Aktionstag : Mehr Bänke und Mülleimer

Steppkes der Elbland-Grundschule gestalteten ein kleines Programm auf dem Bismarckplatz.
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Steppkes der Elbland-Grundschule gestalteten ein kleines Programm auf dem Bismarckplatz.

Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung: Ideen für schönere Stadt wurden gesammelt

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06. Mai 2017, 12:00 Uhr

Was benötigt die Stadt, um schöner und lebenswerter zu werden? Unter dieser Leitfrage stand der gestrige Europäische Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Der Bismarckplatz wurde unter Federführung der Awo Prignitz und der Stadtverwaltung in ein öffentliches Wohnzimmer verwandelt. „Hier sollen sich die Menschen treffen, miteinander ins Gespräch kommen“, fasste Beate Mundt, Sprecherin der Awo Prignitz, die Idee dahinter zusammen. Schon Mitte vergangenen Jahres wurde der Platz von Studenten der Fachhochschule Potsdam über einige Wochen zum Wohnzimmer und Bürgertreff umgewandelt. „Raumblühen“ nannte sich die Projektgruppe. Das Konzept kam gut an und wurde gestern in kleinerem Rahmen wiederbelebt.

Mit dabei war auch Richard Liermann. Der 79-jährige ist von Geburt an blind und weiß um die Probleme im Alltag. „Das Thema ,Barrierefreiheit’ bezieht sich nicht nur auf Straßen und Busse, sondern auch auf Behörden. Dass uns Sehbehinderten Formulare oder Plakate vorgelesen werden müssen, ist noch nicht bei jedem angekommen“, so der Vorsitzende der Bezirksgruppe Prignitz des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Grundsätzlich sei die Lage in Wittenberge gut, am Rathaus gibt es einen Aufzug, die Ampeln tragen akustische Signale. „Was sich aber verschlechtert hat ist das Zwischenmenschliche, der Blick für den Schwächeren ist in der hektischen Zeit nicht mehr so vorhanden. Das war früher anders“, so der ehemalige Physiotherapeut. Dazu kommt, dass es immer weniger Jobs für Sehbehinderte gibt. „Nur 30 Prozent der Blinden und Sehbehinderten haben überhaupt eine Arbeit“, so Liermann.

Gabriele Wiese hatte eine Liste mitgebracht mit Dingen, die geändert werden müssten. „Am Spielplatz im Zetkin-Park fehlen Bänke und Mülleimer. Ebenso auf dem Elbdeich, wo es zwischen Fährmann und der Autobrücke keine Sitzgelegenheit gibt.“ Die Situation am Spielplatz des Zetkin-Parks kritisierten auch die beiden Muttis Sarah Lübbert und Sarah Küffner. „Es ist dreckig. Die Leute lassen ihre Flaschen liegen, manchmal sind es auch Glasscherben. Ganz zu schweigen von den Zigarettenkippen. Man hat ein ungutes Gefühl, sein Kind dort spielen zu lassen. Ich kontrolliere alles immer erstmal“, so Sarah Lübbert. Bauamtsleiter Martin Hahn konnte zumindest erklären, dass man sich des Spielplatzes im Clara-Zetkin-Park annehmen werde, wenn die Planungen für eine Umgestaltung konkretisiert seien. „Wir haben das Defizit rund um den Spielplatz erkannt“, so Hahn. Beim Deich bat er zu bedenken, dass es sich eben um eine Deichanlage handelt, die besondere Erfordernisse habe. „Dort können wir nicht so frei agieren, wie andernorts.“ Trotzdem seien mehr Sitzbänke ein Thema im Rathaus, fügt Bürgermeister Oliver Hermann an.

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