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Der Prignitzer

24. November 2017 | 16:18 Uhr

Miclhpreis : Milchpreis bedroht die Existenz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Für jeden Liter Milch etwa neun Cent Verlust. Rinderzucht in Schönhagen kompensiert Verluste mit Ökostrom.

Glücklich weidende Kühe, Landidylle pur. Das gibt es, aber in der konventionellen Landwirtschaft ist das Bild ein anderes. 1100 Rinder hält zum Beispiel die PBK Rinderzucht GmbH in Schönhagen bei Pritzwalk. In dieser Woche besuchten Landrat Torsten Uhe und der Bauernverband den Betrieb.

„Glückliche und zufriedene Tiere zu halten ist auch unser Anspruch“, sagt Geschäftsführer Christian Beckmann. Denn nur gesunde und zufriedene Kühe geben genug Milch und bringen die Leistung, die ein Landwirtschaftsbetrieb braucht, um wirtschaftlich überleben zu können. Der niedrige Milchpreis macht es nicht einfacher. „Wir können das Minus exakt beziffern: Bei jedem Liter Milch machen wir etwa neun Cent Verlust. Im Monat sind das 48 000 Euro“, sagt Christian Beckmann. Kompensieren lasse sich das nur durch Rücklagen und Einnahmen aus erneuerbaren Energien.

16 800 Kilogramm Milch produzieren die Schönhagener Kühe an einem Tag. Gemolken wird in einem Melkkarussell mit 22 Plätzen. Die 18 Mitarbeiter arbeiten in zwei Schichten. Nur die Zusammenarbeit im Unternehmensverbund mit dem Pflanzenbau bilde die solide wirtschaftliche Grundlage.

Gerne würde der Betrieb investieren. Die alten Stallanlagen aus DDR-Zeiten lassen den Einsatz moderner Technik nur noch bedingt zu, so Beckmann. Auch zum Wohle der Tiere wären neue Offenställe mit viel Licht und frischer Luft deutlich besser.

Aber das Problem sei der Naturschutz. Direkt hinter der Grundstücksgrenze beginne ein europäisches Vogelschutzgebiet. Alle Vorstöße, in diesem Bereich zu bauen, seien von den Behörden auf Kreis- und Landesebene abgelehnt worden. Eine weitere Optimierung der Tierhaltung sei somit nicht möglich, erklärt Beckmann.

Um so wichtiger bleibe daher das Standbein der alternativen Energien: Windkraft, Photovoltaik und Biogas. Aus diesen Quellen werden etwa 380 kw/h Strom gespeichert. „Deshalb haben wir hier keine Notstromversorgung mehr. Wir nutzen den Strom täglich selbst. Die Batterien werden am Tage aufgeladen und der Strom in der Nacht verbraucht. So können wir erheblich viel Geld einsparen“, erklärt der 29-jährige Geschäftsführer.

Auch eine Biogasanlage gehört zum Unternehmen. Hier werden Mais-, Grassilage aber auch zu großen Teilen Tierdung und Gülle eingesetzt. Den Strom speist das Unternehmen zu großen Teilen in das öffentliche Netz ein. Die beim Betrieb des Blockheizkraftwerkes erzeugte Wärme wird an eine 4,8 Kilometer entfernte Hähnchenmästerei und an die Stadtwerke in Pritzwalk geliefert.

Anders als viele andere Betriebe bereite ihm der berufliche Nachwuchs keine Sorgen. Zehn seiner Mitarbeiter seien wie er unter 30 Jahre alt. „Für uns ist es wichtig, den jungen Leuten zu zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert. Wir arbeiten mit Kindergärten und Schulen zusammen, haben Praktikanten von Hochschulen und Universitäten. Über Nachwuchs an Fachkräften und Auszubildenden können wir uns nicht beklagen.“

 

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