Schulessen in Wittenberge : Minister schlemmt in der Schule

Entspannt plaudern nach dem Essen Minister Helmuth Markov (r.) und Schulleiter Peter Awe mit Schülern der Ibis-Grundschule.
Entspannt plaudern nach dem Essen Minister Helmuth Markov (r.) und Schulleiter Peter Awe mit Schülern der Ibis-Grundschule.

Dr. Helmuth Markov überzeugt sich vom kulinarischen Konzept der Ibis-Grundschule / Landesweites Netzwerk unterstützt

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27. März 2015, 20:00 Uhr

Am liebsten hätte Minister Dr. Helmuth Markov seinen Teller abgeleckt. Das Mittag in der Küche der Ibis-Grundschule Wittenberge hat ihm sichtbar gemundet. Folgt man der Schulphilosophie, lag es daran, dass die Schüler selbst gekocht haben. Ein Experiment.

Eine externe Küche, die morgens kocht, das Essen über Stunden warm hält – das ist nicht das Essen, welches Schulleiter Peter Awe präferiert. Dass es anders geht, zeigt seine Schule beim Frühstück. Dieses wird seit mehr als einem Jahr täglich von Schülern und Lehrern frisch zubereitet. Ein Büfett, bestehend aus Salaten, Wurst- und Käsevariationen sowie Marmeladen. Mal ist eine Suppe dabei, mal Obst. Demnächst werde sogar einmal Brot gebacken.

Diese Idee würde Peter Awe gern auf das Mittag übertragen, „aber heute sind wir an unsere Grenzen gestoßen“, sagt er. Suppe, Salate, Hauptgang für rund 60 Schüler. Das war ein bisschen zu viel, meint Awe. Aufgeben will er aber nicht.

Im Gegenteil. Ein Schulgarten sei geplant. Von der Gärtnerei der Lebenshilfe soll schon bald das Gemüse bezogen werden. „Unsere Schüler können es dort ernten, einkaufen und hier verarbeiten.“ Die Umsetzung analog zum Frühstück halte er für machbar. Aus jeder der drei Klassen bereiten wöchentlich zwei Schüler unter Anleitung in 90 Minuten das Büfett vor. Teilnehmende Kinder zahlen dafür einen Euro.

Minister Markov hört interessiert zu. „Egal wer das Essen macht, Hauptsache es ist gesund“, sagt er. Auf große Einrichtungen sei die Wittenberger Idee eher nicht übertragbar, aber prinzipiell finde er sie hervorragend. Noch mehr freut den Minister für Verbraucherschutz, dass die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Brandenburg an diesem Experiment beteiligt ist.

Seit fünf Jahren gibt es das Netzwerk, finanziert durch Land und Bund. Die Förderung wurde erst kürzlich bis Ende 2017 verlängert. Der Auftrag lautet: Schulessen mit Qualität. Projektleiterin Dr. Maren Daenzer-Wiedmer kennt sich aus mit Qualitätsstandards, Inhaltsstoffen und sie weiß, in welcher der brandenburgischen Schulen es besonders gut schmeckt. Die Ibis-Schule sei ein Beispiel dafür und daher gezielt von ihr für den Ministerbesuch ausgewählt worden, verrät die Ernährungswissenschaftlerin.

Unter ihrer Regie finden Infoabende, mehrstündige Arbeitstreffen bis hin zu Workshops und Fortbildungen statt. Wie hilfreich diese sind, weiß Birgit Tröger. Sie ist als Projektmanagerin für das Essen in der Wittenberger Schule zuständig. Ob Rezeptideen, ob Arbeitsblätter oder eine kindgerecht aufbereitete Kräuterkunde – alles Leistungen des Netzwerkes, zählt sie auf.

Kochen statt zu lernen – diesen Vorwurf entkräftet Birgit Tröger umgehend. „Wir kaufen mit den Kindern ein, sie kalkulieren Mengen und Preise“, erzählt sie. Die Schüler müssen sich mit Hygiene in der Küche befassen, den Aufräumdienst organisieren und die angebotenen Speisen zweisprachig ausschildern. Das sei doch eine ganze Menge. Und Schulleiter Peter Awe ergänzt: „Sie lernen fürs Leben und Aufgabe der Schule ist es, die Kinder für dieses Leben fit zu machen.“

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