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Perleberger Frisör : Meister mit Kamm und Schere

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor 50 Jahren eröffnete Hartmut Sobania seinen eigenen Laden und ein Jahr zuvor machte er seinen Meister

von
erstellt am 08.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Alles wollte Hartmut Sobania werden, außer Schneider und Friseur. Ergriffen hat er das Handwerk, wo sich alles um die Haarpracht dreht, machte vor 51 Jahren gar seinen Meister und eröffnete vor 50 Jahren seinen eigenen Laden. Und Schuld habe sein Vater, erzählt schmunzelnd der heute 72-Jährige. Von Hause aus Schuhmacher habe der sich im Krieg das Haareschneiden angenommen. „So hatte er mit wenig Handwerkszeug immer Kleingeld in der Tasche.“

Hartmut war gerade geboren, da stand für den Vater fest: Der wird Friseur. „Es war ein Dienstag, damals hatten die Friseure an da immer nur bis Mittag auf“, erinnert sich Hartmut Sobania. Sein Vater legte ihm einen Lehrvertrag auf den Tisch und schickte ihn zwei Tage später zu Günter Pump nach Karstädt. Ein junger Friseurmeister, junge Friseurinnen – das gefiel dem Naturburschen aus Neu Pinnow-Ausbau, der eigentlich Förster werden wollte. Der erste Tag im Salon war rum, da freute er sich schon auf den nächsten. Mit einem Augenzwinkern erzählt Hartmut Sobania, wie damals seine Mutter beim ABV in Groß Warnow „irgendwas Amtliches“ für ihn beantragte. „Was lernt er denn“, fragte jener. „Friseur“, antwortete die Mutter. Darauf der ABV: „Die Zeile lassen wir lieber offen.“

Drei Jahre Lehre, dann anderthalb Jahre Armee. Mit Haareschneiden besserte auch er seinen Sold auf und bereitete sich zugleich auf die Meisterschule vor. 1964 hatte er dann seinen Meister in der Tasche und übernahm das Geschäft von Altmeister Ruh in Glöwen.

In Potsdam wollte man den jungen Meister haben, in Perleberg hatte Obermeister Fritz Böttcher ein Auge auf ihn geworfen. Allerdings konnte damals nicht jeder einfach irgendwo ein Geschäft eröffnen, „auf 2000 Einwohner kam ein Friseur“, erzählt Hartmut Sobania. Als sich die Chance in Perleberg bot, eröffnete er seinen Salon Am Hohen Ende, heute An- und Verkauf. Etwas später kam ein weiterer in der Wittenberger Straße hinzu. Mit der Wende wurde am Hohen Ende investiert, allerdings meldeten Alteigentümer hier ihre Ansprüche an. Umzug hoch zum Lidl, später zum Turm und schließlich in die Lindenstraße. Und mit ihm zogen die Mitarbeiterinnen aus der Wittenberger Straße. Auf sein Team hier und das in der kleinen Filiale in Havelberg, die er seit 15 Jahren betreibt, lässt er nichts kommen. Übrigens, auch so an 30 Lehrlinge gingen durch Hartmut Sobanias Schule. Selbst gesteht er heute, den richtigen Beruf ergriffen zu haben. Es sei einer der schönsten, weil es bei ihm 100-prozentig eben auch um die Schönheit ginge. Wer den Friseur verlässt, fühlt sich schön, „sonst haben wir was verkehrt gemacht“.

Eine neue Frisur macht zwar noch keinen neuen Menschen, vermittelt aber ein anderes Selbstbewusstsein, weiß Hartmut Sobania. Für ihn sind die Finger das wichtigste Handwerkzeug, Kamm und Schere Hilfsmittel, Kreativität und das Vermögen, sich in den Kunden hineinzuversetzen, wichtige Voraussetzungen, um in dem Beruf zu bestehen. „Computersimulationen? Der beste Computer bin ich selbst. Ich fühle, was sich aus und mit den Haaren machen lässt“, so der Meister.

Über 20 Jahre nahm Hartmut Sobaina am Schaufrisieren und an Meisterschaften teil und das durchaus erfolgreich. Seine ersten Lorbeeren beim Schaufrisieren verdiente er sich schon als Lehrling. Der Lohn: 1. Platz und ein Kristallaschenbecher, „den habe ich heute noch“.

Nach der Wende war er immer mal wieder für ein, zwei Wochen für bekannte Firmen seiner Branche Richtung Osteuropa unterwegs, gab seine Erfahrungen weiter. Und heute? Im Laden trifft man ihn immer noch an, „auch wenn ich inzwischen schon etwas kürzer trete“, gesteht er und blinzelt dabei verstohlen. Wer denn mal in seine Fußstapfen treten werde , die Antwort bleibe er schuldig. „Zu gegebener Zeit werde ich mal darüber nachdenken.“

Am 19. Mai werde erst einmal auf das 50-jährige Geschäftsjubiläum angestoßen. Auf welchen Tag jenes genau falle, darüber streiten sich die Geister. Denn bereits Ende März 1965 frisierte Hartmut Sobania seine Kunden in Glöwen. „Der Bürgermeister legte fest, du fängst jetzt an. In jenen Tagen hatte dessen Wort noch Gewicht“, so lächelnd der Figaro, dem sich beim Wort Friseusinnen die Nackenhaare aufstellen. „Das ist ein Schimpfwort, steht für Delitantismus.“ Präzision, die man im Herrenfach lernt und im Damenfach perfektioniert, dazu ein ruhiges Händchen, Kreativität – das zeichnet einen Friseur aus, Spaß und Stehvermögen und das acht Stunden am Tag seien wichtige Voraussetzungen.

 

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