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Der Prignitzer

21. November 2017 | 13:21 Uhr

Mit Engagement und "Klebe-Effekt"

vom

Das Forsthaus Hainholz und das Hotel Gutenmorgen konnten die "Anerkannter Ausbildungsbetrieb" entgegennehmen. Sie wird an Unternehmen überreicht, die sich mit besonderem Engagement für die Ausbildung einsetzen.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2013 | 09:37 Uhr

Pritzwalk/Prignitz | Was gestern als Übergabezeremoniell einer Auszeichnung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam geplant war, schwang sich im Laufe des Gesprächs schnell in hohe politische Ebenen und durchbrach ebenso rasant den regionalen Charakter. Denn eigentlich war Dr. Victor Stimming, Präsident der IHK Potsdam, in das Kaminzimmer des Waldhotels "Forsthaus Hainholz" gekommen, um Ralf Wagenleiter die Urkunde "Anerkannter Ausbildungsbetrieb" zu überreichen und sich den Betrieb anzusehen. Doch nach über einer Stunde konnte er die Runde mit den Worten schließen: "Das war jetzt eine produktive Diskussion - nicht nur über das Forsthaus, sondern über alles, was uns bewegt."

Doch zurück zum eigentlichen Anlass. Die Auszeichnung "Anerkannter Ausbildungsbetrieb" wird im Rahmen des "Brandenburgischen Ausbildungskonsenses" an Unternehmen überreicht, die sich mit besonderem Engagement für die Ausbildung im Betrieb einsetzen. Gestern konnten nun das Forsthaus Hainholz in Pritzwalk und das Hotel Gutenmorgen in Dorf Zechlin (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) die Ehrung entgegennehmen. Und auch wenn Forsthaus-Inhaber Ralf Wagenleiter in 18 Jahren Hotelzugehörigkeit etwa 75 Auszubildende betreute, kam für ihn die Ehrung selbst überraschend. "Natürlich bin ich deshalb umso erfreuter", so der Hotelier, der in Pritzwalk sechs Azubis bei insgesamt 20 Mitarbeitern beschäftigt. Und doch konnte er in den Jahren einen gewissen Wandel bei den jungen Mitarbeitern beobachten. "Ich habe zunehmend Probleme, eine Veranstaltung am Wochenende kräftemäßig zu besetzten. Der meiste Umsatz wird aber in unserer Bereich nun einmal an diesen Tagen generiert", so Wagenleiter. Arbeit hätte mittlerweile bei den jungen Leuten einen anderen Stellenwert. "Deshalb werde ich in Zukunft auch eher in Gehälter und Mitarbeiter investieren als in Sachwerte", verdeutlicht der Hotelinhaber.

Doch sei das bei weitem nicht das einzige Problem, war sich die Gesprächsrunde einig. Neben den dramatisch gesunkenen Schulabgängerzahlen und der Abwanderung, sei vor allem auch die "Akademisierung" ein Aspekt für die vielen unbesetzten Lehrstellen. "Das duale System mit Ausbildung und Lehre ist eine Hauptkomponente, warum Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern so gut dasteht. Das sollten wir auch so verkaufen und aufwerten", so Stimming. Denn auch wenn Bildungssekretär Burkhard Jungkamp verdeutlichte, dass Brandenburg mit einer Abiturquote von 39 Prozent im deutschen Durchschnitt liege, machte er deutlich, dass im Handwerk viele Chancen liegen und auch diese Berufe anspruchsvoller geworden seien.

Mehrfach kritisierte die Runde zudem die Angst, die der Bevölkerung durch den zu erwartenden demografischen Wandel gemacht werde. "Als Dolchstoß seh’ ich es dann, wenn Eltern ihren Kindern sagen, sie sollen sich den Rucksack aufsetzten und woanders etwas suchen", so der Pritzwalker Bürgermeister Wolfgang Brockmann. Um dem entgegen zu wirken, helfe vor allem der "Klebe-Effekt". "Wir müssen durchlässiger werden, auch ein anschließendes Studium in Aussicht stellen und mit einem passenden Umfeld die Leute früh an die Region binden", so der Wunsch von Victor Stimmig.

Worte, die Ralf Wagenleiter selbst bereits beherzigt hat. Von seinen Auszubildenden wünscht er sich hingegen nur eins: "Herzblut für den Beruf. Dann sind auch Zensuren zweitrangig."

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