Mit dem Fahrrad durch den Elbtunnel

<strong>Zum Vergleich:</strong> 1,90m  misst der Mitarbeiter, der hier das Sägeblatt präsentiert.
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Zum Vergleich: 1,90m misst der Mitarbeiter, der hier das Sägeblatt präsentiert.

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04. Januar 2013, 07:05 Uhr

Wittenberge | Bohren, sägen, schneiden steht auf dem gelben Firmenschild, das im Wittenberger Industriegebiet auf den Betrieb Kotke hinweist. Relativ klein prangt es, Zur Karthane 7, und lässt nicht unbedingt auf ein deutschlandweit tätiges Unternehmen schließen. Das allerdings mittlerweile so groß ist, als Wittenberger Betrieb sogar in ein 180 Millionen Euro teures Großprojekt, wie der Sanierung des Elbtunnels als eine der Hauptbaufirmen involviert zu sein. "Insgesamt drei Jahre haben wir alle drei Röhren mitsaniert", erzählt Klaus Kotke. Doch war der Weg bis dahin viel Arbeit und oftmals dem Zufall geschuldet.

"Schon 2005 sind wir durch einen Zufall in die Ausschreibung der Tunnelarbeiten ’reingerutscht, haben diese mit Erfolg durchgeführt und sind 2008 wieder angefragt worden", schildert der Inhaber. Bereits damals hatte er extra für diesen Auftrag einen Fugenschneider mit einer Schnitttiefe von 85 Zentimetern bauen lassen, um Rohrgräben in die Fahrbahn zu schneiden. "Diese Schnitttiefe erreichen nicht viele Unternehmen, denn es gibt in Deutschland nur vier bis fünf Schneider dieser Größenordnung." Bis Anfang November waren Kotke und seine Mitarbeiter an dem Großprojekt beteiligt, das europaweit ausgeschrieben wurde.

Bei dem 1975 eröffneten "Neue Elbtunnel" waren auf Grund neuer Sicherheitsstandards Sanierungsarbeiten nötig. "Außerdem musste der ganze Asbest ’raus und Entwässerungsleitungen sowie Lüftungskanäle an der Tunnelwand gelegt und entsprechend ausgeschnitten werden", so Kotke. Und das alles 28 Meter unter dem Flussbett. Doch vor allem die Umstände und Relationen prägten sich beim Firmeninhaber ein.

Mit dem Fahrrad durch den Elbtunnel

"Wir waren in diesem Moment die Ersten an der Baustelle, die von allen gejagt wurden. Mach’, mach’ - wir wollen weiter, hieß es da", verdeutlicht der 54-Jährige. Die Trennschnitte durchzuführen, war die Vorarbeit. Und das bei einem Projekt, dessen gesamte Sanierungskosten auf 108 Millionen Euro veranschlagt wurden. Insgesamt sind einige Geschichten rund um die Bauarbeiten in Erinnerung geblieben. "Die dritte Röhre war am kompliziertesten", erzählt der Firmenchef. "Man konnte diese erst ab 20 Uhr befahren, den Tag über ging wegen dem Verkehr überhaupt nichts. Ich hab mir dann einfach ein Fahrrad besorgt und war damit der Erste auf der gesperrten Strecke im Tunnel. Ich war wohl der Erste, der mit dem Fahrrad durch den Elbtunnel gefahren ist, dass ist ja sonst nicht möglich", erzählt Klaus Kotke. Und auch sonst passierten bei den Bauarbeiten am 3,3 Kilometer langem Tunnel viele unvorhergesehene Dinge, die nicht selten zu Mehrarbeit führten. Diverse Kernbohrungen im Stahlbeton waren ebenso notwendig, wie das Schneiden in Boden und Asphalt mit anschließendem Fugenvergießen. "Insgesamt haben wir, in mehreren Stufen á 15 Zentimeter, Trennschnitte in einer Länge von 180 000 Metern vorgenommen." Dass es einmal zu dieser Entwicklung kommen würde, war im Jahr 1991 noch nicht abzusehen.

Die Diamanten sind bei uns auf den Werkzeugen

Bei einem einjährigen Darmstadtaufenthalt hatte Kotke das professionelle Bohren und Sägen kennen gelernt und sich gedacht: Sowas fehlt in Wittenberge. Was dann folgte, war eine Erfolgsgeschichte, die aber auch leicht hätte schiefgehen können. "Als ich 1993 für 65 000 D-Mark meinen ersten Fugenschneider gekauft habe, hatte ich schon Angst. Was ist wenn es nicht funktioniert?", so der gelernte Schlosser. Doch schnell wuchs das Sortiment. "Die Leute haben angefragt, kannst du auch hier eine Tür ’reinsägen, dafür brauchte ich dann eine Wandsäge und so hat sich das dann entwickelt. Die Arbeiten sind sehr technikintensiv." Ende der 90er Jahre war der Betrieb dann überwiegend auf Autobahnen für Schneide arbeiten tätig. Mittlerweile beschäftigt die Firma zehn Mitarbeiter und ist auch bereit, solche Projekte wie den Elbtunnel anzugehen. Und auch die Aufträge erhält die Firma deutschlandweit. "Die beste Werbung ist die Leistung auf den Straßen und der Leumund der anderen Firmen", resümiert Kotke, der bei Großprojekten noch oft selbst vor Ort ist.

Immer im Wittenberger Firmensitz vor Ort ist seine Frau Conny, die bereits seit der Betriebsgründung für die Büroarbeit zuständig ist. Zum Firmenkapital, das überwiegend aus den teuren, aber abnutzungsanfälligen Diamantbohrkronen besteht, hat sie inzwischen ein abgeklärtes Verhältnis. "Die Diamanten sind bei uns halt auf den Werkzeugen und nicht im Schmuck."

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