Prignitzer Handwerksserie : Metallbau ist Familiensache

Siegfried Schramm ist seit 2012 Obermeister der Metallbauer in der Prignitz.
Siegfried Schramm ist seit 2012 Obermeister der Metallbauer in der Prignitz.

Der Obermeister der Metallbauer-Innung Siegfried Schramm aus Pröttlin und seine Firma arbeiten eng mit der des Juniors zusammen. Auszubildende sind nicht in Sicht

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17. Februar 2018, 21:00 Uhr

Zehn Innungen sind in der Kreishandwerkerschaft Prignitz organisiert. Wir stellen in loser Serie die jeweiligen Obermeister vor. Heute: Siegfried Schramm aus Pröttlin, Obermeister der Metallbauer-Innung.

Während Siegfried Schramm beim Gespräch mit dem „Prignitzer“ in seinem Büro sitzt, klingelt pausenlos das Telefon. „Entschuldigung, aber da muss ich dran gehen“, sagt er. Die Auftragslage sei sehr gut, da sind häufige Anrufe nichts besonderes, aber heute ist es nochmal mehr. „Mein Sohn Maik liegt krank im Bett und er hat eine Rufumleitung drin, deshalb muss ich seine Anrufe entgegennehmen.“

Siegfried Schramm und seine Firma, die „Bauschlosserei Schramm“, mit Sitz in Pröttlin, ist spezialisiert auf Stahlbau, Industrietore, Schlosserarbeiten und Garagentore. Im September 1990 hat Siegfried Schramm seine Firma gegründet. „Ich hätte dies auch schon gerne vorher gemacht, aber zu DDR-Zeiten war es nicht so einfach“, erzählt der gelernte Metallbauer und Schmied. 1979 beendete er diese Ausbildung in Grabow. „Von je her hatte ich Interesse an Technik und daher sah ich diese Ausbildung für mich als richtig an“, erinnert sich Schramm. Einige Jahre später setzte er seinen Meister für landtechnische Instandhaltung drauf und schloss diese Qualifikation 1987 ab. Nach der Wende machte er noch eine Weiterbildung, um seinen Handwerksmeister zu vervollständigen. Diese schulte ihn besonders im Bereich der Buchführung und der Gesetzgebung.

Sein Sohn Maik hat im Familienbetrieb Metallbauer gelernt, ehe er sich 2009 mit seinem Montage-Service selbstständig machte. Beide Firmen arbeiten eng zusammen. „Der Junior kümmert sich hauptsächlich um die Montage und den Einsatz der Arbeitskräfte. Ich kümmere mich dagegen um den Verkauf und den Service“, berichtet Siegfried Schramm, der sich nach und nach aus der handwerklichen Arbeit zurückzieht.

Insgesamt umfasst das Team der beiden Firmen 13 Mitarbeiter in den Bereichen Büro, Außendienst und Montage. Darunter sind jedoch keine Auszubildenden. Ein Problem das Schramm bekannt ist: „Es ist ganz schwer, Jugendliche für unsere Arbeit zu faszinieren. Die meisten wollen von morgens bis mittags am PC sitzen und dafür gutes Geld verdienen.“

Auch aus diesem Grund ist Siegfried Schramm seit 2012 Obermeister der Metallbauer-Innung. „Ich will das Handwerk stärken, Nachwuchs finden und fördern. Man darf nicht vergessen, dass das Handwerk einer der größten Arbeitgeber in Deutschland ist“, so der Pröttliner. Schramm bringt viel Lust und Liebe mit in diese Aufgabe. „Ohne die geht es nämlich nicht.“ Um Nachwuchs zu gewinnen, ist er auch auf Ausbildungsmessen vertreten, um dabei für sein Handwerk zu werben. Er sieht zudem die viele dazugekommene Büroarbeit als eines der Probleme an, die verantwortlich dafür ist, dass es weniger Handwerker und noch weniger selbstständige Handwerker gibt. „Heutzutage muss viel mehr auch abseits der eigentlichen Handwerksarbeit getan werden. Angebote und Rechnungen schreiben und der gesamte Papierkram, der anfällt. Eigentlich sind wir doch Handwerker und keine Bürofachkräfte“, kritisiert der 57-Jährige. Ohne die Bürokräfte geht es heute nicht mehr. Einige Jahre war deshalb auch seine Frau mit im Büro seiner Firma tätig, mittlerweile hat Schramm dafür eine Mitarbeiterin eingestellt.

Mit der Selbstständigkeit hat sich Siegfried Schramm einen Traum erfüllt, sich selbst zu verwirklichen. Diesen Schritt habe er bis heute auch nie bereut, sagt er. Aber eines weiß er auch ganz genau: „Wenn nicht alle dahinter stehen und nicht alle fleißig sind, dann kommt man nicht weit und es ist schwer machbar.“

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