Handwerker-Serie : Mit Simson aufgewachsen

Obermeister Mathias Hein (r.) und sein Bruder Thomas in der Werkstatt.
Obermeister Mathias Hein (r.) und sein Bruder Thomas in der Werkstatt.

Mathias Hein, Obermeister der Kfz-Innung, über seinen Werdegang und den Beruf des Kfz-Mechatronikers .

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01. Februar 2018, 05:00 Uhr

Zehn Innungen sind in der Kreishandwerkerschaft Prignitz organisiert. Wir stellen in loser Serie die jeweiligen Obermeister vor. Heute: Mathias Hein aus Karstädt, Obermeister der Kfz-Innung.

„Es war nie ein Thema, dass ich etwas anderes mache. Ich bin ja im Betrieb meines Vater damit aufgewachsen“, erzählt Kfz-Mechaniker-Meister Mathias Hein, der seit 15 Jahren zudem Obermeister der Kfz-Innung Prignitz ist. Seine Ausbildung absolvierte er nicht bei seinem Vater. „Das wollte er nicht und das macht man eigentlich auch nicht“, so der Karstädter, der 1987 mit seiner zweieinhalbjährigen Ausbildung begann. „Der Motorradbereich war unser Steckenpferd. Zu Ostzeiten waren wir auf Simson spezialisiert. Aber wir haben auch Autoservice angeboten“, so der heute 47-Jährige. Und das sei gut so gewesen, so kamen im Sommer die Motorrad- und im Winter die Autokunden. Das ist heute noch so. Seit 1994 ist Hein Vertragshändler für Kawasaki, fährt selbst eine. Mit Speziallehrgängen eignete er sich das Fachwissen im Zweiradbereich an. Seine Kunden kommen über die Kreisgrenzen hinaus zum Beispiel aus der Altmark. Und da verwundert es nicht, dass auch seine Söhne Johannes und Jonathan für dieses Metier einen Faible haben. „Meine Frau Sandra sieht das alles eher in bisschen skeptisch“, sagt er schmunzelnd.

Der Obermeister besucht jährlich Pflichtlehrgänge. „Denn der Hersteller überprüft den Händler. Zum Beispiel bekommt man keinen Airbag geliefert, den man in ein Fahrzeug einbauen will, wenn man nicht dafür die das notwendige Zertifikat vorweisen kann“, erklärt der Karstädter, der als Obermeister zum Beispiel die Kfz-Betriebe überwacht, die Prüfung der Lehrlinge organisiert und der Prignitzer Vertreter im Landesverband Kfz-Gewerbe ist. „Ich komme mit vielen Kollegen zusammen. Aus den Gesprächen kann ich vieles mitnehmen. Für mich war klar, dass ich mich im vergangenen Herbst zur Wiederwahl als Obermeister stelle“, so Hein.

Er musste aufgrund eines Schicksalschlages, sein Vater verstarb früh, gleich nach der Wende mit der Meisterschule anfangen. „Damals hätte man fünf Gesellenjahre nachweisen müssen, um seinen Meister machen zu können. Ich habe schon 1991 mit einer Ausnahmeregelung angefangen. Ansonsten hätten wir den Laden dicht machen können“, sagt Mathias Hein. Sein jüngerer Bruder Thomas war noch in der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, der ebenfalls seinen Meister hat und im Familienbetrieb arbeitet genauso wie ein Auszubildender im 2. Lehrjahr. „Für 2018 suche ich noch einen Auszubildenden“, sagt Hein und ergänzt: „Ich würde sofort auch zwei weitere Fachkräfte einstellen, aber es ist schwierig, welche zu bekommen.“

Ganz so glücklich mit den heutigen Ausbildungsmodalitäten ist er nicht. Vor zwei Jahren wurden die Ausbildungsberufe Kfz-Mechaniker, -Elektriker und -Karosseriebauer „zusammengelegt zum Kfz-Mechatroniker. Es sollte eine Grundausbildung und dann eine Spezialisierung während der Lehrzeit geben. Wenn die jungen Leute ihre dreieinhalbjährige Ausbildung abgeschlossen haben, können sie von jedem etwas. Aber, anders als früher, können sie gleich ihren Meister machen, benötigen die fünf Gesellenjahre nicht mehr. Das finde ich nicht gut. Erfahrung gehört auch dazu“, so Hein.

Denn er weiß: „Unser Beruf ist eine absolute Herausforderung. Kein Tag ist gleich, man hat so viele Modelle in der Werkstatt. Die jungen Leute haben eine gute Perspektive, können eben ihren Meister machen, haben die Möglichkeit, einen Betrieb zu übernehmen und sich in alle Richtungen zu entwickeln“, sagt der Obermeister.

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