Gewerbegebiet Falkenhagen : Mit dem „Riesenbaby“ arrangiert

Die Luftaufnahme des Gewerbeparks gibt einen guten Überblick über die Dimensionen des Areals.
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Die Luftaufnahme des Gewerbeparks gibt einen guten Überblick über die Dimensionen des Areals.

Start unserer Serie zum Gewerbepark Prignitz / Landkreis und Wirtschaftsfördergesellschaft ziehen ein durchaus positives Resümee

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04. November 2014, 22:00 Uhr

Visionäre aus Nordrhein-Westfalen waren es kurz nach der Wende, die dem Landkreis Prignitz zu einer riesigen Hinterlassenschaft verhalfen. Die Rede ist vom Gewerbepark Prignitz in Falkenhagen.

Schaut man sich den Übersichtsplan des rund 370 Hektar großen Areals an und sieht, welche Flächen hier tatsächlich mit Gewerbe belegt sind – gut ein Drittel – könnte man sich die Haare raufen. Andreas Ditten, Sachbereichsleiter Planung/Unternehmensbetreuung in der Kreisverwaltung, und Uwe Büttner, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz, tun es dennoch nicht. Sie haben sich mit dem „Riesenbaby“ arrangiert.


Berater aus dem Westen mit großen Visionen


Geplant war dereinst, hier eine Gewerbefläche von rund 50 Hektar auszuweisen. Das war zumindest die Idee der geistigen Väter, Udo Dallmann und Gerhard Plack sowie Rainer Greve und Pfarrer Ulrich Preuß aus Falkenhagen. Dallmann und Plack gründeten seinerzeit das Unternehmen TUL agroservice GmbH. Bereits vor der Wende befanden sich hier das ACZ (agrochemisches Zentrum) und das Asphaltmischwerk, das es in Falkenhagen ebenfalls noch heute gibt. Das ACZ ging in die TUL über.

Berater aus NRW hatten allerdings die Vision von einem größeren Industriepark und empfahlen, zu klotzen anstatt zu kleckern, also gleich eine ganz mächtige Fläche zu erschließen, um den zu erwartenden blühenden Landschaften genügend Raum zu geben. Über den Landkreis Pritzwalk und den Bezirk Potsdam wurde Anfang der 90er Jahre gleich
alles in die Wege geleitet.

Rund 130 Hektar Fläche sind inzwischen belegt, inklusive Ausgleichs-, Grün- und Verkehrsflächen. Rund 84 Hektar sind rein gewerblich bzw. industriell genutzte Fläche. So gesehen hätte die Entwicklung den ursprünglich vorgesehenen Rahmen schon längst gesprengt. „Für insgesamt rund 20 Hektar haben wir konkrete Nachfragen ansiedlungswilliger Firmen“, sagt Uwe Büttner. Ist Falkenhagen also doch eine Erfolgsgeschichte?


1400 Beschäftigte in 30 Firmen


„Unterm Strich ist es wichtig, dass die Unternehmen laufen“, meinen Büttner und Ditten. Das tun sie. Insgesamt rund 1400 Beschäftige stehen hier in Lohn und Brot, verteilt auf knapp 30 Firmen bzw. Betriebsteile. Allein 2013 wurden knapp 5,3 Millionen Euro investiert, unterstützt durch Fördermittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Firmenpleiten, wie vor kurzem der Schlecker-Niedergang, und windige Geschäfte, die noch kurz nach 1989 beispielsweise mit der Schließung des gerade neu eröffneten Unternehmens Reus und Winkler (bekannt als „Windelbude“) für Negativschlagzeilen sorgten, scheint das Areal mühelos wegzustecken. Dazu gehört auch die Krise bei der EOP Biodiesel AG – heute firmiert das Unternehmen unter gbf GmbH, German Biofuels. Aus dem, was einst mit Reus und Winkler begann und gleich wieder in die Brüche ging, entstand beispielsweise mit Glatfelter (vormals Concert GmbH) ein Vorzeigeunternehmen, das momentan an die 400 Leute beschäftigt.

„Allen Unkenrufen zum Trotz hatten wir das Schlecker-Logistikzentrum bereits auf der Münchner Messe Expo-Real 2013, kurz nachdem es leergezogen war, gleich wieder an den Mann gebracht. Es war eine der ersten Schlecker-Logistikzentralen überhaupt, die weiter vermarktet werden konnten“, freut sich Uwe Büttner. Genutzt wird es jetzt von der Firma Glatfelter.

Auch das erste von inzwischen mehr als 50 Windrädern in der Prignitz stand in Falkenhagen. Das Gebiet war schon damals brandenburg- und bundesweit Vorreiter, was die Windenergienutzung anbelangt. Und ist es heute wieder mit dem Pilotprojekt „Power to Gas“. Der Energieversorger Eon betreibt hier seit vergangenem Jahr eine nach dem Prinzip der Elektrolyse arbeitende Demonstrationsanlage zur Umwandlung regenerativ erzeugter Energie in Wasserstoff. Dieser wiederum wird in das Gasnetz eingespeist. Damit zeigt Eon als eines der weltweit ersten Unternehmen, wie sich Windenergie im Erdgasnetz speichern lässt, um so Erzeugung und Verbrauch zu entkoppeln.


Vermarktung auch mit Mundpropaganda


Landkreis und Wirtschaftsfördergesellschaft investieren viel Zeit in die Bestandsbetreuung, setzen zudem – neben den üblichen Werbe-Wegen und der Nutzung von Messen – auf Mundpropaganda. Der Gewerbepark, so sagen sie, müsse weiter als Industriestandort etabliert und nach vorn gebracht werden. „Hier haben wir noch den Platz und die verkehrsmäßige Anbindung über Bundesstraße, Autobahn und Schiene“, macht Uwe Büttner deutlich. Im Landesentwicklungsplan sei Falkenhagen nach wie vor als Standort für Großansiedlungen enthalten. „Davon gibt es heute nicht mehr viele“, weiß Büttner.


Belastung des Kreises bleibt überschaubar


Finanziell halten sich die Belastungen, die das Gewerbegebiet für den Landkreis mit sich bringt, in Grenzen. Die Ausgaben betragen laut Andres Ditten rund 66 000 Euro im Jahr, u. a. für Straßenreinigung, Instandhaltungen etc. Die momentan nicht genutzten Flächen sind vorübergehend an Landwirte verpachtet, spülen also wiederum Geld in die Kasse. Von den Gewerbesteuern indes profitieren die Stadt Pritzwalk und die Gemeinde Gerdshagen.


In unserer heute beginnenden Serie möchten wir Unternehmen aus dem Gewerbepark Falkenhagen und der näheren Umgebung in lockerer Folge vorstellen und zeigen, was sich seit deren Gründung vor teils mehr als 20 Jahren alles getan hat. Auch neuere Ansiedlungen werden wir porträtieren und u. a. darstellen, welche Produkte von hier aus ihren Absatz auf dem deutschen und auf dem Weltmarkt finden – frei nach dem Motto „Made in Prignitz“.

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