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Mit den Fingern durch die Altstadt spazieren

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erstellt am 15.Aug.2012 | 07:30 Uhr

Perleberg | Sehen, fühlen und begreifen sollen Einwohner und Besucher künftig die Rolandstadt, mit den Fingerkuppen durch den historischen Altstadtkern laufen können. Möglich macht das der Bürgerverein Perleberg e. V. Er initiierte aus Anlass seines 15-jährigen Bestehens, das er in diesem Jahr begeht, die Anfertigung eines bronzenen Stadtmodells. Und das ist nicht irgendein Modell, sondern eines des nordrhein-westfälischen Bildhauers und Objektdesigners Egbert Broerken.

Der Künstler begann vor etwa 20 Jahren mit der Fertigung bronzener Blinden-Stadtmodelle, inzwischen sind es über 50 in Deutschland, Holland und der Schweiz. Mit Schülern und Lehrern der Westfälischen Blindenschule in Soest entwickelte er die optimale Tastbarkeit der Modelle und mit der Bronzegießerei ein spezielles Verfahren für die filigranen Erläuterungen in Blindenschrift. Die Stadtmodelle enstehen im Wachsausschmelz-Verfahren, einer alten handwerklichen Kunst, die Detailtreue und Unverwüstlichkeit der bronzenen Reliefs garantiert. Sowohl Sehenden als auch sehbehinderten Menschen eröffnen sich mit den Miniatur-Stadtansichten ganz neue Blickwinkel und Perspektiven.

"Es ist ein erklärtes Vereinsziel, dass wir deutlich sichtbare Beiträge zum Stadtbild leisten", stellte Dieter Kreutzer, Vorsitzender des Bürgervereins, gestern in einem Gespräch mit dem "Prignitzer" heraus. Er räumt auch ein, dass die Idee für das spezielle Modell nicht ganz neu sei. Die Stadt habe sie schon länger gehegt, allerdings nie umgesetzt. Unabhängig davon suchte man im Vereinsvorstand nach etwas Besonderem zum 15. Geburtstag. "Ein Vereinsmitglied hatte solch ein Stadtmodell anderswo gesehen. Daraufhin hatte ich es mir mit meiner Frau dann in Wismar angeschaut, wo ja im März dieses Jahres ein solches Exemplar eingeweiht worden ist", erzählt Dieter Kreutzer.

Wie Bauamtsleiter Hagen Boddin am Dienstagabend im Stadtentwicklungsausschuss informierte, sollen die Kosten gesplittet werden. 50 Prozent bringt d er Bürgerverein als Eigenanteil auf, die andere Hälfte komme aus Städtebaufördermitteln, konkret aus dem Programm "Aktive Stadtteilzentren" (ASZ).

Auf einen Standort, so Boddin, habe man sich auch schon verständigt: Das Modell soll auf dem Kirchplatz in Richtung Schulgang stehen. Es zeige die Altstadt im Maßstab von 1:500. Acht bis zehn Monate dauere die Anfertigung, so Boddin. "Wir rechnen damit, dass das Modell aber erst im Herbst 2013 aufgestellt wird", meint Dieter Kreutzer. Egbert Broerken habe die Rolandstadt bereits in Augenschein genommen, und er werde hier in der nächsten Zeit weiterhin aktiv sein. Seine Vorarbeiten für das Modell erledige er selbst, werde in der gesamten Innenstadt dazu Fotos machen, erläutert der Bürgervereins-Vorsitzende. Ausgehend davon werden dann maßstabsgetreue architektonische Modelle gebaut und Vorbilder aus Wachs modelliert. Am Ende stehen der Bronzeguss und das bildhauerische Bearbeiten des Sockels. Die Stadtskulptur kostet ersten Schätzungen zufolge rund 25 000 Euro.

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