zur Navigation springen

Flötistin an der Promenade : Mit Schere Strickschick zerstört

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit Jahren trägt die Flötistin an der Promenade Söckchen, Schals und Mützen – eine Wittenbergerin reagiert mit Bosheit.

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 22:00 Uhr

Der Streit um die Flötistin, oder besser um die Stricksachen, mit denen die bronzene Flötistin an der Elbpromenade seit vielen Jahren liebevoll ausgestattet wird, hat in dieser Woche einen Höhepunkt erreicht.

Unbekannte haben es nicht, wie leider seit etlicher Zeit praktiziert, dabei belassen, der Spielerin ihre Sachen einfach auszuziehen. Diesmal haben sie das Gestrickte zerschnitten. Der Hintergrund: Um das Entkleiden der Musikantin zu verhindern, war der Schal am Hals der Flötistin diesmal mit einem Draht gesichert worden. Kabelbinder sollten verhindern, dass die Strickschühchen abgestreift werden. Die Kabelbinder sind noch da. Die Socken ringsherum augenscheinlich abgeschnitten.

Wer ist zu so einer Bosheit fähig?

Fakt ist, Einheimische und Gäste mögen die Skulpturengruppe an der Elbpromenade mit ihrem Schaukelschiff und den Musikanten, geschaffen 2001 vom Künstler Christian Uhlig. Die in Strick gehüllte Flötenspielerin lässt so manchen Spaziergänger schmunzeln.

Über Jahre war nicht bekannt, wer die Bronzedame so liebevoll bestrickt. Den Namen darf der „Prignitzer“ auch heute nicht nennen. Aber er darf heute die Dame öffentlich vorstellen, die jeden Mittwoch aus dem Elsternweg extra von ihrem Sohn an die Promenade gefahren wird. Es ist Christa Hübner. „Ich gucke dann, ob die Kleidung noch da ist. Fehlt etwas, dann wird sie – je nach Witterung – neu angezogen“, erzählte Christa Hübner gestern, als der „Prignitzer“ sie besuchte. Sie hütet bei sich Mützchen, Schals und Söckchen, verwaltet damit quasi den Kleiderschrank der Flötistin.

„Die Sachen hat eine sehr gute Bekannte von mir gestrickt. Bevor sie aus Wittenberge weggezogen ist, hat sie sie mir übergeben, damit die Figur weiterhin angezogen wird.“ Seit etwa fünf Jahren kümmert sich Christa Hübner um die Bronzefrau. „Immer wieder erlebe ich, dass Sachen fehlen. Manches haben Leute in einem Papierkorb gefunden. Anderes ist ganz verschwunden“, sagt die Seniorin. Nicht nur sie ärgert sich über die bösartigen Attacken. Auch andere Wittenberger finden es gemein, dass die Stricksachen weggeworfen, gestohlen und nun sogar zerschnitten werden. Und sie haben es beim Ärger nicht belassen, sondern nachgeforscht.

Der, oder besser die Übeltäterin scheint gefunden. Zwei Wittenberger haben sich dieser Tage in der Redaktion gemeldet und von einer Dame erzählt, die im Schutz der Dunkelheit regelmäßig zur Flötistin schleicht, um Schals, Socken, Mützen wegzunehmen. Sogar ein Foto soll es davon geben. Leute, die sie bei ihrem Tun ertappten und sie ansprachen, soll sie gesagt haben, die Stricksachen würden nur noch zusätzlich Leute anziehen, es kämen sowieso schon zu viele dort auf die Promenade.

„Mir fehlen die Worte. Wie kann man so sein“, sagt Christa Hübner. „Ich finde, es ist eine kleine Attraktion, die so vielen Leute Freude macht.“ Auch gestern hat ihr Sohn sie pünktlich wie immer um 14.45 Uhr abgeholt. Nach der Schneid-Attacke musste die Flötistin neue Sachen bekommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen