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Von Hamburg bis nach Wittenberge : Mit dem Schiff auf der Elbe

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Noch mehr an touristischer Bedeutung gewinnen soll die Elbe zwischen Wittenberge und Hamburg. Bisher gibt es in dem Bereich fast nur Kleinstaaterei, Stückwerk, Anfänge. Nun soll auf den 180 Elbkilometern viel Neues entstehen, sollen die Kräfte gebündelt werden, um deutlich mehr Menschen in die Region zu holen.

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erstellt am 20.Feb.2012 | 06:15 Uhr

Hamburg/wittenberge | Noch mehr an touristischer Bedeutung gewinnen soll die Elbe zwischen Wittenberge und Hamburg. Bisher gibt es in dem Bereich fast nur Kleinstaaterei, Stückwerk, Anfänge. Nun soll auf den 180 Elbkilometern viel Neues entstehen, sollen die Kräfte gebündelt werden, um deutlich mehr Menschen in die Region zu holen.

Beschlossen und besiegelt wurde das neue Elbebündnis im prächtigen Hamburger Rathaus. In dem Projekt mit dem Marketingtitel "Kurs Elbe. Hamburg bis Wittenberge" sind die Hansestadt mit ihrem Bezirk Bergedorf, die Landkreise Harburg, Lüneburg, das Herzogtum Lauenburg, Ludwigslust-Parchim und auch das Land Brandenburg vereint. Unter anderem beteiligt sich der Landkreis Prignitz an dem Großprojekt.

Das Ganze wird von Lüneburg aus koordiniert, es gibt ein Büro, es gibt 300 000 Euro und es gibt sehr ehrgeizige Pläne. "Wir in Hamburg denken bei der Elbe meist nur an Hafenrundfahrten oder an den Weg zur Nordsee. Was wir schaffen wollen ist ein Pendant zur Lüneburger Heide", hatte Dr. Rolf Barnim Foth vom Hamburger Senat, Stabsbereich Norddeutsche Zusammenarbeit, erklärt. Süddeutsche, auf die Elbe angesprochen, würden derzeit sagen: "Ja nach Dresden wollte ich auch schon einmal." Diese Bekanntheit müsse die Unterelbe nun auch anstreben.

Es ist nicht der erste Anlauf, den Tourismus auf diesem Flussabschnitt wieder so zu beleben, wie es vor dem Weltkrieg war. Doch das Vorhaben Urstromtal Elbe kam nicht recht voran. Jetzt kommt ein neuer Versuch, umfassender als vorher und mit klaren Vorgaben.

Bereits in diesem Herbst sollen konkretere Planungen über das vorliegen, was geschafft werden könnte. Am Ziel lassen die Beteiligten keine Zweifel: Die Großlandschaft am Fluss soll erlebbarer werden, man möchte deutlich mehr Menschen in die Region holen, ohne gleich einen Massentourismus anzetteln zu wollen.

Ziel dieser Bemühungen, die sich nicht nur unmittelbar auf die Elbe konzentrieren, sind zunächst die Menschen in der Metropolregion Hamburg, und das sind schon einmal 4,3 Millionen. Diese an den Fluss und in Richtung Oberelbe zu locken, aus den vielen kleinen Angeboten, die es schon gibt, ein Netz zu knüpfen, das ist der Anspruch.

Begonnen wird bereits in diesem Jahr mit der Schifffahrt auf dem Fluss, wo sich z. B. die Reederei Heckert mit Sitz in Dömitz und Hitzacker sowie Barkassen-Meyer aus Hamburg zusammengetan haben. Beide Unternehmen bieten jetzt schon eine Verbindung von Hamburg bis Dömitz an und wollen das in diesem Jahr noch ausbauen. Fernes Ziel wären regelmäßige Verbindungen, einem Liniendienst vergleichbar. Das soll jedoch nur der Anfang sein, der Reiz liege in der Kombination der Angebote, deckte Projektleiter Jens Kowald schon mal die Karten auf. Für die meisten Touristen wäre eine Flusskreuzfahrt allenfalls als Hinweg oder Rückweg denkbar. Bootsfahrer, Radler, Wanderer, das sind wichtige Zielgruppen. Viele Häfen am Fluss sind jedoch gar nicht für einen größeren Ansturm ausgerüstet, viele Schiffe, die auf der Elbe verkehren, müssen auch für Radfahrer attraktiv gemacht werden. Am Ende wird man an vielen Stellen zwischen Wittenberge und Hamburg an Investitionen gar nicht vorbeikommen. Die sind mit dem vergleichsweise bescheidenen Budget des Projektes natürlich nicht zu stemmen.

Viel schneller werden jedoch Ergebnisse bei den so genannten Synergien erwartet, weil jetzt z. B. vorhandenes Kartenmaterial oder Informationen für Bootsfahrer schnell gebündelt werden können. Bisher mussten sich Interessenten das alles mühsam zusammensuchen.

Dass gerade der Lüneburger Landrat Manfred Nahrstedt zum offiziellen Projektauftakt dazu aufrief, das Briefmarkendenken zu überwinden, wundert nicht. Schließlich hat sein Kreis mit dem Amt Neuhaus ein Fünftel seiner Fläche hinzugewonnen. Der Fluss soll hier keine Grenze mehr sein, ist es aber im Alltag immer noch. Die Beteiligten gelobten in Hamburg den Willen zu langem Atem.

Für die Prignitz bedeutet das Projekt eine große Chance, noch mehr Besucher auf dem Wasserweg in die Region zu locken. Laut Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbands Prignitz, verfügen die an der Elbe liegenden Orte bereits über eine attraktive Infrastruktur. "Wir haben Anlegestellen in Cumlosen und Lenzen. Wittenberge hat mit dem Sporthafen die größte Anlegestelle mit Versorgungsstation und Gastronomie zwischen Magdeburg und Hamburg." Schwachstellen liegen seines Erachtens in der Vernetzung mit länderübergreifenden Angeboten.

Dass die kreis- und länderübergreifende Vernetzung hier und da etwas schwerfällig funktionieren mag, räumt auch Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann ein. Aber das ist nur ein winziger Punkt gemessen "an den Möglichkeiten, die dieses große Projekt in seiner gesamten Ausdehnung bietet". Das Wittenberger Stadtoberhaupt räumt unumwunden ein, "allein im touristischen Marketing ist die Namennennung von Wittenberge ein riesiges Pfund, von dem wir unmittelbar profitieren können. Wir gewinnen Anschluss an die Metropolregion Hamburg, die ja bis Ludwigslust reicht. Und wir kommen in der Personenschifffahrt Richtung Hamburg und umgekehrt weiter". Bedeutsam ist aus der Sicht von Dr. Hermann, "dass Reeder eingebunden sind, weil sie ein unmittelbares Interesse am Tourismus haben".

Lutz Lange, Geschäftsführer der Freizeitpark GmbH, bietet schon jetzt buchbare Touren von Wittenberge bis nach Schnackenburg, Hitzacker, Dömitz und Havelberg an. Noch rentiere sich kein fester Linienverkehr, aber es sei ein Zukunftsmarkt. "So etwas muss sich in Ruhe entwickeln", ist er zuversichtlich. Derzeit liegt das Hauptaugenmerk auf den Hafenrundfahrten, er wirbt aber auch mit gezielten Tagesausflügen beispielsweise bis nach Rühstädt. "Die Landschaft ist vom Wasser aus am Attraktivsten", meint Lange.

 

 

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