Landwirtschaft : Mehr Öffentlichkeit auf dem Hof

Der Wunsch nach mehr Tierwohl trotz niedrigster Fleisch- und Milchpreise: Der Kreisbauernverband kritisiert, dass Verbraucher nicht bereit sind, für gute Qualität zu zahlen.
Der Wunsch nach mehr Tierwohl trotz niedrigster Fleisch- und Milchpreise: Der Kreisbauernverband kritisiert, dass Verbraucher nicht bereit sind, für gute Qualität zu zahlen.

Kreisbauernverband will Landwirtschaft als modernen und nachhaltigen Wirtschaftszweig präsentieren

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06. November 2015, 22:00 Uhr

Volksbegehren gegen Massentierhaltung, Glyphosat als Symbol für die böse Agrarindustrie, mögliche Nachteile durch Naturschutz-Fachpläne, Nachwuchsgewinnung: Diese Themen bestimmten neben Erntedaten und Preisverfall den Kreisbauerntag 2015 in Karstädt.

„Nicht nur, dass die Erlöse für Milch, Fleisch und Eier seit Monaten nicht annähernd kostendeckend sind. Der Landwirt sieht sich auch zunehmend schärferen und in Teilen unsachlichen Diskussionen um moderne Produktionsverfahren, vor allem in der Nutztierhaltung, ausgesetzt. Der Einzelhandel bietet qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu Ramschpreisen an, was die Kundschaft wohlwollend, aber stillschweigend hinnimmt“, analysierte KBV-Vorsitzender Lothar Pawlowski. „Das Wohlergehen der Tiere ist nicht von der Stallgröße, sondern von den Bedingungen abhängig, die jedes Tier in seiner Gruppe vorfindet.“ Ignoriert, ja teilweise diskreditiert würden Verbesserungen, die Betriebe vornehmen, wie die Tierwohlinitiative und Stallneubauten mit verbesserten Standards.

„Wir dürfen die Diskussion nicht denen überlassen, die mit Halbwahrheiten versuchen, uns in eine nostalgische Landwirtschaft zurück zu versetzen, die wir aus den 50er Jahren kennen“, so Pawlowski. „Wir sind gläsern, mehr als das Gewerbe und die Industrie und gern bereit, unsere Höfe und Ställe zu zeigen und die Arbeiten auf den Feldern zu erklären. Wir wollen uns mit hohen und wettbewerbsfähigen Standards der Zukunft als moderne, unternehmerische und nachhaltige Land- und Forstwirtschaft stellen.“ Zur Eigendarstellung sei jede Möglichkeit zu nutzen, ob beim Verpächtertag, Erntefest in den Dörfern, auf Kreis- und Landes- bis zur Bundesebene.

Der KBV selbst will einen Tag der Landwirtschaft ins Leben rufen – in der gleichen Woche, in der die Brandenburger Landpartie stattfindet. Zielgruppe sind Schüler, denen an zwei bis drei Standorten in der Prignitz die Landwirtschaft sowie vor- und nachgelagerte Bereiche näher gebracht werden sollen. Andreas Kiekback, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Mesendorf, berichtete über ein Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Initiative LandAktiv und zwei weiteren Landwirtschaftsbetrieben in Kuhsdorf, um Grundschülern Landwirtschaft anschaulich zu machen. Perspektivisch soll sich LandAktiv stärker auf die Sekundarstufe konzentrieren.

Zum Thema Bio- und Ökoproduktion argumentierte Pawlowski, dass der Einzelhandel zahlreiche Erzeugnisse anbiete, aber nur ein Bruchteil der Bevölkerung deutlich höhere Preise für noch höhere Standards akzeptiere. Eine „ökologisierte Landwirtschaft“ allein könne jedoch die Bevölkerung nicht ernähren, dafür seien 50 Prozent mehr Ackerfläche notwendig, die sei aber nicht vorhanden.

Nicht konform geht der KBV mit dem 2013 erlassenen Anwendungsverbot einer Gruppe von hochwirksamen Insektiziden (Neonicotinoide), die vor allem als Saatgutbeizmittel verwendet werden und als Kontakt- und Fraßgift wirken. Die Folge des Verbots: die kleine Kohlfliege und der Rapsfloh hätten sich prächtig entwickelten. Die Landwirte hätten mit Pyrethroiden mehrfach spritzen müssen. „Teilweise mussten Rapsflächen umgebrochen werden. Noch nie war der Rapsertrag in der Prignitz im Verhältnis zu Getreide so gering wie 2015. Wir fordern daher eine Aufhebung des Neonic-Verbots, erspart die langjährig praktizierte Anwendung doch andere Mehrfachspritzungen“, sagte Pawlowski.

Kritisch beobachten die Landwirte das Erstellen von FFH-Managementplänen zur Sicherung von Biotopen. „Wir fordern, die gute fachliche Praxis zu erhalten, das heißt: Naturschutz bei Nutzung! Wir brauchen keine neuen Ge- und Verbote, die dem Land- und Forstwirt die freie Wahl der acker- und waldbaulichen Mittel aus der Hand nehmen. Wir empfehlen den Grundstückseigentümern, diesen Schutzgebietsverordnungen durch die Hintertür nicht zuzustimmen“, so Pawlowski. Planungsinhalte seien unter anderem Flächenvernässung, Umwandlung von Acker in Extensivacker oder eingeschränkte Grünlandnutzung. „So sollen zum Beispiel Acker- und Grünlandflächen in der Dergenthiner Silge weiter vernässt werden. Wir haben Widerspruch eingelegt“, erklärte Pawlowski, zugleich Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Karstädt. Die nächsten Pläne würden für Flächen von Dallmin, Karstädt, Stavenow bis zur Lenzer Silge ausgelegt.  

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