Handwerk in der Prignitz : Meisterbonus ist der richtige Weg

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Handwerkskammer sieht in der Förderung einen zusätzlichen Anreiz für die Ausbildung. Die Auftragslage ist auf einem Rekordhoch.

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28. März 2018, 21:00 Uhr

Die gute Konjunktur stärkt das Handwerk. „Wir haben einen Auftragsvorlauf von 8,7 Wochen. Das ist gigantisch, das gab es noch nie“, sagte Potsdams Kammerpräsident Robert Wüst gestern vor Prignitzer Kollegen. Die hatten zur Vollversammlung nach Düpow eingeladen.

Der milde Winter habe das Baugewerbe vor größeren Zwangspausen verschont, die öffentlichen Investitionen in Wohnungsbau und -sanierung rechtfertigen einen durchweg positiven Ausblick, so Wüst. Selbst im Ausbildungsbereich konnte Wüst bei allen bestehenden Schwierigkeiten Erfolge verkünden: „Wir haben für das laufende Lehrjahr 1248 Verträge abgeschlossen, ein Zuwachs von rund zehn Prozent.“ Unter den Lehrlingen seien viele Flüchtlinge. Das zeige, „wie wir uns für sie engagieren“, so Wüst.

Wünsche an Landes- und Bundespolitik haben die Handwerker dennoch. Beim Thema Fahrverbote für Dieselfahrzeuge hob Wüst hervor, dass Handwerksbetriebe davon ausgenommen seien. Das sei wichtig, der Handwerker könne seine Ausrüstung schließlich nicht mit Bus oder Bahn transportieren.

Brandenburg habe mit dem Meisterbonus einen richtigen Weg beschritten. Nach bestandener Prüfung können Jungmeister für drei Jahre einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 12 700 Euro erhalten. „Der Bonus wird jetzt auf fünf Jahre verlängert“, sagte Wüst. Er solle ein Anreiz zur Meisterausbildung sein.

Doch die Meisterausbildung bleibt umstritten, wie die gestrige Diskussion zeigte. Angestoßen hatte diese Robert Kuhnt. Er ist Zimmerer und bietet seine Leistungen selbstständig im Reisegewerbe an, das heißt, er hat keine Firmenniederlassung und kann sein Handwerk ohne Beschränkungen und ohne Meisterbrief ausüben. Kuhnt plädierte dafür, dies beizubehalten und lehnt eine Rückkehr zu Einschränkungen oder zu einer Meisterpflicht ab. Hintergrund sind Überlegungen, die großzügigen Regelungen im Reisegewerbe einzuschränken.

Anwesende Handwerksmeister forderten dagegen eine verpflichtende Meisterausbildung. Nur durch sie könne die erforderliche Qualität der Arbeit gewährleistet werden. Von ihnen würden für viele Bereiche sogar Zusatzausbildungen verlangt, während im Reisegewerbe ein Geselle gleiche Arbeiten ohne Qualifikationen durchführen dürfe. Ein gutes Beispiel seien spezielle Schweißerarbeiten. Robert Kuhnt widersprach diesen Ansichten.

Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU) griff das Thema Meisterbonus ebenfalls auf. Er befürwortete eine Einführung in allen Bundesländern. Der Meisterabschluss müsse dem eines Masters gleichgesetzt werden. Das würde das Handwerk attraktiver machen. Er verteidigte die im Koalitionsvertrag mit aufgenommene Mindest-Ausbildungsvergütung. Über die Höhe sei noch nicht entschieden.

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