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Stadtführerin : Mit einer Gans Edlen auf den Turm

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Marika Weise erklärt als neue Stadtführerin Gästen und Einheimischen ihren ehemaligen Arbeitsplatz: Das Wittenberger Rathaus

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Wenn Marika Weise künftig das elbstädtische Rathaus aufschließt, ist das wie eine Rückkehr aus dem Ruhestand. Bis Ende Februar war die 65-Jährige als Teamleiterin im Bürgerbüro eines der Gesichter der Verwaltung. Akteneinsicht, Führerscheinangelegenheiten, Reisepass und Wohnungswechsel – bei ihr wurden die Bürger so ziemlich jedes Anliegen los. Und konnte Marika Weise nicht selbst helfen, wusste sie in jedem Fall den richtigen Ansprechpartner.

Wenn Marika Weise künftig das Rathaus aufschließt, führt ihr Weg aber nicht zweimal links ins Bürgerbüro. Vielmehr darf sie sich als Hausherrin in Szene setzen und im Gewand einer Adligen aus dem Geschlecht derer zu Putlitz Besucher durch das historische Gemäuer führen.

„Ich habe schon während meiner Zeit als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung regelmäßig Touristen und Schulklassen das Haus gezeigt. Mit Blick auf meinen Ruhestand kam natürlich die Frage auf, was ich dann mit meiner Zeit anfangen könnte. Ich kenne die Räume und auch die Geschichte und viele Geschichten rund um das Haus. Da lag es nahe, mich hier zu engagieren.“

Der Kulturbetrieb der Stadt sagte sofort zu, und eigentlich sollte Marika Weise als zweite Ackerbürgerin Mathilde – bereits seit Jahren führt Gisela Schulz in der Rolle des Stadtmaskottchens durchs Rathaus – die Gäste empfangen. „Die Fertigstellung meines Kostüms hat sich aber verzögert, sodass wir aus der
Not eine Tugend gemacht haben und auf die Figur der Adligen zu Putlitz ausgewichen sind.“

Dabei soll es vorerst auch bleiben, denn die Figur kam bei den bisherigen Führungen, die Marika Weise in diesem Jahr begleitet hat, offenbar gut an. „Und so ganz abwegig ist das ja auch nicht, denn das Geschlecht der Gans Edlen Herren zu Putlitz war vom 12. bis zum 18. Jahrhundert auch in Wittenberge die Herrschende Macht.“

Die Vorbereitung auf ihre Rolle habe eine Menge Recherche bedeutet. „Man muss da schon im Stoff stehen, damit man den Besuchern auch etwas vermitteln kann“, sagt Weise. „Aber ich denke, das Wichtigste ist eine Beziehung zum Haus selbst. Ich mag das Gebäude einfach und die Geschichten, die es erzählt.“

Ihre erste Führung hatte sie anlässlich der Elblandfestspiele und war sehr aufgeregt, wie sie sagt. „Ein bisschen von der Aufregung ist auch jetzt noch da, aber das legt sich meist schnell, wenn ich ins Erzählen komme.“ Und das kann durchaus länger dauern, sagt sie und muss lachen. „Normalerweise dauert die Führung eine Stunde, ich hab’s aber schon auf eindreiviertel Stunden geschafft. Die Gäste wollten einfach zu viel wissen.“

Jetzt kann sich die Edle Gans zu Putlitz aber erst einmal erholen, denn die Führungen gehen in die Winterpause. „Ich habe trotzdem genug zu tun, sei es bei Spaziergängen mit meiner Enkelin oder anderen Aktivitäten. Sie wissen
ja, als Rentner hat man nie Zeit.“ 

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