Mit dem Schlepper nach Brüssel

Den Milchbauern ist das Lachen vergangen, deshalb gehts für Christian Alisch (l.) und Helge Dieckmann nach Brüssel.felix alex
Den Milchbauern ist das Lachen vergangen, deshalb gehts für Christian Alisch (l.) und Helge Dieckmann nach Brüssel.felix alex

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23. November 2012, 05:20 Uhr

Prignitz / Brunow / Brüssel | Den Milchviehhaltern in ganz Deutschland und damit auch der Prignitz ist das Lachen vergangen. Durch die derzeitigen Kostenentwicklungen bei der Milchproduktion fühlen sie sich zu "Restgeld empfängern" degradiert. Zudem wird in den kommenden Wochen der Rahmen für die zukünftige Agrarpolitik in Europa abgesteckt. Die Situation und die kommende Weichenstellung lassen die Bauern deshalb zu einer drastischen Aktion greifen. Mit ihren Schleppern fahren sie ab heute quer durchs Land, um schließlich in Brüssel gemeinsam für ihre Zukunft zu demonstrieren.

Die Molkereien konnten zwar zum 1. November um neun Cent höhere Trinkmilchkontrakte abschließen, dennoch bleibt für die Milcherzeuger wenig übrig. "Ein bis zwei Cent erhalten die Landwirte pro Liter mehr. Das aber bei bis zu 20 Prozent höheren Produktionskosten pro Liter", verdeutlicht der Leiter der Agrargenossenschaft Brunow Helge Dieckmann, der selbst nach Brüssel aufbrechen wird. Größte Faktoren sind hierbei die Futterpreise. "Durch die Kostensteigerung 2012 haben wir ungefähr die selbe Situation wie 2009 erreicht. Dieses Niveau gefährdet Existenzen, da bei spezialisierten Milchviehbetrieben die Einnahmen nicht die Kosten decken", führt Dieckmann an. Damals waren die Milchviehhalter schon einmal nach Brüssel aufgebrochen, um ihrem Unmut Luft zu machen, mit dem Ergebnis, dass das EU-Milchpaket verabschiedet wurde.

Nun steht in Brüssel wieder eine richtungsweisende Entscheidung kurz bevor. Hier wird über die Marktordnung nach 2015 beratschlagt und eben auch die Weichen gestellt, wie weit die Milcherzeuger künftig am Markt teilnehmen können. "Es wird beabsichtigt die Milchquote dann abzuschaffen, das ist aber keine Basis. Wir brauchen eine Marktregelung, egal wie sie im Endeffekt heißt", so Dieckmann. Ansonsten droht, so sieht es der Agrargenossenschaftsleiter, ein erneuter Milchpreisverfall. "Beispiel dafür ist die Schweiz. Hier gibt es seit 2,5 Jahren keine Quote mehr und der Preis ist um 25 Prozent eingebrochen. Deshalb müssen wir jetzt in Brüssel für unsere Rahmenbedingungen kämpfen", appelliert Dieckmann.

In ganz Deutschland und auch in den europäischen Nachbarländern wie Frankreich, Belgien, Italien oder Polen starten deshalb die Milcherzeuger mit ihren Schleppern. Von der Agrargenossenschaft Brunow wird sich Christian Alisch auf die rund 800 Kilometer lange und etwa 20 Stunden dauernde Reise begeben. Treffpunkt ist heute um 8 Uhr in Horst/Herzogtum Lauenburg, von wo aus es Richtung Osnabrück geht. Unterstützt werden die rund 500 Schlepperfahrer durch Busse und Pickups, die Sonntagnacht nach Brüssel fahren, wo die Fahrt am Montag mit einer Kundgebung vor dem EU-Parlament endet.

Besonders sauer aufgestoßen war dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) auch, dass im Rahmen der Milchmarktkrise und die damit verbundenen Verluste in Höhe von vier Milliarden Euro als kleine "Delle" verharmlost wurden. Außerdem sei den Verbrauchern suggeriert worden, dass die Bauern viel mehr Geld erhalten, weil die Milch auch deutlich teurer geworden ist. "Dass sich die Erzeugerpreise vorher auf einem skandalös niedrigem Niveau befanden, bleibt völlig unberücksichtigt", kritisierte BDM-Landesteamleiter Christian Karp.

Auch aus diesem Grund wollen die Milcherzeuger auf ihre Situation aufmerksam machen. "Wir rufen noch einmal alle Milchbauern auf, uns zu unterstützen. Egal ob aus der Prignitz, ganz Brandenburg oder Mecklenburg, kommt nach Brüssel", ermutigt Dieckmann.

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