Groß Buchholz so immer noch eine Jugendwehr. Heute zählt die Ortswehr noch sechs Frauen, davon sind drei im aktiven Dienst.  

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