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5. Jahreszeit in der Prignitz : Mit Rabatz und großem Helau

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Berger mit showmäßiger Renaissance der 90er Jahre in der Manier von „Let's Dance“/ Meyenburg verwandelt Haus der Vereine in Disneyland

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erstellt am 01.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Gastspiel am Freitagabend für die Berger Karnevalsgesellschaft in der Kreisstadt. Im „Deutschen Kaiser“ sind die Jecken und Narren aus Berge und Umgebung das dritte Jahr fest gebucht. „Für uns ist das fast wie ein Heimspiel“, gesteht schmunzelnd Nicole Ullmann. Denn wie sie, stammen etliche der Berger Karnevalisten aus Blüthen. „In meiner Jugend gab es nur den Karneval in Berge. Also wurde dorthin gefahren.“ Inzwischen haben auch andere Dörfer und Städte ihre närrische Ader entdeckt. Die Blüthener aber haben der Berger Karnevalsgesellschaft die Treue gehalten, „schließlich sind wir mit ihr großgeworden“, so Vorstandsmitglied Nicole Ullmann. Seit Jahren legt sie nicht nur in der Frauentanzgruppe eine flotte Sohle aufs Parkett, sondern bringt auch dem Nachwuchs die Showtanzschritte bei. Und damit quasi das Einmaleins des Berger Karnevals. Denn hier setzt man auf Show, auf Tanz und das quer Beet durch alle Generationen. Alles in Eigenregie – versteht sich.

Vier Jahre sind die Jüngsten und wenn die gemischte Tanzformation das Parkett erobert, dann zeigen auch die Omas beim Samba, dass die 50-Jährigen heute maximal für Ende 30 weggehen.

In Berge singt und tanzt man sich durch die Generationen – klassisch oder einfach zum Totlachen. Die Kleinen wachsen so mit Ken und Barby mit dem musikalisch auf den Leib geschneiderten Barbie-Girl-Song zu jungen Teenagern heran. Das starke Geschlecht hingegen lässt unter Leitung von Martin Springer und mit einer gehörigen Portion Humor die Loveparade wieder aufleben. Kurzum: Berge sorgt nicht nur für ordentlich Rabatz, wie ihr Schlachtruf verspricht, sondern auch für eine showmäßig bezaubernde Renaissance der 90er Jahre in der Manier von „Let's Dance“. Und dabei wird auch das Publikum in die Pflicht genommen.

Über alles Tun der rund 70 Aktiven auf und hinter der Bühne herrschen in diesem Jahr Christian II. und ihre Lieblichkeit Nadine I.. Beide sind übrigens auch im wahren Leben ein Paar und nun endlich auch mit königlichen Würden und Befugnissen. Aus den Händen von Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura empfingen sie den Rathausschlüssel. Eine Premiere, denn seit die Berger Narren in der Rolandstadt Rabatz machen, gelang es nun auch, den Perleberger Bürgermeister zur symbolischen Machtübergabe zu bewegen. „Und ein Er ist jetzt eine Sie“, stellte entzückt der Zeremonienmeister fest.

Auch er fehlt natürlich nicht im närrischen Programm der Berger – der kleine Narr Hubert, der mit seiner Frau Sonja und der Muggerkuhlerin Gudrun Springer die Zeitung im Dorf ersetzt. Für Perleberg habe man diesen Part etwas anders gestaltet, denn man muss schon Berger sein, um zu verstehen, was im Dorfe so getratscht wird, weiß Nicole Ullmann.

Auch wenn die Berger sich mit der Bütt etwas schwer tun, wie sie selbst sagen, fehlen darf sie nicht. Und kein geringerer als der Prinz des Vorjahres steigt in diese. Mirko Albinius ist übrigens Pritzwalker, über Freunde zur Karnevalsgesellschaft Berge gekommen und hängen geblieben, eben weil es hier so schön ist.

Für die Berger Jecken und Narren steht in dieser Session aber noch ein ganz besonderes Highlight ins Haus. Sie sind am 13. Februar Gastgeber für das Präsidententreffen. Vor 25 Jahren war es Petra Maaß, die jenes Treffen im Landkreis aus der Taufe hob. Sie ist auch heute noch bei den Berger Karnevalisten und mit dabei, wenn ihr „närrisches Kind“ nun wieder mal in seinem Geburtsort vorbei schaut.


Meyenburg


Und in Berge wird dann auch das Meyenburger Königspaar Ursula I. und Klaus I. einen Teil ihres Hofstaats präsentieren. Doch ehe es soweit ist, stehen auch hier die Veranstaltungen ins Haus. Unter dem Motto „Disney“ traf sich am Samstag schon einmal das ganze Zauberland zum närrischen Treiben. Egal ob Peter Pan, der Hutmacher aus Alice im Wunderland oder so manche Fee, das ganze Disneyuniversum feierte. „Hier in Meyenburg sind einfach viele Leute, die man kennt und es sind fast immer alle wirklich verkleidet“, erzählt Anne Kenzler. Die Telschowerin selbst hebt sich mit ihren dunklen Hörner und dem schwarzen Kleid doch etwas von der bunten übrigen Figurenwelt ab. „Ich bin als Maleficent – die dunkle Fee – verkleidet; auf gute Feen machen alle, das ist langweilig“, erklärt sie, bevor sie sich wieder der Bühne zuwendet.

Hier ist der Motzer von Meyenburg „Heinz-Horst Kosslowski“ gerade dabei, ordentlich auszuteilen. Egal ob gegen den Bürgermeister, die neu errichtete Sportanlage oder das Ende des Modemuseums um Josefine Edle von Krepl, alles, was 2015 in der Stepenitzstadt passierte, wurde aufs Korn genommen.

Musikalisch und tänzerisch immer wieder aufgelockert durch die verschiedenen Garden, wurden über zwei Stunden Programm gefüllt. Dabei stachen vor allem die Funken- und die Prinzengarde heraus.

Nicht verwunderlich also, dass die Funkengarde – nun allerdings als rote Garde – auch das Präsidententreffen in Berge bereichern sollen und die tanzende Prinzengarde beim Männerballettwettbewerb in Brandenburg/Havel antritt.

„Ihr ausgegebenes Ziel ist es, Publikumslieblinge zu werden und da haben sie beste Chancen“, ist sich Christina Rätke sicher. Sie ist seit Mai Präsidentin des MCC und mitverantwortlich für Organisation und Programm. Dass sie dieses Amt überhaupt bekleidet, ist ein Novum – zumindest für die Prignitz – und mehr den Umständen geschuldet. „Neun Mitglieder des Elferrats wollten vor zwei Jahren aufhören und es stellte sich die Frage, wie es weitergeht. Ich habe dann weitergemacht und bin nun Präsidentin“, so Rätke.

Und mit einem vollkommenen neuen Vorstand, ist die Arbeit noch einmal schwieriger. „Man kennt ja immer die eigenen Auftritte, aber was da noch an Formalitäten dranhängt, überblickt man erstmal nicht. Jetzt bin ich stolz, dass es so toll gelaufen ist“, berichtet sie nach dem ersten Karnevalsabend. Und sie muss es wissen, hat sie doch 30 der bisher 31. Saisons miterlebt. „Ich habe in der Funkengarde angefangen, war dann im Elferrat und das ist für mich jedes Jahr ein Pflichttermin.“

Und von diesen gibt es zeitnah noch drei weitere – am kommenden Samstag, dann den Rentnerkarneval sowie den Rosenmontagsball. „Kommenden Samstag sind wir auch schon wieder ausverkauft, aber so ist das bei uns Karnevalisten – wir sind alle etwas verrückt“, sagt sie lachend, bevor sie sich wieder ihren Kollegen zuwendet und auf den gelungenen Abend anstößt.

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