Mehr Chancen für Schwerverletzte

Gestern  unterzeichneten der Leiter des Traumazentrums, Dietmar Förster (r. ) und der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Lutz Dieckmann, eine Vereinbarung. Im Hintergrund: Wolfgang Korzen, Karsten Fritsch, Rolf Dein und Erhard Henning (v. l.).Birgit Hamann
Gestern unterzeichneten der Leiter des Traumazentrums, Dietmar Förster (r. ) und der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Lutz Dieckmann, eine Vereinbarung. Im Hintergrund: Wolfgang Korzen, Karsten Fritsch, Rolf Dein und Erhard Henning (v. l.).Birgit Hamann

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16. Februar 2011, 08:40 Uhr

Perleberg | Die Versorgung Schwerverletzter soll bundesweit perfektioniert und auf einem einheitlichen Qualitätsstandard durchgeführt werden. In unserer Region kam die Medizin diesem Ziel, das die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) absteckte, jetzt ein Stück näher: Das Kreiskrankenhaus Prignitz in Perleberg wird als regionales Trauma zentrum zertifiziert. "Wir sind damit die erste Klinik in einem weiten Umkreis", hebt Professor Dr. Rolf Dein, leitender Chefarzt des Kreiskrankenhauses, hervor. Am Montag dieser Woche erfolgte die Zertifizierung durch Mitarbeiter einer externen Kontrollfirma im Auftrag der DGU. Nun, so Geschäftsführer Wolfgang Korzen, fehle nur noch die Urkunde, die die Zertifizierung auch schriftlich dokumentiere.

Mit den Vorbereitungen habe man vor etwa zwei Jahren begonnen, berichtete Lutz Dieckmann, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Prignitz, gestern im Rahmen eines Pressegespräches. "Polytrauma - also ein mehrfach schwerverletzter Patient - das ist für einen Notarzt der Supergau. Wir wollen die Eingreifzeiten minimieren, Fehlerquellen, die häufig an Schnittstellen auftreten, minimieren, haben die Holperstellen im System beseitigt, damit ganz einfach die Überlebenschancen steigen", beschreibt Dieckmann ein sehr umfangreiches Räderwerk in kurzen Worten.

Rund 1500 Patienten werden jährlich in der Notfallambulanz des Kreiskrankenhauses aufgenommen, "zirka 300 sind Schockraumpatienten, 30 bis 40 weisen ein Polytrauma auf", erläutert Dr. Dietmar Förster, Chefarzt der Chirurgie am Kreiskrankenhaus, die Statistik. Mit der Anerkennung als regionales Traumazentrum werden letztgenannte Fallzahlen allerdings steigen. "Der Patientenzustrom ändert sich, Chirurgen werden zunehmend auch nachts operieren, es müssen andere Mengen an Blutkonserven vorgehalten werden und so weiter", blickt Professor Rolf Dein voraus. Als Schwerpunktversorger mache sich das Kreiskrankenhaus auf der anderen Seite auch attraktiv für Mediziner, die sich beruflich verändern wollen, bzw. für junge Ärzte, die in den Job einsteigen. Herzkatheter, Luftrettung, Traumazentrum - das seien durchaus wichtige Kriterien, nach denen sich Mediziner ihre Arbeitsstelle aussuchen, unterstreicht Wolfgang Korzen.

Im Vordergrund stehe jedoch die jetzt wesentlich bessere Versorgung der Patienten. "Die Chance, unbeschadet aus einem Polytrauma herauszukommen, verbessert sich wesentlich", so Rolf Dein. Er fügt an, dass die Zertifizierung des Hauses als regionales Traumazentrum ein Schritt auf einem Weg sei, den die Einrichtung seit zehn Jahren beschreitet: Neubau, Rettungshubschrauber, Herzkatheter, akademisches Lehrkrankenhaus, die Investition in neue Großgeräte und nun das Trauma zentrum - "alles zusammengenommen ist auch Standortsicherung", stellt Dein klar. Und: Die Rettungskette, so Dein, sei bedeutend enger zusammengewachsen. "Da passt jetzt wirklich kein Blatt Papier mehr dazwischen." Das wurde gestern in einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Trauma zentrum und Rettungsdienst fixiert.

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