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Der Prignitzer

22. November 2017 | 21:36 Uhr

Mehr Brandenburger könnten ein Haus bauen

vom

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2012 | 10:55 Uhr

Potsdam | Fast die Hälfte der Haushalte in Brandenburg leistet sich seine eigenen vier Wände. Damit liegt das Land bundesweit im Mittel, umgeben von den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen sowie Thüringen und Hessen. Das hat eine Analyse des Berliner Forschungsinstitutes empirica im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS) ergeben. Damit liegt das Land etwa im Bundesdurchschnitt, hier beträgt die durchschnittliche Wohneigentumsquote 43 Prozent.

Diese errechnet sich aus Einkommen, Hauspreisen und Finanzierungsbedingungen. Bundesweit könnten sich 61 Prozent der Haushalte erlauben, ein ortsübliches Eigenheim zu leisten, so die Studie. In Brandenburg seien es sogar 72 Prozent.

Als Grundlage der Analyse haben die Forscher Einkommens-Daten des Statistischen Bundesamtes mit Informationen aus dessen Preis-Datenbank für gebrauchte Einfamilienhäuser aus dem ersten Halbjahr 2011 verknüpft. Demnach sei Wohneigentum dann machbar, wenn bei einem Eigenkapital in Höhe eines Jahresnettoeinkommens die Finanzierungsbelastung von insgesamt sieben Prozent pro Jahr für Zins und Tilgung 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens nicht übersteigt.

Die Potenziale für die eigenen vier Wände werden damit erklärt, dass seit Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland die Zinsen bei relativ stabilen Hauspreisen gesunken sind. Im wirtschaftsstarken Süden seien die Immobilienpreise verhältnismäßig hoch. In den neuen Ländern schlage sich noch immer der Nachholbedarf aus der DDR-Zeit nieder, so die Analyse. Die größten Potenziale ergäben sich für Bremen, wo die Immobilienpreise für einen Stadtstaat verhältnismäßig günstig seien.

Doch Theorie und Realität driften oft auseinander, sagt Karin Giller. Laut Immobilienverband Deutschland gibt es für die große Differenz zwischen tatsächlicher und machbarer Wohneigentumsquote in Brandenburg mehrere Begründungen. Giller erklärt, dass bei jedem Kauf Nebenkosten entstünden. Diese könnten noch einmal 15 Prozent Aufschlag bedeuten. Dennoch sei es "unstrittig, dass die Erschwinglichkeit auf höchstem Niveau ist", sagt die Expertin. Außerdem seien die Zinsen "sensationell niedrig".

Gerade im ländlichen Raum werde aber weniger gekauft. Dies liege unter anderem daran, dass Mobilität eine wichtige Rolle spiele. "Wir haben zwar noch keine amerikanischen Verhältnisse", sagt Giller, aber Flexibilität, vor allem im Beruf, sei immer wichtiger. Dies könnte ein Grund für die Differenz sein. "Generell bedeutet Erwerb große Bindung", sagt sie. Manche Kosten seien beim Kauf noch gar nicht absehbar. Als Beispiel nennt sie den Ausbau einer Dorfstraße - da kämen schnell 20 000 bis 30 000 Euro auf Hausbesitzer zu.

Im ländlichen Raum führe auch die demografische Entwicklung zu der geringen Quote. Bei Ärztemangel oder Abwanderung der Geschäfte, schrecken viele vor einem Eigenheim zurück. Giller fügt hinzu, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Doch hier "verlieren vor allem die alten DDR-Bauten", sagt die Expertin. Sie genügen häufig nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Beispielsweise bei der Wohnfläche oder den Ausstattungen.

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