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Pfingst-tradition : Mit einem Lied auf den Lippen von Tür zu Tür

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eiersänger baten in der Nacht zu Montag in Quitzöbel lautstark um kleine Spenden

von
erstellt am 10.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Die Ausrüstung: Ein Handwagen, eine Kiste Bier, eine handvoll leere Eierpappen. Das Team: Sechs Junggesellen im besten Alter, Stimmgewaltig und hoch motiviert. Die Mission: Ein Marsch durchs Dorf, mit Gesang Freude stiften und dafür allerhand Eier einsacken. Eiersingen in Quitzöbel. Das gehört zu Pfingsten wie Lametta zu Weihnachten. Es ist Tradition.

„Und es macht natürlich riesigen Spaß“, sagt Michael Idel, als er mit seinen Kameraden kurz vor Mitternacht vom Feuerwehrgerätehaus los zieht, wohl wissend, dass es ein Marsch bis in die frühen Morgenstunden werden wird. „Das Eiersingen gibt es in Quitzöbel schon ewig. Wir sind jetzt die aktuelle Generation, und es wäre schön, wenn es die jüngeren irgendwann weiter macht.“

Nur männliche Junggesellen, so gebietet es der Kodex, dürfen teilnehmen. Mit einem Wagen und etwas Proviant geht es einmal durch den ganzen Ort. „An jeder Tür machen wir halt und singen den Bewohnern etwas vor“, sagt Michael Idel. Das Repertoire sei dabei sehr flexibel. „Von der Märkischen Heide über Marschlieder bis hin zu den Charts ist da alles dabei“, sagt Idel und grinst. Man müsse ja flexibel auf die Wünsche der Quitzöbeler reagieren können. „Für die künstlerische Leistung belohnen uns die Bürger mit etwas Marschverpflegung – vorrangig kleine Schnäpse – und mit rohen Eiern. Die sammeln wir, um sie dann bei einem Dorffest für
die Kinder des Ortes zu braten.“

Die hohe Spendenbereitschaft der Bevölkerung – wer nicht zuhause ist, hat seinen Obolus in einem Beutel an den Zaun oder die Türklinke gehängt – dürfte nicht zuletzt den Sanktionen, die Verweigerern drohen, zuzuschreiben sein. „Ein bisschen Strafe muss dann schon sein, wenn uns jemand auflaufen lässt. Da hängen wir auch mal das Hoftor aus und stellen es an den Zaun.“

So ziehen die Jungs gut gelaunt bis ans äußerste Ende ihres Heimatortes, um dort, am Hof von Hagen Tielebier ihre Tour zu beginnen. „Hagen stellt uns immer ein Tablett mit Schnäpsen raus, damit wir richtig warmlaufen können“, sagt Florian Wachsmuth. Doch zunächst regt sich nichts, als die Märkische Heide erklingt, gefolgt von „Schwarzbraun ist die Haselnuss“. Das Schnapstablett steht da, aber vom Hausherr keine Spur. „Vorführeffekt, und das wo die Presse schonmal da ist“, sagt einer der Sänger lachend.

Doch dann öffnet sich die Haustür, und Hagen Tielebier dirigiert die Märkische Heide noch einmal höchstselbst. „Das ist nicht einfach nur eine Spaßtour, da steht wirklich Tradition dahinter“, sagt er. „Toll, dass die Jungs das hochhalten.“

Wieviele Eier dieses Mal zusammen kommen, wissen die Sänger noch nicht. „500 bis 600 sind keine Seltenheit, und die werden in 14 Tagen fürs ganze Dorf gebraten. So haben alle was davon.“ Erst am frühen Morgen werden sie zurück sein und Bilanz ziehen.

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