Mehr Verstöße gegen Tierschutz

Foto: dpa
Foto: dpa

svz.de von
26. März 2013, 07:10 Uhr

Potsdam/Prignitz | Sie waren verwahrlost, verwundet und fraßen aus Hunger ihren eigenen Kot: Als der Amtstierarzt vor zwei Wochen 160 Pferde aus ihrem Martyrium in Linow (Ostprignitz-Ruppin) befreite, waren die Tiere in einem erbärmlichen Zustand. Zwei Stuten mussten sogar eingeschläfert werden, weil sie zu schwer verletzt waren. Vor einigen Tagen retteten Polizei und Feuerwehr in Perleberg sechs Hunde, zwölf Hühner und zehn Kaninchen aus einer verwahrlosten Wohnung. Die Beamten von der Stadtverwaltung waren wegen eines bissigen Hundes alarmiert worden. Als sie den Vierbeiner abholen wollten, entdeckten sie die anderen Tiere.

Keine Einzelfälle, denn in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in Brandenburg gestiegen. Deutlich. 1167 Verstöße listet das Verbraucherschutzministerium in der Antwort auf eine Anfrage der CDU-Politikerin Anja Heinrich für das Jahr 2008 auf. Im vergangenen Jahr waren es 1524 und damit 30 Prozent mehr. In der Prignitz stiegen die Meldungen moderat von 48 im Jahr 2008 auf 53 im vergangenen Jahr an. In anderen Kreisen sind die Sprünge zum Teil deutlich drastischer. In Oberhavel haben sich die Verstöße nahezu verdoppelt (von 18 auf 33). In Ostprignitz-Ruppin stiegen sie von 17 auf 30.

"Das Tierschutzbewusstsein ist gestiegen", sagt Dieter Saß, Tierarzt im Veterinäramt Uckermark. "Die Leute schauen mehr hin." Werden Hunde nur im Zwinger gehalten oder Herrchen und Frauchen verreisen übers Wochenende und niemand kümmert sich um Bello - dann meldeten sich oft Menschen aus dem Umfeld beim Amt, sagt Saß.

Die Veterinärämter müssen besonders oft einschreiten, weil Tiere nicht artgerecht gehalten werden. Zu viele Tiere auf zu wenig Platz, wie in Perleberg. 20 bis 30 Katzen in einer Wohnung seien keine Seltenheit, sagt Ellen Schütze vom Tierheim Fürstenberg. Die Tierschützer beobachten seit einigen Jahren das Phänomen des "animal hoarding". "Es werden immer mehr Tiere angeschafft und dann verlieren die Halter die Kontrolle", sagt Schütze.

Den Pferdebesitzern in Linow war vom Landkreis Uckermark schon ein Betreuungs- und Haltungsverbot auferlegt worden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen beide. Seit 2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert und ist damit Staatsziel. Die natürlichen Lebensgrundlagen und Tiere stehen seitdem unter seinem Schutz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen