Auto unter Wasser : Mercedes versinkt in der Elbe

Taucher befestigten im gesunkenen Mercedes ein Luftkissen, um das Auto zu heben.
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Taucher befestigten im gesunkenen Mercedes ein Luftkissen, um das Auto zu heben.

Fährleute Butchereits retten den Fahrer – Taucher und Feuerwehr bergen bei Dunkelheit das Auto

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19. November 2014, 15:12 Uhr

Der über 80-Jährige Herr ist gerettet, sein Auto wieder an Land – glückliches Ende eines kuriosen Unfalls am Dienstagabend am Fähranleger Lenzen.

Gegen 17 Uhr saß Gerlinde Butchereit in ihrem Büro im Haus auf dem Deich. „Plötzlich hörte ich Hilferufe, griff mir sofort eine Taschenlampe und bin raus, um nachzusehen“, schildert die Frau des Lenzener Fährmanns die ersten dramatischen Minuten des Unglücks.

Draußen war es bereits dunkel. Gerlinde Butchereit lief hinunter zum Elbhafen. „Ich habe schwache Lichter im Wasser gesehen, dachte erst, das ist ein Boot.“ Doch dann erkannte sie, dass dort jemand in der Elbe schwamm. „Oh Gott, dachte ich nur.“

Mittlerweile hatte sich ihr Mann Erich mit der Fähre der Stelle genähert. „Ich war gerade auf der niedersächsischen Seite und habe gegenüber die Scheinwerfer eines Autos gesehen und bin sofort los gefahren, um das Fahrzeug zu holen“, erzählt der 72-Jährige. Doch dann waren die Lichter plötzlich weg. Butchereit zweifelte an sich selbst: „Ich dachte, spinnst du jetzt?“ Mit einem unguten Gefühl fuhr er jedoch weiter. „Im Scheinwerferlicht erblickte ich den Kopf eines Menschen im Wasser“, erzählt er.

Geistesgegenwärtig ließ Butchereit die Landeklappe seiner leeren Fähre herunter, wollte dem Mann im Wasser so eine Möglichkeit zum Festhalten bieten. „Doch der Herr ist von der Fähre weg geschwommen, hatte wohl Angst, dass sie ihn überfährt“, verfolgte Gerlinde Butchereit das Geschehen vom Ufer aus. „Ich habe ihm zugerufen, dass er zur Fähre schwimmen soll, was er dann tat.“

Fährmann Butchereit schnappte sich eine Stange und hielt sie dem Mann hin. Der griff zu und konnte sich aus dem neun Grad kalten Wasser ziehen. Kaum am Ufer angelegt, kümmerte sich Gerlinde Butchereit um den Verunglückten, ein Stammgast der Fähre, wie sich zeigte.

Sie brachte den klitschnassen Pechvogel hoch ins Fährhaus. „Ich holte trockene Sachen meines Mannes und setzte einen Notruf ab. Kurz darauf traf der Rettungsdienst ein und brachte den Mann ins Krankenhaus, welches er gestern wieder verlassen durfte.

Erst nach und nach konnten sich Butchereits und die Rettungskräfte ein Bild vom Geschehen machen. Offenbar hatte der Mann auf die Fähre gewartet und war ausgestiegen. Plötzlich begann sein Auto zu rollen. Das bemerkte er und versuchte zu retten, was zu retten ist – vergeblich. Der Mercedes plumpste ins Wasser und der Mann hinterher. „Vielleicht stand er unter Schock“, sagt Gerlinde Butchereit.

Bestimmt fünf Minuten sei er im kalten Wasser gewesen, schätzt sie. Dass er mit den nassen Klamotten überhaupt noch schwimmen konnte, sei bei den Temperaturen und angesichts seines Alters ein kleines Wunder.
Amtswehrführer Steffen Bethke traf mit als erstes am Unglücksort ein, koordinierte die Bergung. Das Auto war ein Stück abgetrieben, lag gut 30 Meter vom Ufer entfernt im Fluss. Die Kameraden aus Lenzen, Wootz und Kietz bauten Beleuchtungsmasten auf, Bethke forderte über die Leitstelle Taucher an.
Mit einem Schlauchboot ruderten Kameraden zur Unglücksstelle, setzen eine Markierungsboje. „Die Lichter des Autos waren noch an. Dadurch konnten wir das Fahrzeug gut sehen“, erzählt Steffen Bethke.
Knapp drei Stunden nach dem Unfall stiegen die Taucher Dirk Fuhrer und Mathias Jahnke vom DLRG aus Zarrenthin in die kalten Elbfluten. Sie sicherten das in rund drei Meter Tiefe liegende Auto und befestigten ein Hebekissen im Inneren. „Die Sicht war da unten gleich Null“, sagt Fuhrer, während sich das Hebekissen mit Luft füllte. Eine halbe Stunde später stiegen Blasen auf, zeigte sich das Heck des silbergrauen Mercedes an der Wasseroberfläche.

Weitere 15 Minuten vergingen, bis die Feuerwehr den Wagen an Land gezogen hatte. „Alles hat super geklappt und wir sind froh, das sich wirklich keine andere Person in dem Auto befand“, sagt Einsatzleiter Steffen Bethke.



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