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Der Prignitzer

24. Oktober 2017 | 04:34 Uhr

Mit einem Knöllchen ins Eheglück

vom

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2012 | 07:00 Uhr

Perleberg | Hochzeit feierten gestern die Steinbergerin Sandra Schmidt und der Brandenburger Stephan Schulz. Seit über 16 Jahren sind sie allerdings schon ein Paar, haben sich damals auf der Disko im Perleberger Schwarzen Weg kennen gelernt. Inzwischen leben der Systeminformatiker und die Immobilienkauffrau in Hamburg, sind längst eine kleine Familie. Ihr Spatz Johannes ist zweieinhalb Jahre alt und Ende April wird weiterer Zuwachs erwartet. Warum sie sich für den Dezember als Hochzeitstermin entschieden haben? "Das ist schon eine Art Familientradition", so die hübsche Braut. Ihre Schwester habe da geheiratet und Rommy Elster war auch hier die Standesbeamtin. Übrigens, als das junge Paar tags zuvor zur letzten Ansprache im Standesamt war, steckte anschließend ein Knöllchen hinter der Frontscheibe. Wenn das kein Glück verheißt.

"Ja, ich will", diesen Satz hörten die Standesbeamtinnen Rommy Elster und ihre Kollegin Marina Gleiß in diesem Jahr immerhin 170 Mal. Denn 85 Paare ließen im Perleberger Standesamt ihr gemeinsames Eheglück amtlich besiegeln. "Das sind elf Paare mehr als im Vorjahr", fügt Rommy Elster sichtlich erfreut an. Der Grund für diesen Zuwachs? Die Standesbeamtin hebt die Schultern, diese Frage vermag selbst sie trotz langjähriger Berufserfahrung nicht zu beantworten. Nicht ohne gewissen Stolz kann sie zudem vermelden, dass im Standesamt der Rolandstadt mehr Ehen geschlossen wurden, wo die Brautleute inzwischen in Berlin, Hamburg oder anderswo zuhause sind, als "wir Hochzeiten abgeben haben". Den Antrag auf Eheschließung muss das Brautpaar am Wohnort stellen, geheiratet kann jedoch werden, wo es beliebt. Aber offensichtlich zieht es zum Heiraten immer mehr ehemalige Prignitzer in heimatliche Gefilde. Und immer wieder klopfen auch "Fremde" an die Tür des Perleberger Standesamtes. Übers Internet sind sie auf jenes aufmerksam geworden oder haben hier mal an einer Trauung teilgenommen. Auch das gibt es: Urlaub wird in Perleberg gemacht und zugleich Hochzeit gefeiert.

Jung gefreit - der Spruch scheint allerdings etwas überlebt. Geheiratet wird zumeist mit Ende 20 und aufwärts und wieder vorwiegend in weiß oder cremefarben, traditionell mit Schleier oder Hut, mit oder ohne Hochsteckfrisur und Diadem oder auch im schlichten Kostüm, stets jedoch im festlichen Outfit. "Ob schon jahrelang zusammen und inzwischen bereits mit Kind und Haus, für die Brautleute ist es immer der aufregendste Tag im Leben", weiß Rommy Elster. Und da wird sich auch richtig schick gemacht, selbst wenn man ganz alleine vor der Standesbeamtin steht. Da kommt es dann auch schon mal vor, dass diese nach der Trauung als Fotograf fungiert und für das "Beweisfoto" sorgt.

Das Internet als Liebesportal, die Rose aus Plaste für den Heiratsantrag im Urlaub, weil alles andere das Vorhaben verraten hätte, die Disko oder der Berufsalltag, wo Amor seine Pfeile verschoss- so unterschiedlich wie die Beziehungen begannen, so unterschiedlich sind die Heiratsanträge und letztlich auch die eigentliche Hochzeit. Wenn sich zwei aber einmal entschieden haben, dann sind die beiden Perleberger Standesbeamtinnen überaus spontan. "Von Vormittag auf Nachmittag sind die Heiratswilligen ein Ehepaar, vorausgesetzt, alle notwendigen Unterlagen sind da", fügt Rommy Elster schmunzelnd an. Derartige Eheschließungen, die zumeist im kleinen Rahmen stattfinden, sind zwar die Ausnahme, aber nicht minder festlich und persönlich. Das gebiete schon die Ehre der beiden Standesbeamtinnen.

Die meisten, die den Ehehafen ansteuern, planen das Ereignis, manche gar minutiös, denn schließlich soll es der schönste Tag im Leben werden. Den eigentlichen Heiratstermin festmachen kann man aber erst ein halbes Jahr zuvor, sich vormerken lassen schon früher. Solche Termine wie der 12.12.2012, wo im Standesamt der Kreisstadt drei Ehen geschlossen wurden, oder der 20.12.2012 mit einer Eheschließung, sind in den nächsten Jahren allerdings nicht im Angebot. "Doch das hält Heiratswillige sicher nicht ab, sich das Ja-Wort zugeben", ist sich Rommy Elster sicher und lädt alle ein, dafür das Perleberger Standesamt zu wählen. Eheschließungen bis 13, 14 Uhr auch am Samstag, sofern keine anderen Veranstaltungen in den Räumlichkeiten stattfinden, seien kein Problem. Die ersten Anmeldungen und zehn Vormerkungen für 2013 liegen bereits vor und "sehr viele Nachfragen", freut sich die Standesbeamtin. Und wie wäre es mit Freitag, dem 13.? Da wären der September und Dezember 2013 im Angebot.

Trauzeugen, seit 1998 kein Muss mehr, "aber zu 80 Prozent wird davon noch heute Gebrauch gemacht", so die Standesbeamtin. "Man gibt sich das Versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten zusammenzustehen. Bei letzteren können Trauzeugen mitunter als eine Art Schlichter fungieren. Und irgendwie nehmen sie dem Paar die moralische Last, alles im Leben alleine stemmen zu müssen. Gute Freunde, manchmal durchaus auch die Eltern übernehmen die Aufgabe als Trauzeuge. Meist sind es zwei, "wir hatten aber auch schon sechs. Da wurde eben etwas enger zusammengerückt".

Oftmals feiert auch schon der Nachwuchs mit. So steht neben dem Körbchen mit den Blütenblättern zumeist auch noch ein Kuscheltier bzw. ein möglichst nicht klapperndes Lieblingsspielzeug, denn auch für so einen Hosenmatz ist es schon eine aufregende Sache, wenn Mama und Papa heiraten.

Auch 2012 haben alle Brautleute Ja gesagt, übrigens die Männer zuerst. Und auch 2013 wollen die beiden Standesbeamtinnen möglichst oft wieder den Satz sagen: … und damit sind Sie Kraft Gesetz rechtmäßig verbundene Eheleute".

Übrigens, da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, gratuliert die Stadt Perleberg den Frischvermählten mit einem Kochbuch. Allerdings fürs gemeinsame Eheleben findet sich auch darin kein Rezept.

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