Wasserwirtschaft : Mehr Freiheiten für die Karthane

Das Wehr am Forsthaus Karthan versperrt Wasserlebewesen bisher den Aufstieg.
Das Wehr am Forsthaus Karthan versperrt Wasserlebewesen bisher den Aufstieg.

Wasser- und Bodenverband Prignitz plant Maßnahmen, um Durchlässigkeit des Flusses zu verbessern

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15. März 2014, 12:00 Uhr

Zu wenig Wasser sorgte in den vergangenen Jahren regelmäßig dafür, dass die Karthane die Bezeichnung „Fluss“ kaum noch verdient hätte. „Die Fließgeschwindigkeit hatte so stark abgenommen, dass man fast von einem stehenden Gewässer hätte sprechen können“, sagt Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz (WBV), der für die Bewirtschaftung der Gewässer im Landkreis zuständig ist.

Um die Wasserführung und die Durchlässigkeit der Karthane zu verbessern und vor allem Fischen einen ungehinderten Aufstieg zu ermöglichen, plant der WBV in den nächsten Jahren mehrere Baumaßnahmen. „Das Wehr nahe der Siedlung Forsthaus Karthan wollen wir zurückbauen und durch eine Sohlgleite ersetzen“, sagt Schröder. Notwendig sei dies, weil die Europäische Wasserrahmenrichtlinie eine Durchgängigkeit der Flüsse für Fische und andere Wassertiere fordert, denen das Wehr nicht gerecht wird. „Dafür ist die Planung bereits finanziert, auch Vorarbeiten wie das Setzen von Grundwasserpegeln sind erledigt“, so Schröder. Noch in diesem Jahr sollen die Planunterlagen fertig werden, der Bau ist für 2015 avisiert und wird vier bis fünf Monate dauern.

Des Problems mit der
geringen Wasserführung nimmt sich der WBV durch die Reaktivierung einer Wasserüberleitung am Gnevsdorfer Vorfluter an. „Bereits zu DDR-Zeiten wurde hier Wasser über den Deich in Richtung Karthaneeinzugsgebiet gefördert, um Wassermangel, vorrangig in der Landwirtschaft, auszugleichen“, erklärt Schröder. Mit einer Schneckenpumpe sollen hier künftig 200 bis 300 Liter Wasser pro Sekunde aus der Havel ins Karthanegebiet gefördert und dem Fluss über Kanäle zugeleitet werden. „Wie damals wird die Landwirtschaft profitieren, zugleich können wir den Wasserstand in der Karthane stabilisieren“, so Schröder. Zudem werde geprüft, ob sich ein Betrieb der Pumpe über Solarstrom realisieren lasse, um Kosten und Emissionen zu sparen.


Freie Bahn für Lachs und Meerforelle


Pro Vorhaben rechnet der WBV mit rund 400 000 Euro Kosten für die Bauleistungen, die zum größten Teil in Eigenregie mit Fördermitteln von Land, Bund und EU realisiert werden. Alle Unterlagen seien eingereicht, nun müsse man auf die Förderbescheide warten.

Vor allem auf die Fauna der Karthane dürften sich die Maßnahmen positiv auswirken. „Perspektivisch soll damit der Aufstieg von Salmoniden wie Lachs und Meerforelle möglich werden“, sagt Frank Giese von der unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung. Das Wehr am Forsthaus sei derzeit das letzte große Hindernis im Flusslauf selbst – abgesehen vom Schöpfwerk bei Garsedow. „Dort entsteht im Zuge der Baumaßnahmen eine große Fischaufstiegsanlage, so dass der Weg aus der Elbe in Richtung Karthane frei wird.“ Weitere Tierarten, die profitieren, seien der Bitterling und die Flussmuschel.

„Es geht vor allem um die im Wasser lebenden Arten, neben Fischen auch Kleinstlebewesen, denn für die ist ein solches Wehr ein unüberwindbares Hindernis“, sagt Giese. Bieber und Otter würden es hingegen einfach auf dem Landweg passieren.

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