Ministerium sagt: Kein Lehrermangel

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07. Januar 2013, 06:07 Uhr

Prignitz | Das Bildungsministerium in Potsdam widerspricht dem Eindruck von Eltern und Schulträgern, dass es in der Prignitz einen Lehrermangel gibt. "Ein struktureller Lehrermangel besteht nicht", heißt es in der Antwort auf eine mündliche Anfrage des Prignitzer CDU-Abgeordneten Gordon Hoffmann. Es gebe allenfalls punktuell Probleme und insbesondere in der ländlichen Region weniger Möglichkeiten, drohenden Unterrichtsausfall durch den Einsatz der verbliebenen Lehrkräfte oder durch organisatorische Maßnahmen zu vermeiden, heißt es weiter. "Auch für derartige Fälle konnten Lösungen gefunden werden", sagt das Ministerium. Für Groß Warnow bestand die Lösung bekanntermaßen darin, die 5. und 6. Klassen dauerhaft in Karstädt zu unterrichten.

Deutlich schwerer sei es jedoch, weiterhin ausreichend Lehrkräfte für das ganze Land und insbesondere für die peripheren Regionen zu finden. Um diesen Bedarf zu befriedigen, habe das Land die Ausbildung von Lehrkräften drastisch angehoben. "Waren vor wenigen Jahren noch 450 Plätze für Lehramtsanwärter zu besetzen, so werden es vom nächsten Jahr an 900 Plätze sein", heißt es weiter in der Antwort.

Wie Lehrer künftig in die Prignitz gelockt werden können, soll die durch das Ministerium jüngst eingerichtete Demografiekommission beantwortet werden. Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Bekannt ist, dass das Ministerium einen Lösungsansatz in der Einstellung von Seiten- und Quereinsteigern sieht. Derzeit läuft ein berufsbegleitender Vorbereitungsdienst mit zwölf Teilnehmern aus dem Schulamtsbereich Perleberg, davon die Hälfte aus Prignitzer Schulen.

Zur konkreten personellen Situation in der Prignitz befragt, erklärt das Ministerium, dass von den Lehrkräften, die an öffentlichen Schulen arbeiten, zwölf Personen langzeiterkrankt (Stichtag 27.09.2012) seien. Darunter sind zehn Grundschullehrkräfte und je eine Lehrkraft einer Oberschule und eines Gymnasiums.

Insgesamt unterrichten an Prignitzer Schulen 575 Lehrer. "Darüber hinaus unterrichten auch Lehrkräfte, die ihre Stammschule in benachbarten Landkreisen haben, an Prignitzer Schulen", so das Ministerium. Pro Schuljahr gehen rund 30 Lehrer in den Ruhestand, deutlich weniger werden neu eingestellt.

Beispiel Schuljahr 2009/10: 29 Lehrer gingen in den Ruhestand, nur einer wurde eingestellt. Auch in den Folgejahren sieht das Verhältnis ähnlich schlecht aus. 99 Abgängen stehen 22 Neueinstellungen gegenüber. Befristete Verträge sind in dieser Statistik nicht aufgeführt.

Der Bedarf an Lehrern habe aber erst in der jüngeren Vergangenheit zugenommen. "Bis vor wenigen Jahren gab es landesweit einen Lehrkräfteüberhang, der zwar weitgehend, aber nicht vollständig abgebaut werden konnte", sagt das Ministerium. Dennoch habe das Land entschieden, vorausschauend Lehrer einzustellen - auch für die Prignitz.

Dem Staatlichen Schulamt Perleberg wurde letztmalig für das Schuljahr 2009/2010 ein in absoluten Zahlen festgelegter Einstellungskorridor eröffnet. Durch das staatliche Schulamt konnten seinerzeit trotz eines bestehenden Lehrkräfteüberhangs bis zu 36 Einstellungen vorgenommen werden.

Das sei unter anderem ein Grund dafür, dass es in den Folgejahren weniger Neueinstellungen gegeben habe. Ab dem Schuljahr 2010/2011 war der Überhang im Schulamtsbereich Perleberg abgebaut. Zu diesem gehören neben der Prignitz auch die Kreise Ostprignitz und Oberhavel.

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