zur Navigation springen
Der Prignitzer

23. November 2017 | 23:33 Uhr

Mehr als nur Brot und Butter vor Ort

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 06:37 Uhr

Berge/Prignitz | Schnell räumt Sven Krüger noch ein paar Zeitschriften ein, dann geht es los. Für den Perleberger ist es nach fast einem Jahr der erste Arbeitstag, und er freut sich. Zum einen, weil die Arbeitssuche ein Ende hat, zum anderen, weil er wieder das tun darf, was ihm richtig Freude bereitet, nämlich mit dem Einkaufsbus über Land zu fahren.

Zehn Jahre hatte er das für die Wittenberger Firma Gall getan. Als die aus Alters- und Gesundheitsgründen das Unternehmen einstellte, war es Krüger, der Jürgen Neher einen Bus übergab, mit ihm Inventur machte. Denn Neher, der in Berge einen Einkaufsmarkt betreibt, hatte sich entschlossen, sein Handelsunternehmen um diese mobile Möglichkeit zu erweitern und damit wenigstens einen Teil der früheren Gall-Routen abzudecken.

Doch schnell zeigte sich, dass der Bedarf viel größer ist, denn in den meisten Dörfern gibt es keine Märkte mehr. Außerdem werden die Bewohner immer älter, sind häufig nicht mehr mobil, um zum Einkauf in die Stadt zu gelangen. "Schon zu Jahresbeginn stand deshalb fest, dass ich einen zweiten Bus einsetzen werde", erzählt Neher. Doch damit begann erst einmal die Suche nach einem geeigneten Gefährt. Das fand er schließlich per Internet in Bayern. "Der Bus ist sogar besser als der erste, denn die Fahrerkabine ist in den Verkaufsraum integriert", beschreibt Neher. Noch fehlt zwar die eigene Werbung auf dem Bus, aber der ging dennoch gestern auf erste Fahrt, denn die Kunden warteten schon darauf.

"Ich fahre heute 13 Dörfer an, von Neuhausen über Klockow und Tacken bis Gülitz", erzählt Krüger. "Mal sehen ob ich da pünktlich um 16.30 Uhr wieder zurück bin, aber ich glaube, eher nicht", schmunzelt er. Denn Krüger weiß, was ihn erwartet. "Man muss sich Zeit nehmen für die älteren Kunden. Sie sind froh, wenn ihnen mal einer zuhört, da sind wir so ein bisschen wie Sozialarbeiter. Oder Ersatzkinder, wenn die eigenen weit entfernt leben und nur selten kommen können" , erzählt der Perleberger. Manche Kunden empfingen ihn auch mit "na mein Junge, lass dich mal drücken", strahlt Krüger.

Es ist dieser Kontakt zu den Menschen, der ihn auch ein paar Wochen länger warten ließ, als er eigentlich schon ein anderes Jobangebot erhalten hatte, aber auch die feste Zusage des neuen Berger Chefs, dass es ab August losginge. Neben Carsten Barner ist Krüger nun der zweite fest angestellte Fahrer, der wochentags im Landkreis Prignitz und im angrenzenden Mecklenburg rund 100 Dörfer aufsucht, um Lebensmittel, aber auch Drogerieartikel, Blumen oder Zeitschriften vor Ort all jenen zu bringen, denen der Weg in die Stadt zu weit oder aber gar nicht möglich ist. "Und wir nehmen auch Kundenwünsche entgegen", betont Neher. Gleichzeitig stellt er klar: "Mehr Busse werden es aber nicht." Mit dem jetzigen zweiten könne er den Bedarf im Landkreis Prignitz und darüber hinaus abdecken. "Die Firma Gall war früher auch noch in der Altmark unterwegs, aber das ist für mich von Berge aus einfach zu weit", stellt Neher fest. Denn natürlich müsse sich die mobile Versorgung auch rechnen, die Preise für die Kunden trotzdem erschwinglich bleiben.

Und mit zwei Fahrern könne er nun auch gut deren Freizeit und Urlaub abdecken. So gehe beispielsweise am Freitag nur ein Bus auf Tour, könnten sich die Fahrer da abwechseln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen