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THW auf Personalsuche : Mit Koch ginge beim THW mehr

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Helfer aus Wittenberge sind auch deutschlandweit im Einsatz – In Cumlosen trainieren Teams aus anderen Bundesländern

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2016 | 10:00 Uhr

Einen ungewöhnlichen Wunsch hat der Chef des Wittenberger Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks (THW), Roberto Brehme. „Wir brauchen einen Koch.“ Denn obwohl in den zurückliegenden Monaten fast keine Einsätze nötig waren, gab es viel zu tun.

Die rund 40 Mitglieder waren 2015 in anderen Regionen Deutschlands gemeinsam mit den dortigen Ortsverband im Einsatz. Sie brachten beispielsweise Zelte in die zentrale Erstaufnahmestelle im bayrischen Passau und halfen beim Aufstellen. Dorthin wurden auch Kraftstoffe, Möbel und Duschcontainer transportiert. „Die gerade in Deutschland angekommenen Flüchtlinge waren von den Strapazen gezeichnet, in bemitleidenswertem körperlichen Zustan und schlecht gekleidet, konstatierte er.

Die Prignitzer Mitglieder waren auch in Neuruppin im Einsatz, leisteten Hilfe nach schweren Unfällen auf der Autobahn beispielsweise beim Entladen verunglückter oder defekter LKW und halfen bei Großveranstaltungen. Da das THW eine Bundesorganisation ist, werden auch Termine von Bundeskanzler- und Bundespräsidialamt abgesichert. „Einige Spitzenpolitiker haben wir da schon aus der Nähe erlebt“, so Brehme.

Aktuell steht die Umsetzung des neuen Katastrophenschutzkonzeptes der Bundesregierung an. „Mit Fragen wie der Wiederherstellung der Stromversorgung beschäftigen wir uns bereits einige Zeit und sind auf dem Stand der Anforderungen“, so Roberto Brehme.

Ob mehr oder weniger Einsätze anfallen, eine Zahl bliebt relativ stabil. 90 Prozent der Zeit verbringen die Mitglieder mit der Wartung der Technik, der Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit, Training und Ausbildung. 200 Stunden im Jahr sind für jedes Mitglied vorgeschrieben, damit es die Aufgaben erfüllen kann. Über 500 Stunden pro Jahr sind beim Ortsverband üblich.

Und an dieser Stelle kommt dann der fehlende Koch ins Spiel. Denn Ausbildung, Instandsetzung und Wartung erfolgen alle zwei Wochen samstags ganztägig. Nach sechs Stunden muss es laut THW-Regeln ein Essen geben, dessen Qualität erfahrungsgemäß die Stimmung deutlich beeinflusst. Da wird gelegentlich bei den Notvarianten ein Küchenexperte schmerzlich vermisst.

Die Technik wird immer komplizierter, auch die Anforderungen an die Mitglieder steigen. „Der neue Ladekran ist ein Beispiel für das technische Niveau, das für ehrenamtliche Helfer kaum noch zu bewältigen ist. Zehn Kameraden werden an ihm ausgebildet, zwei beherrschen ihn gut. Es gilt viel zu beachten, das vergisst man rasch etwas. „Es ist sehr ärgerlich, wenn sich die Technik wegen eines Bedienfehlers einfach abschaltet“, erläutert der Ortsbeauftragte.

Ein engmaschiges Netz vorgeschriebener Überprüfungen und die Ausrüstung erforderten immer mehr Zeit. Denn die Überwachungstechnik der Fahrzeuge benötigt auch Energie, wenn diese diese abgestellt sind. Fahrzeuge vier Wochen stehen lassen funktioniert nicht mehr, dann besteht bereits die Gefahr, dass die Autos nicht mehr anspringen.

Da die Mitgliederzahl schon einige Zeit stabil bei etwa 40 liegt, von denen 25 ständig da sind, beginnt auch das Wittenberger THW etwas in die Jahre zu kommen. Brehme setzt auf die Generation 35+, die in gefestigten Partnerschaften lebt und wieder mehr Zeit für ein Engagement hat. Zudem gibt es eine Kinder und Jugendgruppe mit sieben Mitgliedern ab zehn Jahren. Schon Sechsjährige aufzunehmen, davon hält Brehme nichts.

Es sei schwierig, mit ihnen zu arbeiten und vieles könnten und dürften sie noch nicht tun. Ab zehn Jahren übt der Nachwuchs Knoten, lernt Abläufe und Technik im THW altersgerecht kennen. Auch Sport und Spiel sowie Theorie gehören zum Programm der alle zwei Wochen stattfindenden Übungsstunden. Diese fangen samstags immer mit einem gemeinsamen Essen an. Die Kinder und Jugendlichen werden in Wittenberge abgeholt, nach Cumlosen auf das THW-gelände gebracht und dann wieder in die Stadt gefahren.

Im Sommer gab es ein Jugendlager mit der Feuerwehr und ein zweites des Brandenburger THW-Landesverbandes gemeinsam mit Berliner und anderen Ortsverbänden. „In vielem gleicht sich unsere Kinder- und Jugendausbildung mit derjenigen der Feuerwehr, sagte Brehme. Eine Mitglied betreut das Nachwuchsteam, einen ausgebildeten Jugendbetreuer gibt es noch nicht.

Besonders stolz ist das Wittenberger THW auf sein Objekt in Cumlosen, eines der Besten deutschlandweit, ist sich Brehme sicher. Damit das so bleibt, wurden Fassaden instandgesetzt und der Trafo aus DDR-Zeiten gewechsel, was neue Fundamente und Leitungen erforderte. Umfangreiche Brandschutzarbeiten folgen. Wann die Absauganlage für die Fahrzeughalle installiert wird, steht noch nicht fest.

Die idealen Bedingungen mit der Elbe vor der Tür nutzen immer wieder auch THW-Teams aus Berlin und Nordrhein-Westfalen für Trainingsaufenthalte und Bootsübungen. „Sie bestätigen immer wieder, was wir für gute Bedingungen haben, das vergisst man leicht im Alltag, so Brehme.  

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