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Verkehrsgarten in Perleberg : Mit Spende in den „Vollrausch“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Kreiskrankenhaus übergibt Kreisverkehrswacht Geld für Präventionsprojekt gegen Drogen und Alksohol am Steuer. Doch die Zukunft des Vereins ist ab 2016 ungewiss.

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Mit Skepsis begutachtet Karsten Krüger, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Prignitz, die merkwürdig anmutende Taucherbrille in seiner Hand. Vorsichtig setzt er das durchsichtige Stück Plastik auf. „Mit dieser Rauschbrille imitieren wir einen Alkoholzustand von 1,3 Promille“, erklärt ihm Polizistin Grit Weber. „Du meine Güte“ entrutscht es dem Krankenhausleiter, der damit gestern das zukünftige Präventionsprojekt der Kreisverkehrswacht Prignitz an sich selbst testete.

Dank einer Spende des Kreiskrankenhauses von 500 Euro möchte der Verein Jugendliche und junge Erwachsene über die Gefahren von Alkohol und Drogen am Steuer aufklären. „Angedacht ist, dass mit dem Geld ein Tretauto angeschaffen wird, um im ,Vollrausch‘ unseren Parcours zu testen“, erzählt die Polizeihauptmeisterin.

Auf dem ersten Blick bietet der Verkehrsgarten in der Hamburger Straße in Perleberg dafür beste Voraussetzungen: Auf dem mehr als 100 000 Euro teuren Parcours können seit 2006 auf Fahrbahnen aus Bitumen Verkehrssituationen realitätsnah nachgestellt werden. An einem drehbaren Rettungssimulator lassen sich zudem Erste Hilfe und Eigenrettungen proben.

Jedoch hat die Sache einen massiven Haken: Wenn die Polizeiinspektion Prignitz dort noch ein Anti-Rauschmittel-Projekt am Steuer veranstalten möchte, muss sie sich ranhalten. Denn zum 31. Dezember 2015 läuft der Pachtvertrag für das Grundstück aus, auf dem sich der Kreisverkehrsgarten befindet. Eigentümer Burkhart Geisler hat Eigenbedarf angemeldet – der Verein muss das Areal definitiv freigeben.

„Es gab Angebote der Stadt, den wilden Parkplatz in der Quitzower Straße zu einem neuen Verkehrsgarten herzurichten, doch die Umsetzungskosten machen diese Alternative unmöglich“, sagt Vereinsvorsitzender Jürgen Steinbeck.

Schätzungsweise weitere 150 000 Euro wären für einen Ab- und Wiederaufbau notwendig. Geld, das der Verein mit seinen 24 Mitgliedern nicht aufbringen kann. Fördermittel sind ebenso wenig in Sicht. Dafür aber eine andere, noch düstere Alternative: Sie beschreibt eine komplette Auflösung des Perleberger Übungsgartens. „Alles was hier transportierbar ist – der Container für Fahrräder, Verkehrsschilder oder das Vereinshaus – sollen in den Verkehrsgarten Kammermark in Pritzwalk übergehen“, so der 63-jährige Steinbeck.

Von der Schwarzmalerei lassen er und auch sein Stellvertreter Hartmut Unglaub sich nicht demotivieren. Seit Jahren investieren sie ihre freie Zeit in die Verkehrsprävention für Jung und Alt. „Das werden wir auch noch bis 2015“, versichert Unglaub.

Es ist genau dieses Engagement und die Begeisterung, wofür das Krankenhaus den Verein unterstützt. „Viele Kinder unserer Mitarbeiter haben diesen Verkehrsgarten schon besucht, weil Prävention wichtig ist“, so Karsten Krüger.

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