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Der Prignitzer

18. Dezember 2017 | 21:40 Uhr

"Mindestens vier Liter Wasser pro Tag"

vom

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Prignitz | Hochsommerliche Temperaturen stehen uns am Wochenende ins Haus und während es viele ins Freibad oder ’raus in die Natur zieht, haben die Ärzte im Perleberger Kreiskrankenhaus mit den Schattenseiten der Hitzewelle zu kämpfen. Denn viele Sonnenanbeter muten ihrem Körper bei den hohen Temperaturen zu viel zu und vergessen dabei ganz elementare Dinge.

"Wir haben hier allein am zurückliegenden Wochenende 117 Patienten ambulant behandelt und ein Großteil der Beschwerden wurde durch die Hitze verursacht", resümiert Oberarzt Tomasz Frackowiak, der am vergangenen Samstag und Sonntag Dienst hatte. Vor allem Herz-Kreislaufprobleme stehen auf der Liste ganz oben und können teilweise leicht vermieden werden.

"Die meisten dieser Patienten hatten einfach nicht genug getrunken und waren dehydriert", so Frackowiak. Herzrhythmusstörungen, allgemeine Schwäche, Kopfschmerzen und sogar Nierenversagen sind die Folgen. "Das ist zwar einer der schlimmsten Fälle, aber für den Laien nicht zu erkennen, da es nicht schmerzhaft ist", stellt der promovierte Arzt klar. Denn die Niere benötigt einen Liter Flüssigkeit am Tag, um zu Filtern und Gifte zu entfernen. Das ist bei unter 500 Millilitern am Tag nicht möglich, deshalb ist es ratsam, die Warnsignale der Körpers zu kennen. "Ein Anzeichen für zu wenig Flüssigkeit sind zum Beispiel wenig oder dunkler Urin, eine trockene Zunge und das Gefühl, dass alles im Munde zu kleben scheint", so Frackowiak, der anführt, dass das Thema alle Altersgruppen betrifft.

Dabei können viele Menschen meist nicht abschätzen, wieviel Flüssigkeit sie am Tag brauchen, erklärt der Oberarzt. Oftmals würde auch bei Vorerkrankungen empfohlen werden, wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um das Herz zu entlasten, doch diese Vorgehensweise sei bei Temperaturen knapp unter 40 Grad Celsius nicht ratsam. "Ein gesunder Mensch sollte bei dieser Hitze am Tag mindestens vier Liter trinken", so der Facharzt für innere Medizin und Kardiologie. Und auch vorbelastete Menschen, zum Beispiel mit Herzkrankheiten, müssten ihren normalen Konsum deutlich steigern.

Doch ist das einfacher gesagt als getan. So berichtet der Kardiologe von vielen Patienten, die sich erst über ihre Flüssigkeitsaufnahme Gedanken machen, wenn sie gezielt gefragt werden. Doch oft ist es dann schon zu spät. "So hatten wir vor kurzem eine ältere Dame, der beim Einkaufen plötzlich schwindelig wurde und die kollabiert ist. Sie konnte auch nicht sagen, was sie getrunken hat", erzählt Frackowiak. Nachdem der Dame Flüssigkeit intravenös zugeführt wurde, hätten sich sowohl Blutdruck als auch Herzschlag normalisiert. Solche Fälle ärgern die Retter, da sie einfach zu vermeiden sind.

Allerdings spielt nicht nur die Menge, sondern auch die richtige Getränkewahl eine entscheidende Rolle. "Alkohol, Kaffee und viele Tees wirken entwässernd, Säfte und Cola fördern eher den Durst, also wirklich lieber Wasser trinken", ermahnt der Kardiologe. Und auch das Wie ist entscheidend. Die komplette Menge herunterzustürzen ist uneffektiv. Lieber sollte das Wasser gleichmäßig über den Tag verteilt werden.

Doch das ist meist ebenfalls nicht einfach. Vor allem Personen, die auf den Pflegedienst angewiesen sind, vergessen oftmals das Trinken, da keiner darauf achtet. "Diese sind teilweise nicht einmal mehr in der Lage, sich Wasser zu holen, liegen im Bett und können sich nicht mehr bewegen", so der Mediziner. Denn durch den Mangel an Flüssigkeit sind die Adern nicht richtig ausgefüllt. Es kommt zu Durchblutungsstörungen, der Blutdruck sinkt und der Kreislauf leidet. Dass es gar nicht erst zu diesen Extremen oder auch "nur" zu Schwindelanfällen beim Aufstehen oder Übelkeit kommt, darauf haben vielerorts auch die Betriebe reagiert. "Wir stellen zum Beispiel unserem Personal unbegrenzt Wasser bereit. Allein am ersten Tag sind 80 Kisten alle geworden", so der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, Karsten Krüger. Allgemein sollte bei den zu erwartenden Temperaturen die direkte Sonne vermieden und schwere körperliche Arbeit stark reduziert werden. Wettergerechte Kleidung gehört ebenso dazu wie die eigenen Grenzen zu kennen - damit der Sommertag in der Natur oder im Freibad endet und nicht im Kreiskrankenhaus.

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