Autor tritt Stipendium in Mansfeld an : Mit dem Blick fürs Detail

Rund um sein Büro hat Tobias Schwartz nur weite Natur.
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Rund um sein Büro hat Tobias Schwartz nur weite Natur.

Autor Tobias Schwartz zog für ein Stipendium mit seiner Familie von Berlin in die Prignitz und lernte die Umgebung schätzen

svz.de von
02. August 2016, 10:00 Uhr

Zumindest straßentechnisch lebt Tobias Schwartz schon seit Jahren in der Prignitz. Der Autor wohnt in Berlin in der Wilsnacker Straße, die Perleberger ist gleich um die Ecke und die Prignitzer nimmt er immer, wenn er mit dem Wagen über die Autobahn raus will aus Berlin. Und im Frühjahr war er in Perleberg, um die blühenden Kuhschellen zu bewundern.

Ganz fremd sei ihm die Prignitz daher nicht, erzählt der für das 42-tägige Putlitzer Residenzstipendium ausgewählte Schriftsteller. Dennoch war die Umstellung groß. „Mein Berliner Arbeitszimmer geht zur Straße raus, da hört man ständig Verkehr und gelegentlich ein Martinshorn. Hier in Mansfeld herrscht absolute Stille“, erzählt Schwartz. „In Berlin schleichen sich neben den Geräuschen auch immer wieder Gedanken ein, man könnte oder müsste doch noch etwas besorgen oder tun. Das ist hier anders.“

Schon nach wenigen Tagen in Mansfeld und der Prignitz hat bei Tobias Schwartz, seiner Frau Franziska Melzer-Schwartz und Söhnchen Aaron ein anderer Lebensrhythmus Einzug gehalten. Früh schlafen gehen und früh aufstehen heißt die neue Devise. Sie kommt der Arbeitsweise des Autors sehr entgegen. „Ich schreibe am liebsten morgens und vormittags, dann bin ich kreativ. Am Nachmittag ändere und korrigiere ich mehr.“

Auch Gottfried Benn half dem Stipendiaten, die Brücke von Berlin nach Mansfeld in das Haus der Familie zu Putlitz zu schlagen. Fast 15 Jahre wohnte Tobias Schwartz in Berlin am Mehring-Damm. Nicht weit entfernt befand sich einst die Arztpraxis des Dichters Benn, auf die dort eine Erinnerungstafel hinweist. „Ich schätze besonders dessen frühe Arbeiten und habe, wenn ich in der Gaststätte ,Destille’ nahe der Praxis saß, oft überlegt, ob auch Benn dort manchmal sein Bier getrunken hat.“ In einem Kneipenabendstück, das nicht nur „Destille“ hieß, sondern unter anderem dort aufgeführt wurde, ließ Schwartz Verse des expressiven Dichter einfließen. Es war dann für den Stipendiaten eine angenehme Überraschung zu erfahren, dass Benn in Mansfeld geboren wurde und dass am vergangenen Wochenende der Förderkreis zu einer Hommage an den Dichter einlud. So lernte Tobias Schwartz in Jürgen Rennert gleich einen Schriftstellerkollegen kennen, der nicht weit entfernt lebt.

Der Arbeit des Schriftstellers an seinem neuen Roman kommt auch entgegen, dass sich die Familie in Mansfeld wohlfühlt. Sohn Aaron ist über die Tiere begeistert, wünscht den Hühnern immer einen guten Morgen und eine gute Nacht, beobachtet sie und die beiden Katzen gern und durfte schon auf einem Pferd reiten. Da der Junge zuvor regelmäßig Kontakt zu Haustieren hatte, hat er zwar Respekt vor den Tieren, aber keine Angst.

Die Idylle mit dem Garten, den großen Weideflächen, die man von der Terrasse im ersten Stock sieht, dem Wald und dem nahen Teich müsse man annehmen, meint Schwartz.

Seine Inspiration findet er in vielen Details, zum Beispiel wenn er bei Touren durch die Region nach Meyenburg, Wolfshagen, in die Stadt und den Tierpark Perleberg sowie nach Mecklenburg-Vorpommern vielen Menschen begegnet. „Ich habe auch einen Eisvogel gesehen, eine großen Seltenheit. Er war nicht einmal besonders scheu“, erzählt der Autor. „So ein Erlebnis und die Charaktere werden bestimmt in meine Arbeiten einfließen.“

Derzeit schreibt er an einem neuen Roman, der in einem Ort an der Grenze zu den Niederlanden spielt und mehrere Jahrzehnte Geschichte mehrerer Familien in verschiedenen Zeit- und Erzählebenen an einem Tag bündelt. Wann der Roman erscheint, steht allerdings noch nicht fest.


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