zur Navigation springen
Der Prignitzer

23. November 2017 | 16:13 Uhr

Mit Silikon unter die Palmen Floridas

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2013 | 07:27 Uhr

Prignitz/Lenzen/Florida | Vom Urlaub unter Palmen träumen wohl viele, aber auch Arbeiten unter Palmen kann ganz schön sein. Dieses Vergnügen hatte der Lenzener Maik Hoppmann kürzlich, doch war dieser Werdegang des Silikonversiegelers noch vor zwei Jahren längst nicht vorhersehbar. Erst 2011 kam er über die Arbeitsagentur zu Sandra Balkow und informierte sich über die Chancen eines eigenen Unternehmens. Was dann folgte, waren die obligatorischen vier Arbeitsphasen, die jeder potenzielle Existenzgründer in der Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH (TGW) durchlaufen muss, die jetzt in einer Erfolgsgeschichte mündeten.

Seit 2004 betreut die Diplomkauffrau im regionalen Gründerlotsendienst Prignitz alle interessierten Brandenburger, deren Gründungsidee sich noch im Anfangsstadium befindet. "Egal ob Bezieher von Arbeitslosengeld I oder II oder Mutige, die sich derzeit noch in einem Arbeitsverhältnis befinden oder keine Leistung erhalten", erzählt Sandra Balkow. Die Gründerlotsin nimmt in dem Projekt, das vom Europäischen Sozialfond (ESF) und dem Land Brandenburg finanziert wird, jeden an die Hand, der eine Unternehmensidee hat, und begleitet ihn durch die Vorgründungsphase. "Jeder wird da abgeholt, wo er ist", erklärt Balkow. Was dann folgt, ist bei jedem potenziellen Gründer ein identischer Rahmen, lediglich die Inhalte werden je nach Bedarf angepasst. Auf grundlegende Brancheninfos folgt meist der so genannte Gründungscheck, bei dem die Idee des Einzelnen mit samt den potenziellen Kunden und der Konkurrenz auf dem Prüfstand steht, bevor externe Berater Qualifizierungs- und Beratungsleistungen aufzeigen und schlussendlich ein Konzept oder Businessplan erstellt wird.

Ähnliches durchlief Maik Hoppmann, nachdem er am 11. Januar 2011 sein Erstgespräch hatte. Allerdings im Schnelldurchlauf. Bereits am 20. März, also nach etwas mehr als zwei Monaten, folgte die Unternehmensgründung. Doch waren hier die Umstände auch optimal. "Ich habe vor 15 Jahren mit der Versiegelung von Holzfenstern angefangen. Das ist recht kompliziert und entweder man lernt, Geduld zu haben, oder wirft eben hin", erinnert sich Hoppmann, der durch einen guten Chef dran geblieben und immer besser geworden ist. "Da war ich dann eisern und Lob von Außen hat mich noch weiter bestärkt", so der Lenzener. Denn die korrekte Nassversiegelung mit Silikon ist eine Kunst für sich und benötigt Erfahrung. "Ich mache das frei mit der Druckpistole aus der Hand, und die Kunden und Architekten waren immer zufrieden", erzählt Hoppmann. So zufrieden sogar, dass er mittlerweile für acht Firmen arbeitet und bis zu 150 Felder pro Tag versiegelt. Doch auch Hoppmann benötigte bei seinem Entschluss zur Selbstständigkeit Hilfe. "Der Gedanke war schon immer vorhanden, aber erst durch Frau Balkow habe ich den Schubs bekommen", erzählt er.

Die berufliche Nische ist die Grundlage für Erfolg

Dieser kleine Stoß reichte mittlerweile dafür aus, Maik Hoppmann ins etwa 6500 Kilometer entfernte Florida zu befördern. "Durch eine Hamburger Firma hatte ich die Möglichkeit, sechs Wochen dort zu arbeiten. Die Tätigkeit ist zwar die Selbe, aber das Erlebnis ist Wahnsinn und das hätte ich mir vor zwei Jahren nicht träumen lassen", erzählt er. Und auch dort waren sie mit seiner Arbeit so zufrieden, dass einer erneuten Reise nichts mehr im Weg steht. Grund hierfür sieht er in seiner Spezialisierung. "Es gibt genug Klempner, aber reine Versiegeler sind selten", so Hoppmann, und Sandra Balkow ergänzt: "Jeder muss seine Nische finden, diese Marktlücke ist dann die Grundlage für Erfolg."

So berichtet sie von einem Mann, der einen Hausmeisterservice aufbauen wollte. "Davon gibt es aber reichlich, und das war zu wenig. Er hat mir aber erzählt, dass er früher auf Windkrafträdern gearbeitet hat. Deshalb haben wir spezifiziert, und jetzt reinigt er fast ausschließlich und sehr erfolgreich Dachrinnen auf hohen Gebäuden." Doch sind diese beiden Firmen nicht die einzigen Erfolgsgeschichten. Die Pension Leuschkes, der Yoga Speicher oder BB Flowers gehören dabei genauso dazu wie Sicherheitsdienste, häusliche Krankenpflege, aber auch Rechtsanwälte und Steuerberater.

Potenzielle Gründer sind jederzeit willkommen, allein fehlt vielen das Wissen über das Vorhandensein des Lotsendienstes. "Deshalb liegen Unterlagen von uns in den Arbeitsagenturen und Jobcentern aus, wir inserieren in Zeitungen, werben auf der Video-Wall und veranstalten regelmäßig zum Beispiel das Gründerfrühstück, bei dem thematische Fragen zur Existenzgründung besprochen werden", so Balkow, die jährlich zwischen 150 und 200 Erstgespräche führt. Derzeit läuft die Förderperiode durch den ESF zwar zum 31. Dezember aus, dennoch wird über eine Verlängerung nachgedacht. Damit auch in Zukunft aus einer Idee ein Traumberuf unter Palmen werden könnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen